von dem Hergebrachten ab . Sonst hatte man die Termine in der Gerichtsstube in Rothenfeld abgehalten , die Angeschuldigten waren auf wohlbekanntem Wege nach der Gerichtsstube gegangen oder gebracht worden , hatten sich an den Häusern , zwischen den Gärten hin gedrückt und in der Gerichtsstube den Justitiarius , den Schreiber , den Schulzen in der gewohnten , ihnen allen bekannten Alltagstracht gefunden , und die Angelegenheit war , wie schlimm sie für den Betroffenen auch sein mochte , doch ohne besonderen Schrecken für ihn abgegangen . Diesmal war das anders . Diesmal hatte man die Angeklagten in das Schloß beschieden , und Jedermann machte sich nun auf das Aeußerste gefaßt . Denn warum ließ man ' s nicht beim Alten , wenn man nicht besondere Absichten hegte ? Schon der Weg über den großen Schloßhof , den die Angeklagten in Begleitung der beiden Büttel vor aller Welt Augen zurücklegen müssen , war eine schwere Pein und eine Strafe für sie gewesen . Als sich das Gitter der Mauer , die den Hof umgab , dann hinter ihnen geschlossen hatte , als ihre Weiber und Angehörigen , die hingekommen waren , sie zu sehen , ihnen nicht in den Schloßhof folgen dürfen , war ihnen die Angst vollends zu Kopfe gestiegen , und nun gar da zu stehen in dem großen hohen Zimmer des Erdgeschosses , durch dessen Bogenfenster der Tag so hell hineinschien , da zu stehen vor der langen , grünen Tafel , an welcher der Justitiarius und der Schreiber , beide schwarz und feierlich gekleidet , weil sie vor dem Freiherrn zu erscheinen hatten , dessen Eintritt erwarteten , das hatte die Leute in dem Glauben bestärkt , daß man es auf sie abgesehen habe und daß ihnen zugefügt werden solle , was noch Keinem von ihnen hier zugefügt worden und was überhaupt noch nicht dagewesen sei . Hoch aufgerichtet und mit finsterem Blicke über die Angeklagten hinstreifend , war der Freiherr in den Saal getreten , hatte sich an dem oberen Ende des Tisches niedergesetzt und dem Justitiarius ein Zeichen gegeben , das Verhör zu beginnen . Dieser , der es allerdings wußte , daß der Freiherr ein warnendes Exempel zu statuiren und den Leuten seine Gewalt fühlbar zu machen wünschte , kannte aus vieljähriger Erfahrung nichts desto weniger die dem Landmanne eigenthümliche , zögernde Hartnäckigkeit und das stumpfe Leugnen eines Schuldigen genugsam , um sich von seinem ruhig fortschreitenden Verhöre nicht abbringen zu lassen . Aber der Freiherr hatte niemals einer solchen Gerichtssitzung beigewohnt , und die Menschen , mit denen er es hier zu thun hatte , waren ihm in ihrem Charakter und in ihrer Art und Weise fast völlig fremd . Wenn seine Unterthanen sonst einmal vor ihm selbst erschienen waren , hatte er sie als Bittsteller vor sich gehabt , und wer sich einer Schuld bewußt gewesen war , hatte sich gehütet , in seinen Bereich zu kommen . Selbst die eigentliche Angst und Noth , denen man meist , so gut es gegangen , abgeholfen , waren nicht leicht bis zu ihm gedrungen , und heute , wo er Angst und Noth und Schuld und scheues Mißtrauen , Alles auf einmal vor Augen hatte , empörten sie ihn . Die düstern Mienen , der stumpfe Ausdruck , das abwartende und hinhaltende Zögern , das Schweigen auf bestimmt vorgelegte Fragen , das geflissentliche Umgehen und Leugnen der feststehenden Thatsachen regten seine Ungeduld auf und machten ihm die Leute vollends verächtlich . Er sah eine Auflehnung gegen sich und sein bestimmtes Wissen von dem Vorgefallenen darin , wenn die Schuldigen sich bestrebten , sich womöglich aus der Schlinge und Gefahr zu ziehen , und während der Justitiarius gelassen den Leugnenden einen Fuß breit nach dem andern von dem Boden streitig zu machen suchte , auf dem sie sich behaupten wollten , war der Freiherr , müde des frechen Lügens und des unverschämten Trotzens , aufgefahren und hatte befohlen , von den Leuten mit Gewalt das Eingeständniß der feststehenden Thatsachen zu erzwingen . Es war ein schlimmer Augenblick , als man mit Stockschlägen gegen die Angeklagten verfuhr , denn es war das nicht vorgekommen seit Menschengedenken . Wohl hatte man zu allen Zeiten jugendliche Missethäter mit dem Stocke gestraft , aber man hatte nicht Geständnisse mit dem Stocke erpreßt , und es kam dem Justitiarius hart an , als der Freiherr den Befehl ertheilte . Leise bittend , versuchte er davon abzumahnen , indeß der Freiherr gab ihm kein Gehör . Er fühlte einen Widerwillen gegen die vor ihm stehenden Uebelthäter , er kam sich wie erniedrigt dadurch vor , daß er in ihrer Nähe sein , ihren Anblick ertragen , die Schliche und Winkelzüge ihrer engen Köpfe verfolgen , den Ausflüchten und Listen nachspüren sollte , mit denen sie sich zu retten strebten , und er vergaß , daß nichts als sein eigenes Gelüsten , ihnen seine Oberherrlichkeit klar zu machen , ihn zu dem Amte gezwungen hatte , das verwalten zu müssen er wie eine Schmach empfand . Ungerührt und nur angewidert von dem Anblicke der sich im Schmerze windenden und demüthigenden Schuld , ließ er die erlangten Geständnisse zu Protokoll nehmen , und stehenden Fußes sprach er seine Willensmeinung aus . Das Recht über den des Todtschlags Eingeständigen stand nicht dem Freiherrn , sondern dem Staate zu . Es wurde also der Befehl ertheilt , ihn noch in dieser Stunde , in Ketten geschlossen , an das Gericht der Kreisstadt abzuliefern . Auch die Strafen gegen die übrigen Angeklagten wurden sofort verhängt und fielen härter und strenger aus , als man es des Landes hier gewohnt war . Der Freiherr schien sich an dem Leiden Anderer für die Pein entschädigen zu wollen , welche dieser Morgen ihm bereitete . Mit eigener Hand unterschrieb er das Verhör und den Bericht , die nach der Kreisstadt mitgegeben wurden , eigenhändig unterzeichnete er das Urtheil seiner Leute , und finsterer noch , als er gekommen war , schritt er , ohne sie und ihr