schicklich , über die Gemahlin meines Königs mich in Klügeleien einzulassen . Ihr Glauben ist Sache ihres Herzens , worüber ihr nicht schon jetzt von jedem müßigen Geschwätz das Gift zubereitet werden sollte . Ich hasse derlei Voraussetzungen , wie ich das Böse hasse , das es ist . Er stand bei diesen Worten auf , sich gegen Brixton ehrerbietig , gegen den Fremden flüchtig verneigend , und verließ das Zimmer , da er schon seit dem Eintritte des Fremden Lanci vermißte , mit dem er jetzt ihre Abreise verabreden wollte . Lanci war jedoch nicht zu finden , und er hörte von seinem herzukommenden Bedienten , daß derselbe schon vor einer halben Stunde , nach einer flüchtigen Mahlzeit , zu Pferde gestiegen und eilig durch die Hinterthür davon geritten sei . Als Richmond nach seinem Zimmer zurück wollte , näherte sich ihm sein Kammerdiener , und er merkte bald , daß dieser ihm etwas zu sagen habe , was keine Zeugen litt . In den Hausflur zurücktretend , erzählte ihm derselbe , wie Lanci ihm gesagt , er müsse eilen , das Schloß früher zu erreichen , als der angekommene Fremde , denn wäre der erst dort mit der Nachricht von der Anwesenheit einer so starken Gesellschaft , als die Euer Gnaden hier , so würde es gewiß unmöglich sein , in das Schloß einzudringen . Euer Gnaden sollte ich dies sagen , und vor dem Fremden warnen , zugleich möchtet Ihr den angekommenen Herrn sicher machen , als ob ihr zu verbleiben gedächtet , vielleicht verzögere er dem zu Folge wohl selbst seine Abreise , in der Hoffnung , Euch zu beobachten . Den Leuten im Hause aber habe er weiß gemacht , er habe ein Stück unserer Reiseequipage im letzten Nachtquartier zurückgelassen , was er eilig holen müsse , ehe es die Herrschaft vermisse . Richmond übersah schnell das gescheidte und treue Verhalten des ehrlichen Lanci , und der höchst unangenehme Eindruck , den auf ihn der Fremde gemacht , fand nun seine Bestätigung . Er glaubte nämlich in ihm den Kaplan des Schlosses zu erkennen , von dessen böser Autorität Lanci genug verrathen hatte , um ihn als einen Feind und Verfolger der unglücklichen Lady Maria anzusehen . Es war ihm daher fast unmöglich , ihn in der ersten Aufregung , die in ihm durch diese Entdeckung bewirkt wurde , wieder zu sehen . Er eilte nach seinem Schlafzimmer und ließ Master Brixton dahin bescheiden . Nachdem er ihm alles Erfahrene mitgetheilt , beschlossen sie , der ferneren Weisung des ehrlichen Jünglings zu harren , da es allerdings gewiß schien , daß ihnen bei der Anwesenheit des Pater Johannes kein Schritt möglich werden dürfte , auf den sie nicht seine Aufmerksamkeit gerichtet fänden . So peinlich diese Lage , besonders für Richmonds wärmeres Blut , war , beschloß er doch mit dem Anscheine der Ruhe , den Pater zu täuschen und ihn dadurch bis zum morgenden Tage aufzuhalten ; ob er selbst länger auszuharren vermögen würde , wagte er sich nicht zu versprechen . Von dem Augenblicke an , wo Miklas zur Beerdigung fortgetragen war , fühlte Maria eine Schwäche über ihre Glieder sich verbreiten , daß sie nicht ohne Unterstützung zu gehen vermochte . Electa , die zwar bigott und in fanatischen Gefühlen glühend , doch stets mitleidig und theilnehmend gegen Maria blieb , leitete die halb Ohnmächtige die hohen Stiegen nach ihrem Thurmzimmer hinauf , da Margarith in fast gefühlloser Trostlosigkeit auf ihrem Lager ruhte und selbst die geliebte Lady nicht mehr sah , die ihrer Hülfe bedürftig wurde . Electa , die noch nie das verpönte Gemach der unglücklichen Maria betreten hatte , konnte kaum ihr Erstaunen bei dessen Anblick unterdrücken . Unruhig suchten ihre Blicke nach irgend einer Bequemlichkeit für die Kranke ; sie fand nichts als das dürftige Lager , das , in dem kleinen Gemache in der Nähe des losen Fensters stehend , von dem unablässig eindringenden Winde bestrichen ward , der in dieser Höhe und von dem Meere aus nie einen Augenblick seine heulende Stimme unterbrach . Sie legte die jetzt in Ohnmacht Versunkene auf diese elende Lagerstätte und nestelte ihren eigenen Schleier los , um ihn gegen das Fenster aufzuhängen . Aber nur etwas kaltes Wasser fand sie in einem irdenen Kruge , die Ohnmächtige zu erfrischen . Doch that dies einfache Mittel seine Wirkung , und die Unglückliche öffnete die Augen und blickte in die mitleidigen Züge Electa ' s. Ihr hier ? fragte sie sanft ; wie ist mir geschehen ? Nachsinnend brach sie plötzlich in sanfte Thränen aus , die in etwas die Last von ihrer Brust wegnahmen . Wie ist Euch nun ? fragte Electa . Soll ich Euch entkleiden und zur Ruhe bringen ! Liebe Electa , sagte Maria , bedenkt wohl , was Ihr thut . Man will hier nicht , daß ich Hilfe finde , ich möchte Euch nicht Verweise zuziehen , laßt mich lieber allein ; Gott wird mir Kraft geben , oder sein Wille hat es auch anders vor , nun denn - - - Electa schlug die Augen nieder , sie fühlte sich beschämt von der Lage des armen Wesens , dem sie nicht zürnen konnte , für wie verderblich sie auch ihre Geistesverkehrtheit hielt . Ihr Beistand bei ihrer Hinfälligkeit zu leisten , schien ihr doch nicht zu viel . Ich zweifle nicht , sprach sie daher sich ermannend , unsere ehrwürdige Oberin wird gestatten , daß ich Euch beistehe , und ich gehe , ihre Erlaubniß zu holen . Maria fühlte sich zum Widerstande zu schwach , und kaum sah sie sich allein , als der furchtbare Geist des Fiebers über sie kam , und ihrem Gehirn jene schmerzhaften Bilder von Angst und Grauen eindrückte , die das Blut verzehren und alle Nerven zu zerreißen drohen . Angstvoll , stöhnend , ohne Kraft und Gegenwehr , nagte so der schreckliche Wahnsinn an der Unglücklichen , ohne daß Electa oder eine andere Hilfe zu ihrer Linderung erschien