Geld , aber nicht zur Augenlust ; denn das Gesammelte beschaute sie niemals und überzählte es nie , wenigstens nicht zum zweiten Mal , und noch weniger stellte sie sich vor , was alles dafür herbeizuschaffen und zu genießen sei . Ich indessen war seit geraumer Zeit mit den Mitteln an ein Ende gekommen , die zu meiner Ausbildung bestimmt gewesen . Schon saß ich in einem ordentlichen Gewebe von Schuldbeziehungen gefangen und war ohne alle Schwierigkeit hineingeraten , und zwar durch den studentischen Verkehr , der sich von der Lebensart der Kunstjünger wesentlich unterscheidet . Diese sind von Anfang an auf die Benutzung des Tageslichtes durch unausgesetzte Handübung angewiesen ; das bringt allein schon einen andern wirtschaftlichen Zustand mit sich , welcher den guten alten Handwerkssitten verwandt ist . Während meines Umganges mit dem reichen Lys und dem an sorgloses Leben auch gewöhnten Erikson war ich meiner bescheidenen Verhältnisse nie innegeworden . Wir sahen uns immer nur des Abends , und da lebten sie in der Regel nicht anders , als ich und ähnliche wenig bemittelte Leute auch leben durften ; von einem gegenseitigen Anreize zu schädlichen Ausgaben war nicht die Rede , und was gute Laune oder ein Fest etwa an Ausnahmen herbeiführten , störte niemals in nachhaltiger Weise das Gleichgewicht . Der Student dagegen lebt einstweilen und bis zum Tage des Gerichtes in jedem Sinne unter dem Panier der Freiheit . Er beansprucht , selber in jugendlichem Vertrauen schwärmend , ein außerordentliches Vertrauen ; Unfleiß und Geldmangel gereichen ihm nicht zum Nachteil , vielmehr werden beide durch besondere Lieder gefeiert , sogar das Vertun der letzten Habe , das Hänseln der Gläubiger in alten und neuen rituellen Gesängen gepriesen . Ist alles dies bei der heutigen besseren Sitte auch mehr euphemistisch gemeint , so ist es doch immer noch das Wahrzeichen von Freiheiten , die eine gewisse allgemeine Redlichkeit zur Voraussetzung haben . Da ich mich eines Morgens ohne Vorbedacht und Willen von einigen Schulden belästigt sah , stellte ich nachträgliche Betrachtungen über das Vorkommnis an und setzte mich mit demselben ungefähr folgendermaßen auseinander : Hätte ich einen Sohn mit guten Lehren zu versehen , so würde ich zu ihm sagen : » Mein Sohn , wenn du ohne Not und sozusagen zu deinem Vergnügen Schulden machst , so bist du in meinen Augen nicht sowohl ein Leichtsinniger als vielmehr eine niedrige Seele , die ich im Verdachte eines schmutzigen Eigennutzes habe , einer Selbstsucht , die andere unter dem Deckmantel traulicher Hilfsbedürftigkeit absichtlich um das Ihrige bringt . Wenn aber ein solcher von dir borgen will , so weise ihn ab ; denn es ist besser , du lachest über ihn als er über dich ! Wenn du hingegen in Not gerätst , so borge , soviel es genaugenommen sein muß , und ebenso diene deinen Freunden , ohne zu rechnen , und alsdann trachte für deine Schulden aufzukommen , Verluste verschmerzen oder zu dem Deinigen gelangen zu können , ohne zu wanken und ohne schimpflichen Zank . Denn nicht nur der Schuldner , der seine Verpflichtungen einhält , sondern auch der Gläubiger , der ohne Zank dennoch zu dem Seinigen kommt , beweist , daß er ein wohlbestellter Mann ist , welcher Ehrgefühl um sich verbreitet . Bitte keinen zweimal , der dir nicht borgen will , und laß dich ebensowenig drängen ; denke immer , daß dein guter Ruf an die Bezahlung von Schulden geknüpft , oder vielmehr denke das nicht einmal , denke an gar nichts , als daß soundso viel zu bezahlen sei im Leben oder im Tode . Kann dir aber ein anderer das gegebene Versprechen nicht halten , so richte nicht gleich über ihn , sondern überlaß lieber das Urteil der Zeit . Vielleicht bist du noch einmal froh , wenn er dir als Sparbüchse gedient hat . Nach dem Maße aber , in welchem du dich in Verpflichtungen begibst und die in dir selbst liegenden Kräfte dabei schätzest , wird es sich zeigen , was du wert bist . Du wirst die Abhängigkeit unsers Daseins menschlich fühlen gelernt haben und das Gut der Unabhängigkeit auf eine edlere Weise zu brauchen wissen , als der nichts geben und nichts schuldig sein will . Bedarfst du in der Not das Vorbild und Ideal eines redlichen Schuldenmachers , so denke an den spanischen Cid , welcher den Juden eine Kiste voll Sand versetzte und ihnen sagte , es sei gutes Silber darin ! Sein Wort war allerdings so gut wie Silber ; und doch welche Verdrießlichkeit , wenn ein Neugieriger oder Mißtrauischer vor der Zeit die Kiste geöffnet hätte ! Dennoch wäre es derselbe Cid gewesen , dessen Leiche am Schwert ruckte , als ein Jude sie am Barte zupfen wollte . « Diese großen Worte , mit denen ich mir den Rat eines weisen Vaters ersetzte , regten mein Gewissen doch so kräftig an , daß ich Anstalt traf , die Tore des Erwerbes aufzutun . Ohne längeres Säumen machte ich mich an den Entwurf eines Landschaftsbildes von bescheidenem Umfang , dessen Verkauf nicht von vornherein unwahrscheinlich war . Zugrunde lag ein ansehnliches Studienblatt aus der Heimat , welches einen gerodeten Bergwald darstellte . Von diesem zog sich ein stehengebliebener Saum von Eichbäumen einen höhern Grat entlang und stieg auf demselben ins Tal herunter an einen schäumenden Waldbach , wie ein Zug schreitender Riesen , die sich unten sammeln und Rat halten . Als ich mit dem Entwurfe fertig war , fühlte ich das Bedürfnis , die Ansicht eines Kunstgenossen einzuholen , um nichts zu unterlassen , was ein Gelingen herbeiführen konnte . Denn der Ernst der Sache wurde mir mit jedem Striche fühlbarer . Glücklicherweise begegnete ich zu dieser Zeit einem eben im Flor stehenden Landschafter , mit dem ich in Eriksons Gesellschaft ein paarmal zusammengetroffen und auf einem gewöhnlichen Bekanntschaftsfuße stand . Der Mann besaß eine sichere und wirksame Technik ; er brachte sozusagen keinen Pinselstrich zuviel oder zuwenig an , und jeder leuchtete mit ungebrochener Kraft ; also