es Gottlieb schilderte , auch selbst weiterzuführen ? Er konnte es kaum noch glauben . Aber damals war er mit sich selbst uneins und fürchtete sich vor etwas , das ihm noch bevorstand und sich inzwischen so günstig entschieden hatte : die Aussöhnung mit dem Vater . Gottliebs Brief wurde als Andenken an die Zeit in den Bergen der Sierra Nevada sorgfältig aufbewahrt , und als bald darauf die Nachricht vom endlich abgeschlossenen Frieden zugleich mit dem Heimberufungsbefehl für den . » Meteor « in Havanna eintraf , da hatte Robert vorher noch Gelegenheit gehabt , die kleine Insel , auf der er so lange als Einsiedler gelebt hatte , auch bei Tage wiederzusehen . Acht Mann erhielten die Erlaubnis , einen ganzen Tag auf seinen Ausflug zu verwenden , und mit Robert an der Spitze durchzogen die fröhlichen Blaujacken das ganze Eiland , indem sie singend und lachend alle Vögel aus ihrer Ruhe aufscheuchten und dann von der halbverfallenen Hütte feierlich Besitz ergriffen , um auf seinen leeren Weinkisten den mitgebrachten Proviant auszubreiten und ausgiebige Rast zu halten . Am folgenden Tage lichtete der » Meteor « die Anker und dampfte nach Europa , wo er im Hafen von Kiel nach glücklich überstandener Reise eintraf . Robert hatte schon gleich nach Beendigung des Feldzuges darum nachgesucht , seine dreijährige Dienstzeit auf der Flotte ohne Unterbrechung abschließen zu dürfen , und da ihm das bewilligt worden war , so kam er als Bootsmannsmaat auf die Korvette » Gazelle « , die im Sommer 1871 mit Kadetten nach Westindien und Brasilien gehen sollte , auch Gerber wurde diesem Schiff zugeteilt , und nur den Abschied von dem verehrten Kapitän Knorr empfand Robert als sehr schmerzhaft . Er trennte sich von diesem ebenso strengen wie gerechten Vorgesetzten nur äußerst ungern . Als aber der Kapitänleutnant halb scherzend , halb ernsthaft sagte : » Wir treffen uns noch einmal wieder , Kroll , wahrscheinlich , wenn Sie bereits Deckoffizier sind , denn zur Handelsmarine gehen Sie ja doch nicht mehr zurück ! « - da lächelte er getröstet . Wie ihn doch dieser Mann richtig erkannte . Wirklich , es wäre jetzt ein harter Entschluß gewesen , den Dienst an Bord eines Kriegsschiffes mit seiner gerechten Behandlung , seiner guten Verpflegung und den interessanten , anregenden Aufgaben wieder gegen ein Handelsschiff zu vertauschen , auf dem doch im Grunde die Willkür des Kapitäns in der Behandlung der Mannschaft den Ausschlag gibt . Aber daran brauchte er vor der Hand nicht zu denken . Noch standen ihm fast anderthalb Dienstjahre bevor , und was dahinter lag , das fand sich später . Erst einmal gab es Urlaub in die Heimat , und an einem frischen , kühlen Aprilmorgen bestieg Robert in Kiel den Zug nach Pinneberg , kam also diesmal aus entgegengesetzter Richtung in das kleine Städtchen zurück . Am Bahnhof stand der Vater , noch in demselben großväterlichen Gehrock , den er vor dreißig Jahren als Bräutigam eigenhändig genäht hatte , noch mit dem riesigen Hut und den Vatermördern von Anno dazumal , die er nur trug , wenn irgendeine besondere Festlichkeit gefeiert werden sollte , - ein Spießbürger durch und durch , aber doch sein Vater , sein lieber , guter Vater , dem er sich in die Arme warf und ihn freudig begrüßte . Und Meister Kroll schaute so stolz drein , er schien allen Leuten , die einst sein schweres Leid gesehen hatten , sagen zu wollen : » Nun ist es aber anders geworden , was ? « Und dann , als der erste Rausch verflogen war , drängte er zur Eile . Die Mutter in ihrer altgewohnten Bescheidenheit , befangen in den Vorurteilen des kleinen Städtchens , hatte es ja nicht schicklich gefunden , am hellen Morgen schon im Sonntagsstaat spazieren zu gehen , als gäbe es am Herd und in der Küche gar keine Arbeit mehr , sondern sie war daheim geblieben , kochte und backte und lief , als sie das Pfeifen der Lokomotive hörte , in jeder Minute ans Fenster , um nach den beiden Ausschau zu halten . Wie war das jetzt alles so ganz anders als damals im vorigen Herbst , als Robert nur bis auf den Flur gekommen war und ohne ein versöhnendes Wort wieder fortging - - Die Mutter wischte sich mit dem Schürzenzipfel die Tränen aus den Augen . Als aber nach ein paar Minuten die Erwarteten endlich erschienen , da rollten sie ihr doch über die Wangen herab , und die alte Frau brachte vor Freude kaum ein Wort über die Lippen . Robert durfte jetzt er für längere Zeit ausruhen und konnte mit Recht seinen Urlaub genießen . Und was hatte er nicht alles zu erzählen , wie wurde der schlanke , braune Bootsmannsmaat mit dem zurückhaltenden , sicheren Benehmen in der ganzen Stadt bewundert und überall freudig begrüßt . Er verlebte in dem kleinen , engen Heimatstädtchen wahrhaft glückliche Tage , aber dennoch erwachte in ihm die Sehnsucht nach dem Wasser schon sehr bald wieder , und als der Juni herankam , ging es zurück nach Kiel , um den Dienst auf der Gazelle anzutreten . Diesmal begleitete ihn der Vater bis an die Ostsee . » Das Schiff geht für zwei Jahre fort « , meinte er , » und es ist gut , wenn sich der Mensch auf alles vorbereitet . Ich glaube , ich werde dich nicht wiedersehen , mein Junge , ich habe so eine Ahnung , die nicht mehr weichen will . « Robert suchte ihm den trüben Gedanken auszureden , aber der Alte schüttelte den Kopf . » Ich sterbe ja nicht , weil wir davon sprechen « , sagte er lächelnd , » aber ich will dir doch jetzt schon sagen , daß meine Ansichten und Absichten in vieler Beziehung anders geworden sind . Die Mutter behält , solange sie lebt , alles was ich hinterlasse . Nach ihrem Tode aber magst du in Gottes Namen das Haus verkaufen ,