wird wohl kaum sein , « antwortete mein Gastfreund , » der Künstler macht sein Werk , wie die Blume blüht , sie blüht , wenn sie auch in der Wüste ist und nie ein Auge auf sie fällt . Der wahre Künstler stellt sich die Frage gar nicht , ob sein Werk verstanden werden wird oder nicht . Ihm ist klar und schön vor Augen , was er bildet , wie sollte er meinen , daß reine , unbeschädigte Augen es nicht sehen ? Was rot ist , ist es nicht allen rot ? Was selbst der gemeine Mann für schön hält , glaubt er das nicht für alle schön ? Und sollte der Künstler das wirklich Schöne nicht für die Geweihten schön halten ? Woher käme denn sonst die Erscheinung , daß einer ein herrliches Werk macht , das seine Mitwelt nicht ergreift ? Er wundert sich , weil er eines andern Glaubens war . Es sind dies die Größten , welche ihrem Volke voran gehen und auf einer Höhe der Gefühle und Gedanken stehen , zu der sie ihre Welt erst durch ihre Werke führen müssen . Nach Jahrzehenden denkt und fühlt man wie jene Künstler , und man begreift nicht , wie sie konnten mißverstanden werden . Aber man hat durch diese Künstler erst so denken und fühlen gelernt . Daher die Erscheinung , daß gerade die größten Menschen die naivsten sind . Wenn nun der früher angegebene Fall möglich wäre , wenn es einen wahren Künstler gäbe , der zugleich wüßte , daß sein beabsichtigtes Werk nie verstanden werden würde , so würde er es doch machen , und wenn er es unterläßt , so ist er schon gar kein Künstler mehr , sondern ein Mensch , der an Dingen hängt , die außer der Kunstliegen . Hieher gehört auch jene rührende Erscheinung , die von manchen Menschen so bitter getadelt wird , daß einer , dem recht leicht gangbare Wege zur Verfügung ständen , sich reichlich und angenehm zu nähren , ja zu Wohlstand zu gelangen , lieber in Armut , Not , Entbehrung , Hunger und Elend lebt , und immer Kunstbestrebungen macht , die ihm keinen äußeren Erfolg bringen , und oft auch wirklich kein Erzeugnis von nur einigem Kunstwerte sind . Er stirbt dann im Armenhause oder als Bettler oder in einem Hause , wo er aus Gnaden gehalten wurde . « Wir waren unseres Freundes Meinung . Eustach ohnehin schon , weil er die Kunstdinge als das Höchste des irdischen Lebens ansah , und ein Kunststreben als bloßes Bestreben schon für hoch hielt , wie er auch zu sagen pflegte , das Gute sei gut , weil es gut sei . Ich stimmte bei , weil mich das , was mein Gastfreund sagte , überzeugte , und Gustav mochte es geglaubt haben - Erfahrungen hatte er nicht - , weil ihm alles Wahrheit war , was sein Pflegevater sagte . Von einem Streben , das gewissermaßen sein eigener Zweck sei , vom Vertiefen der Menschen in einen Gegenstand , dem scheinbar kein äußerer Erfolg entspricht , und dem der damit Behaftete doch alles andere opfert , kamen wir überhaupt auf verschiedenes , an das der Mensch sein Herz hängt , das ihn erfüllt , und das sein Dasein oder Teile seines Daseins umschreibt . Nachdem wir wirklich eine größere Zahl von Dingen durchsprochen hatten , die zu dem Menschen in das von uns angeführte Verhältnis treten können , als ich je vermutet hätte , machte mein Gastfreund folgenden Ausspruch : » Wenn wir hier alle die Dinge ausschließen , die nur den Körper oder das Tierische des Menschen betreffen und befriedigen , und deren andauerndes Begehren mit Hinwegsetzung alles andern wir mit dem Namen Leidenschaft bezeichnen , weshalb es denn nichts Falscheres geben kann , als wenn man von edlen Leidenschaften spricht , und wenn wir als Gegenstände höchsten Strebens nur das Edelste des Menschen nennen : so dürfte alles Drängen nach solchen Gegenständen vielleicht nicht mit Unrecht nur mit einem Namen zu benennen sein , mit Liebe . Lieben als unbedingte Werthaltung mit unbedingter Hinneigung kann man nur das Göttliche oder eigentlich nur Gott ; aber da uns Gott für irdisches Fühlen zu unerreichbar ist , kann Liebe zu ihm nur Anbetung sein , und er gab uns für die Liebe auf Erden Teile des Göttlichen in verschiedenen Gestalten , denen wir uns zuneigen können : so ist die Liebe der Eltern zu den Kindern , die Liebe des Vaters zur Mutter , der Mutter zum Vater , die Liebe der Geschwister , die Liebe des Bräutigams zur Braut , der Braut zum Bräutigam , die Liebe des Freundes zum Freunde , die Liebe zum Vaterlande , zur Kunst , zur Wissenschaft , zur Natur , und endlich gleichsam kleine Rinnsale , die sich von dem großen Strome abzweigen , Beschäftigungen mit einzelnen , gleichsam kleinlichen Gegenständen , denen sich oft der Mensch am Abende seines Lebens wie kindlichen Notbehelfen hingibt , Blumenpflege , Zucht einer einzigen Gewächsart , einer Tierart und so weiter , was wir mit dem Namen Liebhaberei belegen . Wen die größeren Gegenstände der Liebe verlassen haben , oder wer sie nie gehabt hat , und wer endlich auch gar keine Liebhaberei besitzt , der lebt kaum und betet auch kaum Gott an , er ist nur da . So faßt es sich , glaube ich , zusammen , was wir mit der Richtung großer Kräfte nach großen Zielen bezeichnen , und so findet es seine Berechtigung . « » Jene Zeit , « sagte er nach einer Weile , » in welcher die Kirchen gebaut worden sind , wie wir eben eine besucht haben , war in dieser Hinsicht weit größer als die unsrige , ihr Streben war ein höheres , es war die Verherrlichung Gottes in seinen Tempeln , während wir jetzt hauptsächlich auf den stofflichen Verkehr sehen , auf die Hervorbringung des Stoffes und auf die Verwendung des Stoffes , was nicht