beiden Frauen ausgesprochen worden ; sie hatten einander auch nicht um ihre Schicksale befragt , sich ihre Erlebnisse nicht besonders anvertraut , wie Frauen dies so leicht und gern thun ; aber Bedürfniß , Hülfsleistung und Dankbarkeit hatten eine Neigung und endlich eine Liebe zwischen ihnen erzeugt , die so natürlich entstanden war , daß beide ihr rasches Wachsthum kaum gewahrten . Seba freute sich in jedem Augenblicke an der formvollen Güte der Baronin , die Baronin genoß unablässig ihrer Pflegerin bereitwillige Hingebung . Sie rühmte dem Geistlichen , welch glückliche Tage sie verlebe , seit sie alle Dienste , deren sie bedürfe , von der Hand einer Freundin empfange , und seit sie gelernt habe , wie süß es sei , zu fordern , wo man mit der Möglichkeit des Gewährens dem Andern eine Freude zu bereiten sicher sei . Der Caplan widersprach ihr nicht . Im Gegentheil , er erkannte Seba ' s Vorzüge unbedenklich an ; nur einmal warf er die Frage auf , ob die Baronin irgend etwas über den Weg erfahren habe , welchen die Charakterbildung ihrer Freundin genommen , ob sie irgend welche Kenntniß von deren sittlichen und religiösen Anschauungen habe . Sie verneinte Beides , that danach aber doch die Aeußerung , daß sie vermuthe , Seba sei unvermählt geblieben , weil sie eine unglückliche Liebe im Herzen trage . Der Caplan nannte dies unwahrscheinlich , da das Mädchen Eigenschaften und Vorzüge besitze , welche auch einem anspruchsvollen Manne genügen müßten . Die Baronin schwieg eine Weile , indeß ein ihr in der Beichte zur Gewohnheit gewordenes Vertrauen in den Caplan und das Verlangen , ihre Seba nicht als eine Verschmähte erscheinen zu lassen , trugen über ihre Verschwiegenheit den Sieg davon , und zögernd , als bekenne sie eine eigene Erfahrung , sagte sie , daß ihrer Freundin Liebe , wie sie glaube , einem Manne gegolten , von welchem nicht nur ihre Religion , sondern auch sein Stand sie geschieden habe . Sie kennen seinen Namen ? fragte der Caplan ; da die Baronin die Antwort nicht augenblicklich gab , ließ er jedoch selbst die Frage fallen , und erst nach einer Weile sagte er , wie man eine flüchtige Bemerkung hinwirft : Ich würde mich wundern , wenn Mademoiselle Flies sich hätte leicht entmuthigen lassen , denn an Willenskraft hat sie offenbar nicht Mangel , und Standesvorurtheile lassen sich gar oft besiegen , wenn nur die kirchlichen , die religiösen Hindernisse zu besiegen sind . Wie anders aber würde dieses Mädchens Wesen sich entfaltet haben , wenn seine übergroße Selbstgewißheit durch die Erkenntniß jener göttlichen Liebe gemildert worden wäre , von welcher alle irdische Liebe nur der Abglanz eines schwachen Strahles ist ! Er brach dann diese Unterhaltung ab , sicher , daß sie in der Baronin nachwirken würde , und er hatte sich darin nicht getäuscht . Sie war unverkennbar bemüht , Seba in die Nähe des Caplans und diesen zu Erörterungen über religiöse Fragen zu bringen , wenn Seba irgend auf solche einzugehen geneigt war . Aber nachdem die Baronin auf ihren Wunsch an einem der folgenden Tage gebeichtet und das Abendmahl empfangen hatte , hielt grade der Caplan sich fest an sein gegebenes Versprechen und schien , jeder angreifenden Unterhaltung geflissentlich ausweichend , es nur auf die Pflege und Erheiterung der Kranken abgesehen zu haben . Dreizehntes Capitel Der Freiherr hatte sich von seinem Vorhaben nicht abbringen lassen , er hatte selbst zu Gericht gesessen über die Angeklagten und Schuldigen . Aber auf den Besitzungen des Freiherrn wie überall auf dem Lande hing und hängt der niedere Mann an dem Hergebrachten . Aus dem Hergebrachten schöpft er seine Einsicht , nach dem Hergebrachten richtet er seine Folgerungen , auf das Hergebrachte stellt er sich , wenn er mit seinen Erwartungen sich an die Zukunft wendet , und was ihn von diesem Boden entfernt , flößt ihm ohne Weiteres Mißtrauen ein . Mancher von den Insassen der Güter war wegen kleinerer oder größerer Vergehen in den letzten Jahren zur Verantwortung gezogen worden ; indeß er hatte es dann , wie Adam sehr richtig bemerkt , gleich seinen Vordern , auf den Amtmann und den Justitiarius geschoben , und alle Theile hatten einander gekannt , hatten mit einander zu verkehren gewußt und ungefähr voraussehen können , worauf sie sich gefaßt zu machen hätten . Jetzt , da der Freiherr selbst Gericht halten wollte , war es ein Anderes . Es waren Frevel geschehen , wie sie bis dahin nicht vorgekommen waren , nicht hatten vorkommen können , und da sich in den Köpfen der unaufgeklärten und kurzsichtigen Menge die Begriffe wunderlich kaleidoskopisch zusammensetzen und gestalten , hatte sich , weil die erschlagene Kammerjungfer und der gemißhandelte Koch Fremde gewesen , und weil der verwundete Geistliche ein Katholik war , die Vorstellung der Leute bemächtigt , sie sollten nicht von ihrem rechtschaffenen protestantischen Herrn Justitiar nach ihrem alten Rechte und Herkommen gerichtet werden , sondern nach fremden und katholischen Gesetzen , die eben deßhalb der gnädige Herr , der ja auch katholisch war , selbst handhaben wolle . Dagegen habe der Herr Pfarrer Einspruch gethan und der gnädige Herr ihm die Pfarre zur Strafe abgenommen . Nun werde der Caplan an seine Stelle kommen und allem wahren christlichen Wesen in der Gemeinde mit Schrecken ein Ende gemacht werden . Wo hier und da eine derartig verwirrte Vorstellung dem Amtmanne oder dem Justitiarius zu Ohren gekommen war , hatten sie dieselbe zu bekämpfen versucht , aber es ist ein Kennzeichen der Unvernunft , daß sie sich nicht überzeugen lassen mag ; und wenn es dann doch gelungen war , einen oder den andern von den Männern zu beruhigen , so kamen die Frauen , welche sich weinend und wehklagend bei der Pfarrerin Raths erholen gingen , mit beängstigenden Voraussichten , mit dem Glauben an die schlimmsten Möglichkeiten in ihre Wohnungen zurück , und die mißtrauische Angst wuchs nur noch höher empor . Unglücklicher Weise wichen die Anordnungen des Freiherrn nun auch