waren auch seine Bilder überall gern gesehen , und er kam mit solchem Fleiße der Nachfrage entgegen , daß er schon begann , Mangel an Gegenständen zu empfinden , und mehr Gemälde lieferte , als er Ideen dazu im Vorrat besaß . Er wiederholte sich öfter und war sogar um einzelne Wolken- oder Erdformen verlegen , da er alle schon ein oder mehrere Male irgendwie gebraucht hatte , obschon er noch nicht vierzig Jahre alt war . Denn er besaß eine stattliche Frau und eine Schar Kinder , die ernährt sein wollten , und da er bei dieser Bemühung einmal im glücklichen Schusse war , so gedachte er gleich auch wohlhabend zu werden . Wenn man für die alten Tage sorgen will , pflegte er zu sagen , so muß man das in den jungen Tagen tun . Auch sei es ihm unmöglich , die einzelnen seiner Kinder in der Armut zu denken ; darum müsse er sie alle dagegen schützen und zugleich hiedurch bewirken , daß sie einstmals für ihre Kinder ebenso gesinnt seien ; so nähmen die Dinge auf lange hin ihren guten Verlauf , einzig infolge eines entschlossen angewandten Grundsatzes . Er fragte mich , was ich treibe , und ich benutzte die Gelegenheit , ihn um seinen Rat zu ersuchen . Bereitwillig kam er zu mir und sah etwas überrascht meine Arbeit oder vielmehr die ihr zugrund liegende Naturstudie . Die Bäume , als die aus einem ehemaligen Hochwalde ausgeschnittenen Überbleibsel , zeigten alle so eigentümlich malerische Formen , wie man sie nicht leicht vorfindet oder zum zweiten Male antrifft , und die lichte Ordnung , in welcher sie sich besonders über die Höhe hin bewegten , war nicht weniger original . Da überdies die Eichen seither vermutlich auch niedergelegt und in ihrer Entlegenheit von einem andern Zeichner kaum wiedergegeben worden , so erhielt der Gegenstand der Studie wie des entworfenen Bildes ohne mein Verdienst den Charakter einer wertvollen Seltenheit . Dieser Umstand mochte den erfahrenen Landschafter anregen , sich lebhaft mit dem Entwurfe zu beschäftigen . Er begann erst mit Worten die zu große Fülle desselben , die sich selbst im Wege stand , zu sichten , das Überflüssige oder Hindernde auszusondern und das Wesentliche zusammenzurücken . Dann ergriff er , von Eifer hingerissen , Stift und Papier und brachte , fortwährend sprechend , mit fester Hand , seine Meinung so trefflich in sichtbare Gestalt , daß binnen einer halben Stunde eine Meisterskizze fertig war , die in jeder Sammlung guter Handzeichnungen ihren bestimmten Rang einnehmen konnte . Ich sah freilich mit geheimem Bedauern mehr als ein sinniges und frommes Motiv , das ich nicht hatte opfern wollen , verschwinden , bemerkte aber auch mit Wohlgefallen , wie gerade dadurch eine neue stärkere Wirkung des übrigen zum Vorschein gelangte und auch eine glückliche Ausführung erleichtert werden mußte . Ich freute mich , den Mann zu guter Stunde gefunden zu haben , und sah mich schon an der Arbeit . Allerdings mußte ich einen frischen Entwurf herstellen , da der Meister nach beendigter Beratung sein Blatt ruhig zusammenfaltete , in die Tasche steckte und mich freundlich meiner dankbaren Gesinnung überließ . Bei der Ausführung des Bildes suchte ich nun mein Bestes zu tun und hielt mich fleißig und hoffnungsvoll an die Arbeit , bei welcher ich so gut als möglich der Kritik des Meisters folgte . Es wollte mir zwar nachträglich vorkommen , als ob in der Komposition etwas allzu stark aufgeräumt worden sei für meine bescheidene Farbengebung , bei der ich , da es sich endlich um ein ordentliches Vollenden handelte , mit den ersten Regeln zu kämpfen hatte . Dennoch war ich nach Verfluß einer Anzahl Wochen nicht unzufrieden mit dem Erzeugnis , wie es sich innerhalb meiner vier Wände darstellte ; ich ließ es mit einem einfachen , unvergoldeten Rahmen versehen , der den Ernst künstlerischer Gesinnung , die nicht nach Prunkmitteln hascht , ausdrücken sollte und auch meinen Verhältnissen entsprach , und sandte das Bild in die Ausstellungsräume , wo das Neueste wöchentlich aufgehangen und der Verkauf vermittelt wurde . So war nun der Zeitpunkt da , von welchem ich vor der ländlichen Vormundschaftsbehörde so zuversichtlich gesprochen hatte , der Beginn eines rühmlichen Erwerbes . Als ich am nächsten Sonntage die Säle betrat , in denen eine geputzte Menge sich drängte , gedachte ich deutlich jener stolzen Worte , aber jetzt mit kleinem Mute , da schon zuviel von der Sache abhing . Sobald ich das unscheinbare Bild von weitem bemerkte , getraute ich mich nicht , in der Nähe zu weilen , weil ich mir plötzlich wie ein armes Kind vorkam , das sein aus einem Flöcklein Baumwolle und etwas Flittergold verfertigtes Schäfchen am Weihnachtsmarkte mit den vier steifen Beinchen auf einen trockenen Stein gesetzt hat und ängstlich harrt , ob von den tausend Vorübergehenden einer seinen Blick darauf werfe . Das war nicht Hochmut , sondern das Gefühl , daß ich es als einen glücklichen Zufall preisen müßte , wenn sich ein geneigter Käufer für mein Weihnachtslämmchen fände . Aber auch von einem solchen Zufall konnte schon keine Rede mehr sein ; denn als ich in den nächsten Saal ging , sah ich meine Landschaft , von meinem Ratgeber ausgestellt , mit allem Glanze seines Könnens gemalt , von der Wand leuchten , umgeben von einem Rahmen , der allein mehr kostete , als ich für mein Bild zu fordern wagte . Ein daranhängender Zettel verkündete den bereits erfolgten Ankauf des gelungenen Werkes . Eine Gruppe von Künstlern unterhielt sich vor demselben . » Woher mag nur das famose Motiv sein ? « sagte einer , » er hat schon lange nicht so was Neues gehabt ! « » Dort vorn « , erwiderte ein anderer , der soeben herzugetreten , » dort hängt das Motiv noch einmal , offenbar von einem Neuling , der noch nicht recht zu untermalen und noch weniger zu lasieren versteht ! « » Dann hat er ' s dem gestohlen , der Spitzbube !