weiß nicht , ob die Prädestinationslehre grau oder blau ist . Aber ich weiß , daß Oldenbarneveldt ' s Kopf und der meine nicht unter einen Hut gehen . Der Kampf für und wider diese Lehre , in den sich natürlich politische Meinungen und Interessen verwebten , zerriß damals Holland in zwei wütende Parteien und Oranien war der Führer der einen , nicht um die Prädestinationslehre siegen - sondern um Oldenbarneveldt um einen Kopf kürzer zu machen . Schlaue Politiker und sonstige kluge Köpfe haben es immer als etwas höchst gleichgültiges betrachtet , ob die religiösen Lehren grau oder blau sind ; sie haben sie benutzt für ihre Zwecke . Und so mache ich es auch , obschon ich nichts weniger als ein kluger Politiker bin . Aber das ist ja handgreiflich klar : religiöse Lehren und Ideen sollen in irgend einer Weise den Menschen beglücken . Tun sie das nicht , so haben sie weder Sinn noch Zweck . Der Mensch besitzt seine Vernunft , um zu erkennen , ob sie zu seinem Glück beitragen oder nicht - und seinen freien Willen , um andere Lehren aufzusuchen und anzunehmen , welche mit seinen Glücksbedürfnissen in Einklang sind . « » Hyazinth würde sagen , « warf Orest ein , » das sei kein Akt des freien - sondern des von Gelüsten und Begierden geknechteten Willens . « » Sophistik ! Priesterart ! « rief Florentin . » Hyazinth haben wir hinter uns ! der Wille ist frei , wenn er wählen kann nach seiner Lust : das versteht jedes Kind ; aber der Priester verdreht die Auslegung . Genug ! daß kein denkender Mensch , wenn er zugleich aufrichtig und unegoistisch ist , im Protestantismus sitzen bleibt , das ist so gewiß , wie zweimal zwei - vier ist . Daß der Protestantismus noch immer als Landeskirche oder Bekenntnis , oder wie man das Ding nennen soll ! existiert - beweist , wie selten jene drei Eigenschaften in einem und demselben Menschen vereinigt sind . Hingegen als Sauerteig in der politischen Welt , und als ein getreuer Eckart der Revolution gegen Tiare und Krone - da wird er bestehen , so lange diese zu bekämpfen sind . Das ist seine Glorie - und darum lieb ' ich ihn . Seine Sekten verachte ich ; und wenn ich Dir rate , Dich an eine derselben zu schließen , so geschieht das nur , um Dich von Rom abzulösen und in der Hoffnung , daß Du vom Protestantismus nach und nach zu irgend einem anderen - ismus fortschreiten werdest , denn er ist mit ihnen allen verwandt . Auch macht es mir Vergnügen , mir den Schreck vorzustellen , den die aristokratische ultramontane Partei in der Heimat wegen Deines sogenannten Abfalles bekommen wird . Dies Geschrei der Priester ! dies Geschnatter der Betschwestern , die sich ihre letzten drei Haare ausreißen werden ! Ah , denen gönn ' ich besonders diesen Schlag . « » Judith hat einen großen Widerwillen gegen den Protestantismus , « bemerkte Orest . » Judith ist stolz und tief ungläubig , « entgegnete Florentin . » Welcher Religionsgesellschaft sie sich zuwenden möge - es ist für sie eine Sache der Form . Es liegt ein gewisser Schmelz auf der katholischen Kunst und dem katholischen Gemütsleben , das ihre Phantasie anspricht ; aber sie beugt ihren Geist vor keinem fremden und deshalb ist es ziemlich gleichgültig , ob sie auf katholische oder protestantische Weise die Zeremonie der Taufe durchmacht . Ist sie einmal Gräfin Windeck , so hoffe ich noch viel von ihr und von Dir . Bis dahin verfolgt Ihr beide ganz selbstsüchtig eure persönlichen Bestrebungen und es ist nichts mit euch anzufangen . « » Seid ihr denn noch immer damit beschäftigt , die euren zu verfolgen und die Welt zu revolutionieren ? « fragte Orest . » Bedarf sie es etwa nicht ? « rief Florentin . » Sitzt hier nicht der Papst im Regiment , als ob das ewig dauern sollte ? « » Ich bekümmere mich ja wenig um diese Angelegenheiten , « erwiderte Orest , » aber ich höre von Männern , die im Stande sind , es gründlich wissen zu können , weil sie sich um die Tatsachen bekümmern , daß dies Regiment nichts weniger als schlecht sein soll ; daß man Reformen beginnt , Freiheiten gibt , auf Neuerungen eingeht wie überall , und daß die Staatsschulden und die Abgaben geringer sind , als irgendwo . « » Und wenn die Zustände paradiesisch wären - sie taugten doch nichts ! ja , sie taugten gerade dann am wenigsten , denn durch sie würde sich ja das päpstliche Regiment rehabilitieren - und es soll untergehen , « rief Florentin ; » durchaus untergehen ! Das Haupt der katholischen Kirche ist das Haupt der gegenwärtigen Weltordnung , denn es stellt eine moralische Macht ohnegleichen dar , eine Macht , die Fürsten und Völker miteinander und mit diesem Oberhaupt der Kirche verbindet . Drum ist es die Zielscheibe unserer Bestrebungen . Verbesserungen , Freiheiten , Reformen , Erleichterungen - wir wollen sie nicht ; denn wir wollen nicht die Hand , die sie erteilt . « » Ihr seid wahnwitzig ! « rief Orest ; » Ihr verabscheut die Herrschaft eines Lammes und sehnt Euch nach der Herrschaft von Tigern . « » Und Du wirst das noch ganz in der Ordnung finden , wenn Du etwas logisch denken willst , « entgegnete Florentin hohnlachend . » Tust Du nicht dasselbe ? nur in enger egoistischer Sphäre und nach kleinem Maße . Corona - ist sie nicht ein Lamm ? duldend , friedfertig , lieblich , zur Erfüllung jedes Wunsches bereit . Was helfen ihr die Tugenden und Gaben ! Du liebst sie nicht , Du sagst Dich von ihr los , Du willst Dein Leben nicht mit ihr teilen . Und Judith - ist sie nicht so etwas , wie das schöne , stolze Tigertier der Wüste in wilder , königlicher