aufschreienden Mädchen um den Hals . Die Erschütterte , die sich in Dagobert ' s Armen , an seiner Brust fühlte , dachte nicht daran , seiner plötzlich , allen Fesseln zum Trotz , hervorbrechenden Liebe zu widerstehen , und überließ sich mit Freude und erneutem Vertrauen seinen Liebkosungen . - Während hundert und wieder hundert Fragen von ihrem und seinem Munde flogen , und keine beantwortet wurde , und doch eine jede auf Antwort drang , rieb sich Judith verwirrt die Stirne , und sah bald betroffen auf die Gruppe der Neuvereinten , bald auf den Knecht Vollbrecht , welcher , ohne viel mehr zu begreifen , regungslos dabei stand . - » Verblendete Welt ! « rief sie endlich , zwischen Dagobert und Esther tretend : » Ist es an der Zeit , im Rachen des Todes sündliche Flammen zu schüren ? Mann ! seyd Ihr ein Christ ? und umarmt eine ungläubige Jüdin ? Weib , willst Du also das Bad der Taufe verdienen ? Flieht , rettet Euch . Hier ist Eures Bleibens nicht . Mörder sind um die Wege . Fort , ohne Säumen , denn ich weiß ... ich weiß ... die Zeit die ich fürchte , ist da . « - Ohne weiter ein Wort zu verlieren , eilte Judith davon , um zu den Eltern wiederzukehren . Aber am Sumpfe hielt sie ihre Schritte an , und lauschte scheu nach dem flirrenden Röhricht , auf welchem die Tropfen des langsam fallenden Regens knisterten , und aus dessen Grunde Schatten zu nicken schienen , mit glühenden Augen und verzerrten Gesichtern . Hier , an dem Ufer warf sich die Dirne auf die Knie , und breitete ihre Hände aus über das stille Moor , und sprach , wie eine beschwörende Hexenfrau : » Unschuldig Gestorbner auf dem Grunde und im Schilf ! Zürne nicht mehr der Seele meines Vaters , denn sie verläßt den Leib gerade jetzo mit Angst und Seufzen . Zwei Augen haben sich zugethan , die den Herrn nimmer erkannt haben . Vergib den beiden , die noch offen stehen , um des Erlösers Willen , und ruhe fürder im Frieden . Und Du , barmherziger Gott ! entsündige die , die mich zeugten , und sollten ihre Laster alle auf mein Haupt fallen ; laß aber auch die schmachtende Unschuld nicht verderben , wenn es in Deinem Rathschlusse ist , und schone dann mein Herz nicht . « - Ihrer aufgeregten Einbildungskraft war es just , als ob aus dem bleischwarzen Sumpf eine weiße Hand sich herausstreckte , lang und hager , die Ihrige zu fassen , wie zum Pfande Ihres Gelöbnisses , und sie riß sich entsetzt von der unheimlichen Stätte . Indem sie mit Befriedigung dem Hufschlage der Pferde lauschte , die aus der Scheune heraustrabten , und sich jenseits gen Bergen hin verloren , - indem sie Gott dankte , daß er die fremde Jungfrau in seinen Schutz genommen , - hörte der Regen auf , und die zerreißenden Wolken ließen schwaches Licht hernieder . Es leuchtete gräßlich für Judith , denn sie erblickte den Schatten eines Mannes durch das Dunkel nach der Hütte eilen und darin verschwinden . Der Gedanke : Wenn Zodick nicht todt , ... wenn der Jude jener Schatten wäre ! stieß wie ein scharfes Schwert in ihr Gehirn , und die Erinnerung an seine entsetzliche Verheißung schlich fröstelnd durch ihre Adern . - » Wenn er wirklich zurückgekehrt wäre aus dem gelogenen Tode ! « murmelte sie zwischen den Zähnen , und sah vor sich hin in das Dunkel : » O , welch ein Ende würde das Elend nehmen ? Aber nur auf Gott vertraut ! Er kann binden , er kann lösen ! « - Noch eine Weile horchte sie , dann drang ein entsetzliches Geschrei aus der Hütte . - » Herrgott ! die Mutter ! « stotterte die heftig Zusammenfahrende : » Weh mir ! Der blutige Mann bringt sie um , und fort wollte sie , um dem Mörder die eigne Brust zu bieten , statt des Mutterherzens . « Aber ihre Füße konnten nicht von der Stelle . Riesenkräftig strebte sie vorwärts , aber wie eingewurzelt hielt sie der Boden . In erbärmlicher Angst arbeitete ihr Busen ; der Mund versuchte zu schreien , doch seine Stimme war erloschen ; alle Sinne und Kräfte schienen allmählig von ihr zu entweichen ; nur das Ohr blieb in grausamem Gehorsam , denn sie mußte hören , hören , wie nach und nach das Geschrei zum Gejammer , die Klage zum Gewimmer wurde , wild unterbrochen von Zodick ' s fluchender Wolfsstimme . Und schwächer wurde das Gestöhne , und endlich gelang es der gefolterten Tochter , sich zu ermannen , und loszureißen von dem Platze des Entsetzens . Allein , nicht hinweg von dem Orte des Schreckens , - hin drängte sie der schwarze Geist des Augenblicks . Sehen - sehen wollte sie , und dem Wüthrich in ' s Auge schauen . Wie eine wuthentflammte Löwin , die Züge bald in bleiche Angst , bald in rothen Zorn getaucht stürzte sie in die Hütte , und vernahm in der Stube das Ächzen der Mutterstimme , die Verwünschungen des Unholden , der Thüren zu sprengen , Kisten und Kasten zu zerschlagen im Begriff zu seyn schien . Welch ein Anblick , da Judith in das Gemach drang ? Umgestürzt die Rohrwand , und blutend darauf ausgestreckt die Wirthin des Hauses ... das Messer in der Brust . Des Vaters starrer Leichnam halb aus dem Lager geschleudert , in welchem die gierigen Hände des Räubers gewühlt hatten . Schrank und Truhen erbrochen ; der Raub von manchem Jahre hervorgezerrt an ' s Licht der Herdesflamme , und zerstreut auf dem Boden liegend . Und mitten in dem Gräul dieser Umgebung der schändliche Zodick selbst stehend , durchnäßt von Regenfluthen und Blut , plündernd , wählend , verwerfend , und Gotteslästerungen und gräuliche Flüche aus dem giftigen Munde sprudelnd