in der schwersten Form , welche die Zeit kannte , und ohne alle Milderung . Christine Schettinger wurde zum Strang verurteilt . Die Magd , ein bitterarmes Geschöpf auf der untersten Stufe der gesellschaftlichen Rangordnung , dessen eigenmächtige Diebstähle sich auf zwei Hemden , einige Tischmesser und Zinnlöffel und eine Semmel beschränkten , und das dem Richter auf die Frage nach Stand und Beschäftigung geantwortet hatte : » Schwefelhölzlen und Tragbäusche machen , und bei Gott und guten Leuten mein Brot ehrlich suchen « - teilte das Schicksal der Frau . Den Knecht erreichte der Arm des Richters nicht : er war aus dem Vaihinger Gefängnis entflohen . Christine Müller wurde für ihre Teilnahme an einigen Diebstählen , noch mehr aber wegen ihrer Verbindung mit dem Erzbösewicht überhaupt , zur Ausstellung am Hochgerichte und hierauf zu erstehender vierjähriger Zuchthausstrafe verurteilt . Das Verhältnis beider Weiber zu dem Hauptangeklagten wurde im Urteil ausdrücklich als Unzucht bezeichnet . Über das Kind endlich , das Christine Schettinger im Gefängnis geboren , wurde verfügt , daß dasselbe bis zum zuchthausfähigen Alter von neun Jahren , das heißt , wie man es nicht anders deuten kann , bis zur Aufnahme unter die sogenannten freiwilligen Armen , auf öffentliche Kosten untergebracht werden solle . » Schwan « , sagt sein Geschichtschreiber über die Verkündigung im Gefängnis , » hörte mit unveränderter Miene die schrecklichen Worte , keine Träne entfloß seinen Augen , kein unwilliger Seufzer seinem Munde . Wenn sie meine Beine in tausend Stücke zerstoßen , sagte er , so können sie mich doch nicht von meinem Heiland reißen . Allein diese Ermannung , fügte er hinzu , habe ihn die ganze Anstrengung seiner Kräfte , den ganzen Schwung seiner Seele gekostet , und sobald diese nachließen , sei Furcht an die Stelle des Mutes getreten und er habe sich einige Stunden hernach beklagt , daß sein Tod doch immer sehr hart sei . Man wird ihm nicht zu nahe treten , wenn man vermutet , er habe von seiner so wirksam ausgedrückten Reue wo nicht Begnadigung , doch wenigstens Milderung der Todesart gehofft . Ob und was er über die Verurteilung seiner Mitangeklagten bemerkte , ist nicht aufgezeichnet ; wenn er aber das Urteil über die Magd ins Auge faßte , so konnte er sich sagen , daß er aus einer Zeit von hinnen gehe , die des Christentums und Rechtsbewußtseins , dessen Mangel sie an ihren armen Sündern bestrafte , sich selbst nicht hoch berühmen durfte . « Indessen fuhr er mit unveränderter Gesinnung in seinen Denkwürdigkeiten fort , die er an jenem Tage noch nicht beendigt hatte . Bald auch , sagt sein Geschichtschreiber , habe er sich selbst wegen seiner Zaghaftigkeit bestraft und seine vorige Stärke wieder erlangt , und den folgenden Tag habe er dem ihn gleich morgens besuchenden Geistlichen zugerufen : » Nur noch einen einzigen Tag bis zur Ewigkeit , und gottlob zur frohen Ewigkeit ! Lange habe ich nicht so sanft geschlafen als in dieser Nacht . « An diesem Tage erfolgte zwischen ihm und der schwarzen Christine ein Versöhnungsauftritt , den ihr gemeinschaftlicher Geschichtschreiber sehr rührend nennt . » Lange schon « , erzählt er in seiner Geschichte des Räubers , » waren Schwan und sein zweites Weib sehr gegeneinander erbittert , lange schon hatte die letztere ihn der Lieblosigkeit , der Lügen und der Verräterei beschuldigt , jetzt brannten sie beide vor Begierde , sich zu versöhnen und dann auf ewig voneinander Abschied zu nehmen . Es ward gestattet und sie wurden zusammengeführt . Voll innigster Bewegung fielen sie sich nun in die Arme , gaben sich dann die Hände mit gegenseitigem Versprechen , alle Mißhelligkeiten , die bisher unter ihnen entstanden , wechselsweise zu vergessen , und trösteten sich , daß sie morgen in dem Ort der Seligkeit wieder zusammenkommen würden . So freudig sich Schwan bezeugte , so versicherte doch sein Weib , daß sie ihn an Freudigkeit im Sterben noch übertreffen wolle , und so schieden , sie , sich Glück wünschend zum Kampf und Sieg , vergnügt voneinander . « Aber die Wahrheit des Sprichworts , daß nicht alles Gold ist , was glänzt , bewährte sich auch hier wieder an der Frage , ob Christine ihm in seinen Himmel folgen würde , wie er mit ihr in die Hölle gegangen war . Denn in seiner » Geschichte einer Räuberin « beschreibt der Sohn des Oberamtmanns das Verhalten der Zigeunerin vollständig so : » Schrecken und Wut durchdrang sie , da sie ihr Todesurteil anhörte ; sie stand eine Zeitlang starr vor Entsetzen , dann brach sie in die fürchterlichsten Flüche aus und wütete so lange , bis sich ihre Kräfte gänzlich erschöpft hatten . Man wird ohne Zweifel begierig sein , wie das boshafte Weib nun , da sie ihrer Laster überwiesen war und nichts als gewissen Tod zu erwarten hatte , sich betrug . Die katholischen sowohl , als die lutherischen Geistlichen suchten , jeder auf seine Art , Reue über ihre Verbrechen ihr beizubringen und sie auf bessere Wege zu führen . Schwan selbst gab sich die äußerste Mühe , und versuchte bald durch die zärtlichste Liebe , bald durch die heftigsten Drohungen sie zu bekehren ; sie blieb gänzlich ungerührt . Auf alle Ermahnungen antwortete sie mit Vorwürfen , und verwünschte sich selbst und alle Menschen . Oft , wenn ihr der Geistliche vorhielt , daß sie mit diesen Gesinnungen gewiß zur Hölle verdammt würde , antwortete sie , daß es ihr gleichgültig sei , in den Himmel oder in die Hölle zu kommen , sie werde in beiden Kameraden finden . Oft freute sie sich sogar darauf , einst in der Hölle gequält zu werden , weil sie sich selbst Hoffnung mache , daß auch ihre Richter mit ihr gequält würden . Als man ihr das Beispiel ihrer Magd vorhielt , die sich sehr aufrichtig bekehrt hätte , so spottete sie darüber und schrieb ihre Bekehrung ihrer Dummheit zu , und als man ihr auch Schwans