» Klosterbruder und Tempelherr « hatte einer der reichsten Banquiers für eine außergewöhnlich hohe Summe erworben , und schon stand ein neues Bild auf der Staffelei , das , bevor es noch begonnen , ebenfalls bereits verkauft , ja zu einem noch höheren Preise verkauft war . Ein Kunsthändler - nicht derselbe , welcher früher Paula jene Bilder für ein Kleines abgeschwindelt hatte , die Doctor Snellius von jenem für ein Großes zurückgekauft - sondern ein anderer , einer der ersten in der Stadt , war zu Paula gekommen und hatte gefragt , ob sie auch ein Jagdstück malen könne ? Es sei gerade jetzt starke Nachfrage nach Jagdstücken . Prinz Philipp Franz habe sie in Mode gebracht ; der Adel sei wie versessen darauf , und nun fingen auch natürlich die jüdischen Banquiers an , sich für Hasen und Füchse zu interessiren . Das Bild müsse die und die Dimensionen haben , und , wie gesagt , ein Jagdstück müsse es sein . Paula hatte dem Kunsthändler geantwortet , daß sie bisher dergleichen Bilder noch nicht gemalt habe , und deshalb den Auftrag ablehnen zu müssen glaube , aber der Kunsthändler war so dringend gewesen , und die Summe , welche er offerirt hatte , so hoch - » was meinst Du dazu , « hatte Paula zu mir gesagt . » Glaubst Du , daß ich dazu im Stande bin ? « » Ob Du dazu im Stande bist ! « hatte ich ihr geantwortet : » das Landschaftliche und die Figuren machen Dir ja keine Mühe ; und was das Technische der Jägerei betrifft , so kann ich Dir vielleicht aus der Verlegenheit helfen , wenn Du ja damit nicht zurecht kommen solltest . « » Du hast mir früher so Manches aus Deinem Jägerleben mit dem Onkel Malte erzählt , « sagte Paula ; » es ist mir davon unter Anderem eine Scene in der Erinnerung geblieben , wo Du in den allerersten Tagen Deines Aufenthaltes auf Zehrendorf mit dem Onkel auf der Haide in der Nähe des Meeres am Rande einer Einsenkung beim frugalen Frühstück sitzest ; der Onkel behaglich die Ruhe des Rendezvous auskostend , und Du , Flasche und Glas bei Seite werfend , zur Flinte greifst , als plötzlich in einiger Entfernung über dem Rand des Hügels ein Hase sichtbar wird , der sich , genauer besehen , als ein in den Dünen grasender Hammel decouvrirt . Sollte sich das malen lassen ? « » Man könnte es wenigstens versuchen , « sagte ich . Sie hatte es versucht , und der Versuch schien , woran ich freilich nicht gezweifelt hatte , glänzend auszufallen . Selbst der , für welchen die kleine humoristische Jagdgeschichte weiter kein Interesse hatte , mußte zum mindesten von dem landschaftlichen Theil gefesselt werden . Der herbstliche Sonnenschein auf der braunen Haide , zur Linken die weißen Dünen , zwischen welchen hier und da das blaue Meer hereinschaute - das Alles war mit einer so entzückenden Frische gemalt , daß einem wohlig zu Muthe wurde , sobald man nur hinblickte . Aber auch die kleine Scene , um die es sich handelte , war mit einer Klarheit vorgetragen , die Jeden überzeugen mußte . Der ältere Jäger , der , die Hände hinter dem Kopf , an dem Grabenbord lehnt und die kurze Pfeife nur aus dem Munde nimmt , um über den Genossen zu lachen , welcher mit blitzenden Augen , in höchster Erregung , sich halb schon auf den Knieen erhebt ; und ein paar Schritte davon das blöde Hammelgesicht , das über den Dünenrand schaut und den Uebereifrigen so beleidigend vertraulich anblickt - es konnte selbst dem trübsten Hypochonder ein freundliches Lächeln abgewinnen . Daß der ältere Jäger nach und nach die Züge des wilden Zehren bekam , und der junge Anfänger mir mit jedem Tage ähnlicher wurde , war am Ende bei dem Ursprung des Bildes nicht zu verwundern . - » Ich hatte Dich freilich nicht wieder auf einem meiner Bilder anbringen wollen , « sagte Paula ; » aus zwei Gründen , einmal , damit Du nicht eitel wirst , und zweitens , damit man mir nicht Erfindungsgabe abspricht ; aber ich weiß nicht , ich kann mir die Scene nicht ohne Dich denken , so wenig , wie ohne den armen Onkel , und ich fürchte , wenn ich Euch Beide weglasse , möchte das Bild sehr leiden . Du wirst mir wohl einen oder den andern Sonntag Morgen schenken müssen . Ich kenne Dein Gesicht jetzt freilich gut genug , um es , ich glaube mit jedem Ausdruck , malen zu können ; aber die Bewegung Eines , der mit der Rechten das Glas wegwirft und mit der Linien nach der Flinte greift und sich schon halb auf dem rechten Knie hebt , während das linke Bein noch ausgestreckt ist , eine solche Bewegung ist zu complicirt , als daß ich im Stande wäre , sie aus dem Kopf zu malen . « Ich war schon mehrere Sonntag Morgen hintereinander bei Paula gewesen , um köstliche Stunden in ihrem Atelier zu verleben . Die Zeit wurde uns nimmer lang . Ich hatte die Landschaft , an welcher sie malte , so unzählige Male durchstreift , daß ich ihr über jeden Busch , über jeden Grashalm , über jede Eigenthümlichkeit der Terrainformation , über jede Wirkung des Lichtes auf dem Dünensand oder auf der krautübersponnenen Haide Auskunft zu geben vermochte . Indem ich mich dem lieben Mädchen in dieser Weise wirklich nützlich erweisen durfte , war es mir ein süßer Lohn , aus ihrem Munde zu hören , daß , wenn das Bild gut würde , und sie glaube jetzt beinahe selbst daran , es zum größten Theil mein Verdienst sei . Dann hatten wir so viel miteinander zu plaudern . Meine Fortschritte als Schlosser , meine wachsenden Einsichten in die Theorie der Dampfmaschinen , das waren Gegenstände , von welchen Paula nicht genug hören konnte . Oder es wurde die