süßesten , seligsten Schlummers nicht aus dem Sinne verbannen kann , so sehr mir sonst jede Schwärmerei auch widersteht . « » Lassen wir , was wir nicht begreifen , auf sich beruhn , es hat wohl immer seinen Wert « , erwiderte der Prediger . » Gewiß ist es menschlicher und natürlicher , fügt sich in den ganzen Zusammenhang unsrer Vorstellungen leichter ein , den Tod nicht so für sich , sondern gewissermaßen als Fortsetzung gewöhnlicher menschlicher Zustände zu betrachten . Und auf diesen Zusammenhang der Vorstellungen kommt doch alles an . Es gibt kein Volk , welches nicht die letzte Rast in Verbindung mit dem menschlichen Geselligkeitstriebe , oder mit den Zuneigungen des Verstorbnen für bestimmte Plätze , da er noch lebte , brächte , und jenem Triebe und diesen Neigungen eine Schattendauer über das Grab hinaus beilegte . Nur die abgeschwächte Grübelei , das erkältete Gemüt wird gleichgültig gegen die letzte Wohnung ; in den Zeiten der Stärke beherrscht jener freundliche Wahn , wenn man ihn so nennen will , das Volk und jeden einzelnen . Ich halte nun sehr viel von dem Spruche : An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen , und meine , daß das , was die Menschen im Zustande der physischen und moralischen Gesundheit denken oder auch nur träumen , das uns eigentlich Gemäße sei , womit wir uns zu begnügen haben . « Ein Geräusch im Nebenzimmer unterbrach diese friedlichtraurigen Gespräche . Die Vorstände der Fabriken traten herein , und an ihren Mienen ließ sich abnehmen , daß etwas Bedeutendes vorgefallen sein mußte . Der Oheim , verwundert über den späten Besuch , fragte nach der Ursache , worauf ihm einer ein großes Schreiben , ohne zu reden , mit bedeutenden Blicken hinreichte . Der Prediger sollte es lesen ; er besah Siegel und Aufschrift und sagte : » Nach dem Postzeichen kommt es aus der Standesherrschaft . « » Ich will nicht hoffen « , rief der Oheim ahnend aus , » daß dort sich etwas begeben hat ! « » Allerdings « , versetzte einer , » wir haben , was wir haben wollten . « Der Prediger hatte das Schreiben eröffnet und sagte : » Man meldet Ihnen das Ableben des Herzogs , und jene großen Besitzungen sind nun ebenfalls die Ihrigen . « Die Geschäftsleute konnten ihre freudige Bewegung nicht unterdrücken ; der Oheim entließ sie mit einem stummen Winke , und saß , die Hände im Schoße gefaltet , das Haupt gesenkt , lange Zeit schweigend da . Der Prediger hatte einen zweiten Brief erbrochen , der von jemand herrührte , welcher sich im Interesse des Oheims auf die erhaltne Todesnachricht sogleich nach dem Schlosse begeben hatte , um etwanige Veruntreuungen der Offizianten und Diener zu hindern . Er berichtete die näheren Umstände über das Ende des Standesherrn . Mit Weglassung des Unwesentlichen schalten wir folgende Stelle seines Briefs unsrer Geschichte ein : » So versank der Herzog von Tage zu Tage in eine immer tiefere Schwermut . Er hatte seine Geschäfte dergestalt vereinfacht , daß er sie fast allein besorgen konnte . Nur die notwendigste Bedienung litt er um sich , seine Mittags- und Abendmahlzeiten waren einsam , aller Gesellschaft hatte er entsagt . Wenn ihm jemand leise Vorstellungen über diese Absonderung zu machen wagte , so versetzte er , daß ihn seine wankende Gesundheit zu einer so regelmäßigen Lebensweise nötige ; jeden Gedanken an einen Schmerz der Seele suchte er durch seine Erklärungen bei andern sorgfältig zu entfernen . Über die Abtretung der Herrschaft an Sie auf den Todesfall sprach er sich mit völliger Ruhe und Fassung aus . Wer ihn aufmerksamer betrachtete , mußte die Angabe über seine körperlichen Umstände bezweifeln , denn das äußere Ansehen deutete durchaus nicht auf etwas Krankhaftes . Aber oft kam er nach Hause , am Arme eines Landmanns , hinfällig , wie es schien , und sagte dann , daß ihn ein Schwindel unterwegs betroffen habe , und daß er zu Boden gestürzt sein würde , wenn ihn der Führer nicht aufgefangen hätte . Gestern hat man ihn denn tot , auf dem Fußboden seines Zimmers ausgestreckt , gefunden . Noch zwei Tage vorher war an ihm eine merkliche Erheiterung sichtbar geworden . Er hatte sich geäußert , daß er ein größeres Wohlsein verspüre , von Besuchen , die er wieder abstatten , ja von einer Reise , die er unternehmen wolle , gesprochen . Der Landphysikus ist sogleich berufen worden , hat den Körper untersucht und den Ausspruch gefällt , daß ein Schlagfluß den Tagen des Herzogs ein Ende gemacht habe . Diesem ärztlichen Gutachten spricht nun jedermann nach ; ich aber habe meine besondern Vermutungen . Ich brachte in Erfahrung , daß er seine Angelegenheiten in einer Ordnung hinterlassen habe , die beispiellos sei . Selbst die gewöhnlichen Rechnungen , welche sonst in jedem großen Hauswesen das Jahr hindurch unbezahlt stehnbleiben , sind bis auf die kleinsten Posten quittiert vorgefunden worden . Nun meine ich , daß der natürliche Tod niemand so in Bereitschaft antreffen kann . Ist mein Argwohn richtig , so hat er verstanden , die Repräsentation , welche seine Schritte von jeher bestimmte , bis an das Ende zu führen . Es ist ihm möglich geworden , dem Überdrusse am Dasein die beabsichtigte Folge zu geben , dennoch alle zu täuschen , und anständig , wie er gelebt , zu sterben . Ich selbst , der ich mich unter einem Vorwande in sein Zimmer geschlichen und mich überall umgesehen habe , konnte nichts Verdächtiges entdecken . Die Herzogin , welche sich unfern im Bade * befand , eilte auf die erste Nachricht mit Kurierpferden herbei . Ihr Schmerz ist grenzenlos und exzentrisch ; vielleicht schärft ihn das geheime Bewußtsein begangner Vernachlässigungen , zu denen eine überfeinerte Seelenstimmung sie verleitet hat . Man ließ ein Wort vom Begräbnisse fallen , worauf sie , wie außer sich , ausgerufen hat , daß davon keine Rede sein dürfe , daß der Leichnam über der Erde