brannte lockendes Kaminfeuer , indessen die Sonne wärmend durch die Fenster schien und auf dem Garten lag , so daß man durch die offenen Glastüren aus und ein ging . Überall blühten Hyazinthen und Tulpen , und das Treibhaus , welches im schönsten Flore stand , war zwischen seinen grünen Gebüschen mit gedeckten Tischchen versehen . Einige Musiker waren bestellt , und man tanzte in dem Saale , jedoch ohne Hast und ohne Zeremonien , sondern behaglich und abwechselnd . Es war anmutig zu sehen , wie ein Teil der Gesellschaft zierlich und fröhlich tanzte , während ein anderer Teil sich in Spielen und Erfindungen erging in Haus und Garten , indessen ein dritter sich im traulichen Zimmer in weitem Ringe um den runden Tisch reihte und die Champagnergläser hob . Die Wirtin war so unermüdlich und liebenswürdig , daß der Fremdeste sich bald zu Hause fühlte . Jedem wußte sie durch einen einzigen Blick , durch ein Wort oder eine Frage dies Gefühl zu geben , und diejenigen jungen Leute , welche aus dürftiger Dachkammer herabgestiegen , nur durch ihr Faschingsgewand in diese Räume der Wohlhabenheit und Zierlichkeit geführt und wenig an die Gebräuche der sogenannten guten Gesellschaft gewöhnt waren , richteten sich nichtsdestominder mit großer Unbefangenheit an ihren Trinktischen ein , und Rosalie schien geehrt und erfreut zu sein durch das treuherzige Schenkeleben , welches sie mit Maß und Sitte zur Schau stellten . Dadurch gewann sie sich die Herzen aller Anwesenden , so daß sich alle mehr oder weniger in sie verliebten . Sie war sozusagen die Frau von Gottes Gnaden , deren Anmut Wohlwollen und Trost ausstrahlte und allgemeines Wohlwollen erntete , und indem in ihrer Umgebung jeder einzelne bei ihrem Anblick des Glaubens wurde , daß sie ihm besonders freundlich sei , so begnügte er sich mit diesem Gefühle , und sie sah sich von der Bescheidenheit und Sitte aller umgeben . Nur Ferdinand verhärtete sich immer mehr in seiner Leidenschaft . Er hatte sein Benehmen gegen Agnes nur geändert , um ihren Wert und ihre Schönheit erst recht an das Licht zu stellen , zu zeigen , welch ein seltenes Wesen er so gut wie in der Hand hätte , wie dieses ihn aber ganz unberührt lasse , ja , wie er sie ganz und gar nur als ein liebliches Kind betrachte , welches neben der gereiften Schönheit Rosaliens nicht in Rede kommen könne . Er hatte auch mit großer Feinheit seine Rolle gespielt , so daß niemand deren Falschheit bemerkte als Rosalie und Agnes selbst , welche bald nach ihrer ersten Freude die alte Weise Ferdinands erkannte und darüber tödlich erschrak . Rosalien war seine veränderte kokette Tracht aufgefallen , und sie fühlte sich dadurch beleidigt ; auch hatte sie von Erikson , soviel dieser davon wußte , sein Verhältnis zu Agnes erfahren und war erst willens , durch ein kluges Verfahren dem jungen seltsamen Mädchen , das ihr wohlgefiel , zu seinem Rechte zu verhelfen und Ferdinand in Güte zu ihr hinzulenken . Im Verlauf des Tages sah sie aber ein , daß er kein Glück sei für ein so naives Kind und daß sie mit gutem Gewissen nicht in dessen Geschick eingreifen dürfe , und sie entschloß sich , den selbstsüchtigen Untreuen seinen Weg gehen zu lassen und ihn auf ihre Weise zu bestrafen . Als er daher Agnes , nachdem er sie der Obhut Heinrichs übergeben , plötzlich wieder verließ und begann , seine Bewerbungen um Rosalien fortzusetzen , empfing sie ihn mit alter Freundlichkeit , und als er sie auf Schritt und Tritt begleitete , hörte sie ihn holdselig an und tat , als ob sie weder dies noch die mißbilligende Verwunderung der Gesellschaft bemerkte . In einem Seitengemache gefiel sich eine gewählte Gesellschaft darin , in den glänzenden Fabelgewändern ruhig eine Partie Whist zu spielen . Rosalie und Ferdinand traten ein , um sich hier umzusehen , und beteiligten sich am Spiele . Er benutzte dasselbe , um allerlei Galanterien zu begehen und ungestört eine Weile ihr gegenüberzusitzen . Sie lächelte ihm zu und hielt gut mit ihm zusammen . Als die Partie geendet , ergriff sie die Karten und bat die Spieler und andere , welche in der Nähe waren und welche alle aus vermöglichen Personen bestanden , eine kleine Rede von ihr anzuhören . » Ich habe mich « , sagte sie , » bisher arg gegen die Kunst versündigt und , trotzdem daß ich mit Glücksgütern gesegnet bin , soviel wie nichts für sie getan ; ich bin um so tiefer beschämt , als ich durch dieses Fest die sinnige , treuliche Lebenslust empfinden gelernt habe , welche in den Künstlern ist und von ihnen ausgeht , und ich möchte einen bessern Anfang machen und wünsche in meiner Dankbarkeit , daß heute in meinem Hause , welches durch die fröhliche Anwesenheit so vieler Künstler geehrt wird , etwas Gutes geschähe und daß ich , was , wie ich glaube , für die rechte Kunstbeförderung ebenso notwendig ist , auch andere veranlasse , etwas Gutes zu tun . Ich sehe unter meinen Gästen so manches junge Bürschchen mit glänzenden Augen , dem es aber , nach seiner schüchternen Haltung zu urteilen , nicht zum besten geht . Wie schön wäre es , wenn wir wenigstens einen oder zwei dieser flüggen Vögel unmittelbar aus dieser Festfreude heraus nach Italien schicken könnten ! Da ich aber an niemanden bestimmte Anforderungen machen darf , so will ich hier Bank halten und diejenigen , welche es können , zum Spiele einladen . Was gewonnen wird , legen wir zusammen , ich verdoppele die Summe alsdann , und je nach dem Befunde wählt dann die anwesende Gesellschaft denjenigen aus ihrer Mitte , welchen sie für den Würdigsten und Bedürftigsten hält ! « Und mit verbindlichem Lächeln sich zu Ferdinand wendend und ihn zum Tische ziehend , sagte sie : » Herr Lys , Sie sind ein reicher Mann ! Geben Sie ein gutes Beispiel und fangen Sie an ! « Ferdinand