hatte von der bedeutenden Summe , welche er in seiner Narrheit bei den Juwelieren ausgegeben , noch zehn bis zwölf Louisdors übrig , die er in ein Papier gewickelt in den Busen gesteckt hatte , da in der Eile an seinem ganzen Kostüm nicht eine Tasche angebracht worden . Verlegen zog er das Geld hervor , wie ein Mädchen einen Liebesbrief , und verlor es schnell an die schöne Bankhalterin . Sie warf es in eine leere Fruchtschale und dankte ihm , indem sie zugleich bedauerte , daß er nicht mehr zu verlieren habe . Ihm schien aber das Verlorene schon zuviel zu sein , und um wieder etwas davon zu gewinnen , warf er , scheinbar um noch mehr beizutragen , den kleinsten seiner Ringe hin . Allein er verlor auch diesen . Rosalie hatte zu ihrer großen Freude ein merkwürdiges Glück , Ferdinand verlor Stuck um Stück von seinem Schmucke ; Armspangen , Agraffen , Ringe und Ketten warf er auf den Tisch in dem aufgeregten Bestreben , wieder zu dem Seinigen zu kommen ; Rosalie setzte gemünztes Gold dagegen , aber nach wenigen Schwankungen lag der ganze Schmuck Ferdinands , im Wert von über dreitausend Gulden , schimmernd in der Schale . Rosalie klatschte in die Hände und verkündete unverhohlen ihre Freude über dies unverhoffte Gelingen , und als sie Ferdinand holdselig dankend die Hand reichte , mußte auch dieser eine gute Miene machen , obgleich er nun eine seltsame Figur spielte , da der noch seltsamere Schmuck jetzt erst recht die Aufmerksamkeit erregte . Aber nun ging es erst recht an . Die Damen wurden von den Edelsteinen mächtig angezogen , und in der Hoffnung , dies oder jenes , was ihnen besonders gefiel , zu gewinnen , drängten sich bald alle um den Tisch und spielten eifrig um den Schmuck ; denn sie nahmen sich samt und sonders vor , ihre Männer oder Väter zu bewegen , den verhofften Gewinst mit barem Gelde auszulösen . Allein Rosalie hatte unverwüstliches Glück und häufte endlich fast alles vorhandene Geld zu dem Schmuck in die Schale , und als zuletzt niemand mehr spielte , rief sie : » Obgleich mein Unternehmen einen Umfang gewonnen hat , weit über das erwartete Ziel hinaus , so freue ich mich dennoch , mein Wort zu halten und diesen ganzen Gewinst zu verdoppeln ! « Einige angesehene ältere Künstler und ein anwesender Kaufmann berieten nun die Sache , und es fand sich , daß man zwei junge Leute reichlich ausstatten könne auf einige Jahre . Das Ereignis erregte das größte Erstaunen und den freudigsten Jubel im ganzen Hause , und die Freude war so plötzlich gekommen , daß nicht der leiseste Schatten von Neid sich daruntermischte , als man nun auf Rosaliens Wunsch die zwei jungen Maler auswählte , welche die Reise nach Italien machen sollten . Die Wahl war ein neues und das edelste Vergnügen von allen bisherigen , und es wurde auf das sinnreichste und lieblichste hin und her gewandt , da es so gut schmeckte , und endlich wurden zwei Brüder gewählt , welche sich ebenso durch ihren Fleiß als durch ihre Armut auszeichneten , zwei liebenswürdige Bürschchen aus Sachsen , welchen während ihres Aufenthaltes in der Kunststadt Vater und Mutter gestorben und jeder Unterhalt verloren war . Man begriff nicht , wie sie leben konnten , so kümmerlich nährten sie sich , und doch waren sie der Kunst so anhänglich und treu und immer so guten Mutes , daß sie bei aller Armut und Sparsamkeit doch immer einige blanke Gulden bereit hatten , jedes Künstlerfest mitzufeiern und jedermann durch ihre bescheidene Fröhlichkeit zu erfreuen . Die zwei Kirchenmäuse wußten nicht , wie ihnen geschah , und küßten in ihrer Verwirrung der reizenden Urheberin dankbar die Hand . Rosalie konnte sich nicht enthalten , den schüchternen jungen Bürschchen die Wangen zu streicheln , und hätte sie gern geküßt , wenn es sich hätte tun lassen . Sie wurden im Triumph herumgeführt , woraus sich ein neues Anordnungs- und Wandervergnügen ergab . Indessen verfiel Ferdinand gänzlich seinem Geschick . Es begab sich mit ihm , was sich immer begeben hat , er geriet durch das Schiefe und Unrechte der einen Leidenschaft in eine Niedrigkeit des Empfindens und Denkens , welche sonst nicht in ihm lag . Er war allerdings selbstsüchtig und sparsam gegen andere , sobald es Geld oder Gut betraf , aber doch nicht in dem Grade , daß es sich nicht im allgemeinen mit einem anständigen und liebenswürdigen Charakter vertragen hätte ; er würde über den erlittenen Verlust unter allen Umständen verdrießlich geworden sein , aber nicht so sehr , daß der Verdruß im mindesten auf andere Ideen und Vorstellungen eingewirkt oder dieselben getrübt hätte . Jetzt aber verband sich mit seinem geheimen Ärger sogleich der Gedanke , sich zu entschädigen ; er machte in seinem Innern Rosalien sich verpflichtet und hielt sie durch den Vorfall für gebunden an ihn durch ein starkes Band . Diese bedenkliche Ausschweifung verwirrte ihn ganz und trieb ihn demgemäß zum Handeln . Er nahm sich also äußerlich zusammen , da er in seiner Torheit seiner Sache sicher zu sein glaubte , und beobachtete Rosalien mit mehr Ruhe , um den günstigen Augenblick zu finden , sie allein zu sehen . Rosalie schien ihn hierin zu unterstützen ; denn er bemerkte , daß sie mehrmals allein wegging auf eine Weise , als ob sie wünsche , daß jemand ihr folge und sie aufsuche . Sie hatte Spiel , Schmuck und Ferdinand vergessen und war jetzt mit einem andern Gedanken beschäftigt , und dieser Gedanke rötete ihre Wangen und entfachte ihre Augen in holder Glut . Sie wünschte , daß Erikson sie suchte und allein spräche , ohne daß sie ihn geradezu aufforderte . Aber dieser merkte von allem nichts , und anstatt daß er selber auf den Gedanken kam , den er vielmehr beinahe scheute wie eine gefährliche Entscheidung , beobachtete er Ferdinand , der sich nun ruhiger hielt , und glich einem