anhörte ; » Deine Welt ist ein Babylon , mit König Baltassars Festmahl . Die Geisterhand schreibt ihre geheimnisvollen Zeichen an die Wand des Königssaales ; der Perserkrieg steht vor der Tür ; aber sie achtet es nicht und taumelt dahin in ihrem Rausch und ihrem Frevel . « Sie dachte an Orest - dem ächten Sohn dieser Welt . Graf Damian erwiderte : » Kind , warum nennst Du sie meine Welt ? Ich habe sie nicht geschaffen und bin recht froh darüber , denn ich würde mich tot ärgern , sehen zu müssen , wie sie jeden Augenblick - bald nach der verkehrten Seite sich umdreht , bald wieder schief ins Blaue hinein fliegt , bald einen ungeschickten Burzelbaum macht . Die Welt ist Gottes Welt . Er hat sie geschaffen , er muß für sie sorgen , daß sie wie ein Stehauf immer wieder auf die Beine kommt , wenn sie auch tausendmal auf die Nase fällt . Ich sehe bei dem Spektakel nur ganz vergnüglich zu und wälze alles getrost auf seine Schultern . Das ist meine Philosophie . Ist sie nicht sehr christlich ? « » So ganz wohl nicht , « sagte sie lachend . » Nicht ganz ? « rief er verwundert . » Ei , Kind , was fehlt denn noch ? « » Von dem , was fehlt , wollen wir gar nicht reden , mein Väterchen ! nur von dem , was zu viel ist . « » Zu viel Christlichkeit ! sieh , das überrascht mich . « » Der vergnügliche Zuschauer , lieber Papa , der dem Weltbankerott zusieht und die Hände reibt , und auch wohl einmal Beifall klatscht - der ist zu viel in Deiner christlichen Philosophie . « » Ja , Kindchen ! « sagte Graf Damian und streichelte liebevoll ihr weiches Haar , » Du bist aus Onkel Levins Schule ! mit Euch ist für unsereinen nicht Schritt zu halten . « Orest beobachtete einigermaßen den äußeren Anstand Corona gegenüber - hauptsächlich auf Judith ' s Wunsch . Als sie sicher war , ihr Ziel zu erreichen , hatte sie zu ihm gesagt : » Wähnen Sie nicht , Graf Orest , mir einen Gefallen zu tun oder mir eine Huldigung darzubringen , indem Sie ihre Leidenschaft für mich zur Schau tragen , oder Aufsehen erregen , oder Ihre Gemahlin beleidigen . Für eine gewöhnliche Schauspielerin könnten Sie dergleichen tun , denn die hat Freude daran . Aber ich bin keine gewöhnliche Schauspielerin und alles , was an eine solche erinnert , ist mir zuwider . Ich will ruhig und ohne komödiantenhaftes Gepränge und Getöse den Platz in der großen Welt einnehmen , den Ihre Liebe mir bereitet . Daß dazu die Trennung von Ihrer Gemahlin gehört , tut mir leid , ist aber unvermeidlich . Umsomehr müssen Sie schonend und rücksichtsvoll verfahren , und wenn es Sie auch einige Monate Ihres Glückes kosten sollte ! wir haben ja das ganze Leben vor uns , um glücklich zu sein . « » Aber wie lang ist denn überhaupt das Leben , « fragte Orest , » daß Sie die Versäumnis von einigen glücklichen Monaten nicht als Verschwendung betrachten ? « » Ich werde mich freuen , wenn Sie in zehn Jahren auch noch so gesinnt sind , « erwiderte Judith . - Orest hatte in seinem Gespräch mit Corona erkannt , daß sie nie ihre Zustimmung zu seinem Vorschlag geben werde . » Sie ließe sich lieber umbringen als dazu bewegen , « sagte er zu Florentin , der plötzlich , er wußte selbst nicht wie ! sein Vertrauter geworden war . Neigung zum Bösen ist kein dauerhaftes , aber zuweilen ein sehr starkes Band zwischen den Menschen , die sich ihm hingeben . Einer stützt den andern , so lange es gilt , das gute Prinzip zu bekämpfen . Später verfolgt dann jeder seinen besonderen Zweck und dann verwandelt sich die Freundschaft nicht selten in bittere Feindschaft . Florentin hatte schon früher durch den vollen Cynismus seiner Grundsätze einen verderblichen Einfluß auf Orest geübt . Dieser fand zwar immer , daß Florentin zu weit gehe , aber er merkte nicht , daß er ihn nur in der Theorie , nicht in der Praxis bekämpfe und dasjenige bereitwillig annehme , was mit seinen Leidenschaften übereinstimme . Als Florentin ihm jetzt erwiderte , es sei nun an der Zeit , endlich Anspruch an seine volle Freiheit zu machen und sich den abgeschmackten Gesetzen der katholischen Kirche gründlich zu entziehen , entgegnete Orest : » Das ist mein fester Entschluß ! ich werde protestantisch und lasse mich scheiden . « » Vortrefflich ! « jubelte Florentin . » Ja , Du mußt protestantisch werden ! das ist der erste Schritt zur geistigen Befreiung , dadurch widersagst Du der priesterlichen Vormundschaft und nimmst Deinen Platz ein zwischen denjenigen , welche ihre Selbstberechtigung beanspruchen , ihre höchsten Angelegenheiten nach ihrem eigenen Gewissen zu gestalten . Einen Grund zur Scheidung findet man sehr leicht und der beste wird sein - daß Du protestantisch wirst . Dann kommt auch wieder ein protestantischer Herr auf Deine protestantische Herrschaft Stamberg ! Vortrefflich ! nach welcher Seite hin man es betrachten möge - ganz vortrefflich ! « » Ich wußte nicht , daß Du ein so wütender Protestant geworden seiest , um sogar auf ein harmonisches Verhältnis zwischen Herr und Untertanen Rücksicht zu nehmen , Du Sozialist und Kommunist ! « erwiderte Orest , immer spottend über Florentins Ansichten und immer bereit , ihnen zu folgen , wenn sie seinen Projekten zusagten . » Was bist Du denn eigentlich ? calvinisch , lutherisch , anglikanisch , high church , low church , presbyterianisch ? nennst Du Dich evangelisch oder reformiert ? gehörst Du zu den Mennoniten , den Irvingianern , den Anabaptisten ? bist Du der geschworene Anhänger irgend einer Landeskirche ? oder wie oder was ? « Florentin antwortete mit verächtlichem Achselzucken : » Der große Wilhelm von Oranien sagte : Ich