Männer von Talent , mögen sie nun Gefühl haben , oder nicht ; mögen sie Zeloten , Aspiranten oder Despoten sein - wenn sie nur aufrichtig sind , - haben ihre erhabenen Augenblicke . wo sie überwinden und herrschen . Ich empfand Verehrung für Saint John - so hohe Verehrung , daß der Antrieb derselben mich sogleich zu dem Punkte brachte , den ich so lange vermieden hatte . Ich gerieth in Versuchung , den Kampf mit ihm aufzugeben - in dem Strome seines Willens mit hinabzurauschen in den Abgrund seines Daseins und dort mit ihm unterzugehen . Ich wurde fast eben so schwer geprüft von ihm , wie einst auf verschiedene Weise von einem Andern . In beiden Fällen war ich eine Thörin . Damals nachgegeben zu haben , wäre ein Fehler der Grundsätze gewesen : jetzt nachzugeben , wäre ein Fehler des Urtheils gewesen . So denke ich zu dieser Stunde , wo ich durch das ruhige Medium der Zeit auf jene Krisis zuzückblicke ; ich war mir in dem Augenblicke keiner Torheit bewußt . Ich stand bewegungslos unter der Berührung meines Hierophanten . Meine Weigerung war vergessen - meine Furcht überwunden - meine Anstrengung gelähmt . Das Unmögliche - nämlich meine Verheirathung mit Saint John - wurde fast möglich . Alles veränderte sich gänzlich mit einem plötzlichen Schwunge . Die Religion rief - die Engel winkten - Gott gebot- das Leben wurde wie Pergament zusammengerollt — des Todes Pforten öffneten sich und zeigten jenseits die Ewigkeit : es schien , als könne hier in einer Sekunde Alles aufgeopfert werden , um dort Segen und Seligkeit zu erlangen . Das düstere Zimmer erfüllte sich mit Visionen . " Könnten Sie sich jetzt entscheiden ? " fragte der Missionair . Die Frage wurde in milden Tönen ausgesprochen : er zog mich sanft zu sich bin . O , diese Milde ! wie viel mächtiger ist sie , als Gewalt ! Ich konnte Saint John ' s Wuth widerstehen : doch wurde ich biegsam , wie ein Rohr bei seiner Freundlichkeit . Doch wußte ich die ganze Zeit , wenn ich jetzt nachgebe , daß ich eines Tages nicht weniger meine frühere Rebellion werde bereuen müssen . Seine Natur war nicht verändert durch eine Stunde feierlichen Gebets - sie war nur gehoben . " Ich könnte mich entscheiden , " antwortete ich , " wenn ich nur gewiß , wenn ich nur überzeugt wäre , daß es Gottes Wille ist , daß ich Sie heirathen soll ; ich könnte jetzt hier geloben , Sie zu heirathen - es möchte auch später daraus werden , was da wollte ! ” " Mein Gebet ist erhört ! " rief Saint John . Er drückte seine Hand fester auf meinen Kopf , als ob er mich beim Wort nehmen wolle : er umschlang mich mit seinem Arme , fast als ob er mich liebte - ich sage fast , denn ich kannte den Unterschied , ich hatte gefühlt , was es heißt geliebt zu werden : aber gleich ihm ließ ich die Liebe ganz aus dem Spiel und dachte nur an die Pflicht - ich rang mit meinem trüben innern Gesicht , welches von Wolken um zogen war . Ich hegte das aufrichtige und glühende Verlangen zu thun , was recht war , und nur das . “ Zeige mir - zeige mir den rechten Weg " flehte ich zum Himmel . Ich war aufgeregter als je , und ob das , was erfolgte , die Wirkung der Aufregung war , mag der Leser beurtheilen . Das ganze Haus war still , denn ich glaube außer mir und Saint John hatten sich Alle zur Ruhe begeben . Das einzige Licht war dem Erlöschen nahe : das Zimmer vom Mondlicht erfüllt . Mein Herz schlug rasch und stark : ich hörte sein Klopfen . Plötzlich stand es bei einem unaussprechlichen Gefühle still , welches es durchzuckte und sich zugleich meines Kopfes und meiner Glieder bemächtigte . Das Gefühl war kein electrischer Schlag : doch war es eben so heftig und erschütternd : es wirkte auf meine Sinne , als wäre ihre äußerste Thätigkeit bisher nur eine Erstarrung gewesen , woraus sie jetzt erweckt und zum Wachen gezwungen waren . Auge und Ohr waren gespannt , während das Fleisch auf meinen Knochen zitterte . " Was haben Sie gehört ? Was sahen Sie ? ” fragte Saint John . Ich sah Nichts ; aber ich hörte eine Stimme irgendwo rufen : " Johanna ! Johanna ! Johanna ! ” Weiter Nichts . " O , Gott ! was ist das ? ” brachte ich mit Mühe heraus . Ich hätte fragen sollen : " Wo ist das ? ” denn es schien nicht im Zimmer - nicht im Hause - nicht im Garten zu sein ; es kam nicht aus der Luft - nicht aus der Erde - nicht von oben herab . Ich hatte es gehört - wo es war und woher es kam , war mir auf immer unmöglich zu erfahren ! Und es war die Stimme eines menschlichen Wesens - eine wohlbekannte und geliebte Stimme — Eduard Fairfax Rochester ' s Stimme ; und sie sprach in Schmerz und Leid — wild , auffordernd und dringend . “ Ich komme " rief ich . “ Warten Sie ! O , ich will kommen ! ” Ich eilte zur Thür und blickte in den Gang : er war dunkel . Ich lief in den Garten hinaus : er war leer . " Wo sind Sie ? ” rief ich , Die Hügel jenseits Marsh Glen gaben matt die Antwort zurück : “ Wo sind Sie ! " ich horchte . Der Wind seufzte leise unter den Fichten , ich war von der Einsamkeit des Moorlandes und der Stille der Mitternacht umgeben . " Fort mit Dir , Aberglaube ! ” sagte ich bei mir selber , als jenes Gespenst sich schwarz bei dem schwarzen Taxusbaume an der Pforte erhob . " Dies ist