welche gleichsam als Herolde den Schwärmen vorausfliegen und sich auf den , ihnen am meisten zusagenden , Beutebäumen niederlassen . « » Endlich erschienen die Bienen . Die ganze Haide summte von den schwärmenden Thieren und lockte überall die Zeidler auf ihre Standorte zu den Beuten . Auch Johannes , bewaffnet mit seiner Zeidelart , meinen Sohn an der Hand brach zeitig auf . Der alberne Nachbarsbursche , der sich in Emma ' s Schelmenaugen vergafft hatte , wollte als Beistand mitgehen , allein Johannes gestattete dies nicht und wies den in seinem Vornehmen etwas Hartnäckigen barsch zurück . Der Zeidler duldet nie Uneingeweihte in seinem Revier , am wenigsten zur Zeit des Schwärmens , da ihre Gegenwart , dem Volksglauben zufolge , den neu eingefaßten Schwärmen Unglück bringen soll . « » So ging mein Vater mit dem kleinen lachenden braunlockigen Johannes , der mir noch von weitem manches Kußhändchen zuwarf , allein in die Haide . Was bis zum späten Abend im öden Dickicht geschehen sein mag an jenem unheilvollen Tage , weiß nur Gott allein ! Wir armen Zurückgebliebenen , die wir sorglos der Heimkehrenden warteten , wir haben über das Geschehene nur Vermuthungen zusammenstellen können . Wir ahnten nichts Böses , wir saßen arbeitend am blumengeschmückten Fenster und freuten uns der warmen hellen Luft , des sonnigen windstillen Tages . Bis in die sinkende Nacht beschlich uns kein ängstlicher Gedanke , da Johannes in der Haide eben so heimisch war , wie auf seinem Hofe . Erst als die Schatten erloschen waren und die Nacht ihre grauen Dämmerungen in trüben Nebeln über die Wälder breitete , begann mein Herz ängstlich zu schlagen , und unruhig nach Vater und Sohn zu verlangen . « » Noch immer hoffte ich , daß die Zögernden unversehrt heimkehren würden , denn ich kannte die Gewohnheiten meines Vaters , in Folge deren er oft sogar ganze Nächte hindurch bei einem Köhler übernachtete , oder in warmen Sommernächten unter freiem Himmel den jungen Tag erwartete . Eine sonderbare Unruhe , die ihn nie ganz verließ , schien ihn von Zeit zu Zeit in solchen einsamen Nachtspaziergängen im finstern Walde zu nöthigen . Darum ließ ich auch diesmal Mitternacht herankommen , als aber immer noch kein Laut aus der Ferne hörbar ward , der Nebel immer dichter und feuchter wurde und ich für die Gesundheit meines Knaben fürchten mußte , brachen unaufgefordert die Nachbarn mit Laternen und Kienfackeln auf , um zuvörderst die Beutestände mit ihren Umgebungen zu durchsuchen und sodann bei den nächsten Köhlerwohnungen einzusprechen . « » In der zweiten Nachtstunde kamen die Suchenden zurück . Ich hörte von weitem ihre Stimmen , die Angst der Mutter trieb mich ans Fenster . Der Nebel war dünner , durchsichtiger geworden und verschwebte um Moorsumpf und hohe Föhrenkronen , die mittlere Luftschicht frei lassend von jeglichem Dunst . Da sah ich die Männer mit ihren Laternen und Kienbränden über die Wiese schreiten nach der Waldbeschirmten Hinterseite des Hauses , ich sah , daß zwei von ihnen etwas Unbewegliches auf Tannenzweigen trugen ! - Mein Herz stand still , ich fühlte mich einer Ohnmacht nahe . Doch raffte ich mich zusammen . Die Angst gab mir Kräfte - auf Emma ' s Arm gestützt , eilte ich an die Thür und erwartete bleich , athemlos , einer Bildsäule ähnlich , die Ankunft der Männer . « » Sie traten aus dem finstern Dickicht : das knisternde Licht der Kienfackeln fiel röthlich und fahl auf eine kunstlose Tragbahre , auf welcher der blutige Leichnam eines Mannes ausgestreckt lag . Ich erkannte schaudernd meinen Vater ! - Und Johannes , Johannes , mein Sohn ! schrie ich , händeringendn an der Bahre niederstürzend . - Wir haben keine Spur von ihm gesehen ! lautete die dumpfe einstimmige Antwort der erschütterten Männer . « » Johannes war unstreitig meuchelmörderisch erschlagen worden . Eine klaffende Wunde am Hinterkopfe deutete auf feigen , verruchten Ueberfall . Sie schien von einer Art herzurühren . Mehrere minder tiefe und kaum unmittelbar tödtliche Wunden im Gesicht und auf der Brust sprachen deutlich für den festen Entschluß des Thäters , den Unglücklichen tödten zu wollen . « » Eine spätere genauere Besichtigung des Ortes , wo die That wahrscheinlich in den ersten Nachmittagsstunden geschehen war , führte zu mancherlei Vermuthungen , aber durchaus zu keiner Gewißheit . Man fand den Ermordeten kaum zwanzig Schritte von seinem Beuteplatze . Weitere zwanzig Schritte jenseits des ihm zugehörenden Reviers steckte seine eigene Zeidelaxt fest in dem schlanken Stamme einer jungen Fichte auf der , wie man deutlich bemerken konnte , ein Bienenschwarm sich niedergelassen hatte . Unstreitig war dieser Schwarm durch Spurbienen verlockt auf nachbarliches Gebiet gerathen und Johannes hatte ihn nach den bestehenden Zeidler gesetzen für seine Beuten einfangen wollen . Es geschah dies mittelst der Zeidelaxt , indem der Zeidler dieselbe , auf der Grenze seines Reviers stehend , rücklings unter dem linken Arme nach dem Baume schleudert , den sich der Schwarm zum Rastorte auserkoren hat . Die Zeidlergesetze erlaubten die Wegnahme des Schwarms , wenn der werfende Zeidler mit der Axt den Stamm traf , wogegen der Schwarm im entgegengesetzten Falle verloren ging und der Werfende auch noch in Strafe verfiel . « » Bei diesem Wurf der Axt auf das Gebiet des Nachbars mochte sich ein Streit zwischen Johannes und seinem Gegner entsponnen haben . Wer dieser Gegner gewesen , - denn der Nachbar konnte sich von allem Verdachte aufs gnügendste reinigen - blieb unermittelt und wird wohl nie ans Tageslicht kommen . Noch an dem getroffenen Stamme hatte ein Faustkampf stattgefunden , wie das zerstampfte Moos am Boden bewies . Man gewahrte Blutspuren , die sich in das Gebiet des Nachbars verloren , woraus man schloß , daß Johannes seinen Gegner überwunden und mit einem tüchtigen Denkzettel heimgeschickt habe . Dafür sprach noch mehr die fast zur Gewißheit erhobene Annahme , daß Johannes den durch Axtwurf nach Zeidlerrecht erworbenen Schwarm eingefangen und in die bereitgehaltene Beute gebracht hatte . Gerade