dennoch wurde Project auf Project , Vorschlag auf Vorschlag gehäuft für Ausgleichung und Frieden , und die Höfe von Berlin und Wien schwelgten in Vermittelungen . Zwei Männer allein in Europa wußten , was sie wollten : der Kaiser Louis Napoleon in Paris und Lord Palmerston in London ; denn auch dem Giganten des Nordens , dem Czaren Nicolaus , begannen die Ereignisse über das hochgetragene Haupt zu wachsen , sein Glück , sein Stolz und seine Diplomatie hatten ihn getäuscht . Nur das Vertrauen auf sich selbst und sein Volk und der ungebeugte Muth wankten nicht . Wir haben den Gang der politischen Verhandlungen am Schlusse unsers ersten Bandes bis zum Ende des Monats October geführt , und nehmen sie dort zu kurzem Ueberblick wieder auf . Noch immer tagte die wiener Conferenz . - Die englische Regierung hatte am 1. und 2. November das österreichische und preußische Cabinet aufgefordert , daß unter Beseitigung der andern Vorschläge die Großmächte sich über einen von Lord Stratford am 21. October mit den andern Gesandten in Constantinopel aufgestellten und abgesandten Notenentwurf vereinigen möchten , da man annehmen könne , daß dieser der Pforte annehmbar erscheinen werde . In der Conferenz der vier Gesandten in Wien am 3. wurde dieser Entwurf vorgelegt , der österreichische , preußische und französische Bevollmächtigte erklärten jedoch diese Vorschläge bei der veränderten Sachlage nicht mehr für geeignet und Rußland hielt nach der Kriegserklärung und Eröffnung der Feindseligkeiten zur Beendigung des Streits einen feierlichen Friedensvertrag für nöthig . Dagegen lehnte die französische Regierung einen vom Grafen Buol am 25. October gemachten Vorschlag ab , welcher eine Verständigung zwischen Rußland und der Pforte über Wien intendirte . Graf Buol schlug nun unterm 6. vor , daß die Conferenz eine Note entwerfen möge auf Grund der olmützer Verhandlungen . Diese Note würde die Pforte auffordern , zu verhandeln und selbst anzugeben , unter welchen Formen und Bedingungen . Zugleich müsse Waffenstillstand verlangt werden . Die englische und französische Regierung ertheilten auch bis zum 11. November ihre Genehmigung zur Abfassung einer solchen Note . Ehe es aber zu derselben kam , hatte das österreichische Cabinet die auf ein früheres Project ( vom 6. October ) von Rußland gemachten , von den Westmächten aber nicht genehmigten Gegenvorschläge an seinen Gesandten nach Constantinopel gesandt , mit der Instruction , sie bei der Pforte zu unterstützen . Unterdeß that der englische Gesandte das Gleiche mit einem ihm unterm 24. October übersandten Plan seines Cabinets , dem auch Frankreich zugestimmt hatte . Reschid Pascha erklärte , daß er vor zwei Monaten noch annehmbar gewesen , jetzt aber nicht mehr . Man sieht hieraus , daß nicht weniger als vier Ausgleichungsprojecte in demselben Augenblick sich kreuzten : Die russischen Vorschläge vom 17. October von Oesterreich in Constantinopel abgesondert unterstützt ; der Vorschlag des österreichischen Cabinets vom 6. November ; der ältere von Lord Stratford ( unterm 28. September und - 1. October ) vorgeschlagene , von den Westmächten unter ' m 24. October genehmigte Plan ; der neue Entwurf von Lord Stratford bei der mißglückten Verschiebung der Feindseligkeiten unterm 21. October von Constantinopel aus gemacht . Sie alle ergingen sich hauptsächlich über die Art und Form der Ausgleichung und schadeten natürlich einer dem andern , wie viele Köche immer den Brei verderben . Unterdeß waren die Flotten in den Bosporus eingelaufen und die Schlachten bei Oltenitza und Gümri geschlagen und ungünstig für die Türken ausgefallen . Frankreich stimmte möglichst Allem und Keinem zu und wartete ruhig des Augenblicks . An Stelle des französischen Gesandten in Constantinopel , de Lacour , war General Graf Baraguay d ' Hilliers seit dem 12. November gekommen . Die englische Regierung trat nunmehr mit einem fünften Project vom 16. November auf , dem die andern Großmächte beistimmten . Die wiener Conferenz adoptirte dasselbe und die Gesandten in Constantinopel legten die neue Erfindung vor , welche die wichtige Mittheilung machte : daß der Bestand der Türkei innerhalb der ihr von den Verträgen bezeichneten Gränzen eine der nothwendigsten Bedingungen des europäischen Gleichgewichts sei ! Reschid-Pascha - in Angst gesetzt durch den Schrecken von Sinope - hatte nichts Eiligeres zu thun , als unter der Hand seine Zustimmung zu geben . Aber gerade das Unglück von Sinope war der Wendepunkt , auf welchen man lauerte , um in den Augen Europa ' s mit einigem Anstand und Gewissen den thätigen Protector der Türkei spielen zu können . Gleich am Tage nach dem Eintreffen der Schreckenskunde - während Haufen der griechischen Bevölkerung durch die Straßen von Pera und Galata ras ' ten mit dem Rufe : » Es lebe unser Kaiser Nicolaus ! « - am 3. , sandten die Vertreter Englands und Frankreichs zwei Schiffe des vereinigten Geschwaders , die » Retribution « und den » Mogador « nach Sinope ab , um weitere Kunde zu bringen . Sie kehrten mit der Nachricht der völligen Niederlage und etwa 150 Verwundeten - dem Rest von fast 5000 Mann , zurück . Das türkische Ministerium hatte bereits am 4. die Gesandten ersucht , die alliirte Flotte in ' s Schwarze Meer einlaufen zu lassen . Während dieselben auf der einen Seite sich dazu bereit erklärten , sprachen sie auf der andern wieder ihre Ansicht dahin aus , daß die Türkei das Unglück durch ihr Vorgehen selbst verschuldet habe . Man wußte ja noch nicht , wie man in Paris die Sache aufnehmen werde ! Hier aber glaubte man die Zeit gekommen und eine energische Aufforderung an die englische Regierung ( v. 15. ) verlangte , daß die Admirale dem Kommandanten von Sebastopol erklären sollten , daß jedes russische Kriegsfahrzeug durch die Flotten nach den russischen Häfen zurückzufahren genöthigt , und jeder Angriff auf türkisches Gebiet oder Truppen mit Gewalt zurückgewiesen werden würde . Wir werden später sehen , welche wichtige Klausel sich das Cabinet der Tuillerieen dabei bewahrte . Unterdeß , da die Beschlüsse von Paris und London in Constantinopel noch nicht bekannt sein konnten , hatten die Gesandten dort nicht umhin gekonnt , auf Oesterreichs und