einstecken lassen ! « versetzte der Schloßherr . - » Einstecken lassen « , wiederholte der Bürgermeister . - » Lassen « , sagte der Polizeisoldat und schob seine Dienstmütze verwegen auf das linke Ohr . Der Bürgermeister wendete sich mit Ansehen zu seinem Untergebenen um und sagte : » Es ist wohl gut , Marzeters , daß Ihr die Worte Eures Vorgesetzten aufhebt , aber immer hübsch mit Umsicht verfahren ! Ihr laßt ihn nicht einstecken , sondern Ihr steckt ihn ein . « - » Ein . Ganz wohl , Herr Bürgermeister « , sagte Marzeters . Schloßherr und Behörden drangen weiter vor . Münchhausen schnarchte oben , daß die Luft unten zitterte . - » Schnarch du nur ! « rief der alte Baron hinauf zum Fenster . » Lebendig oder tot , wachend oder schlafend mußt du fort . Könnt Ihr wohl einen schlafenden Menschen tragen , Marzeters ? « - Marzeters sagte : » Wenn er nicht gar zu fest schläft , denn dann wird die Kreatur so schwer wie ein Bleiklumpen , so trage ich ihn hinweg und wäre er drei Mann hoch da . « - Der Schriftsteller befand sich in der höchsten Verlegenheit . Gerade in diesem Augenblicke , wo seinem Kuranden ein glänzendes Glück bevorstand , mußte ihm alles daran liegen , daß dessen Name von keinem öffentlichen Skandal unangenehm berührt werde . Er hatte in der Tasche , was die Feinde , wenn sie es erblickten , augenblicklich zurückschrecken mußte , und dennoch wagte er nicht , davon Gebrauch zu machen , weil ja die neue Stellung Münchhausens keinen ostensiblen Charakter haben sollte . Wahrlich diplomatische Verwickelungen der eigensten Art ! - Er war unter denselben bis an die eingebrochene Türe zurückgewichen . - » Können Sie es denn vor Ihrem Gefühle verantworten « , so redete er in dieser letzten Not den Schloßherrn an , » einen Mann , der , wie ich vernommen , von Ihnen so hochgeschätzt worden ist , in dieser harten Manier zu behandeln ? « - » Eben darum , weil ich ihn ganz überaus verehrt habe , soll er nun sitzen « , erwiderte der alte Baron . Der Schriftsteller fand diese Entschließung natürlich , nur nicht trostreich . - » Kennen Sie mich , Herr Bürgermeister ? « fragte er den Beamten . » O ja , Herr - « , versetzte dieser und gab ihm seinen vollen Titel und Namen . » Wir waren ja noch kürzlich in - dings - da - zusammen . « - » Nun denn , ich verbürge mich für den Freiherrn von Münchhausen und verspreche , Ihnen denselben in jeder anständigen Art zu gestellen ; lassen Sie nur jetzt von ihm ab ! « » Ihre Bürgschaft in Ehren für jeden sicheren Mann , von dem man weiß , woher ? und wohin ? « erwiderte der Bürgermeister , » aber der Münchhausen da hat , wie ich höre , weder Paß noch sonstiges Legitimationspapier , deshalb kann ich Sie nicht für ihn gut sprechen lassen , denn er ist Vagabonde im rechtlichen Sinne des Worts . « - » Worts « , sagte der Polizeisoldat Marzeters . » Nun denn ! « rief der Schriftsteller , der bereits in die Türöffnung selbst zurückgedrängt war und in diesem Extreme seine ganze Entschlossenheit wiederfand - » alle menschlichen Mittel sind erschöpft - treibt mich nicht zum Äußersten ! Ehe ich den Freiherrn verhaften und beschimpfen lasse , mit dem ich es mir habe so sauer werden lassen , ehe breche das Verderben über uns alle herein ! Ihr seht , unbarmherzige Verfolger meines Schützlings , ich habe ziemlich starke Arme , zwar bin ich kein Simson , aber dieses Schloß ist auch nicht das philistervolle Haus zu Gasa ; sondern geborsten , zerspalten und kaum noch in seinen Wänden stehend . Ich fasse diese Pfosten an und neige mich vorwärts , wenn ihr beharret , und die Sprünge und Wandrisse hier herum müßten mich sehr täuschen , oder es gelingt mir , einen Teil des Mauerwerks auf mich und euch zu stürzen , und möge Münchhausen dann mit herabfallen , immerhin ! Denn es ist besser , daß er ehrlich von Freundes Hand sterbe , als daß er schmählich in die Fesseln der Polizei gerate ! « Er faßte die Türpfeiler an . Der Bürgermeister rief ängstlich : » Um Gottes willen , Herr Baron , zurück ! Er macht Ernst ; man kennt ihn darin . Er pflegt zu seinen Bekannten zu sagen , daß er bis auf einen gewissen Punkt Geduld habe wie ein Lamm , aber über den Punkt hinaus sei es mit dem Lamme für ewige Zeiten vorbei . « » Was wollen Sie denn ? « fragte der alte Baron zitternd vor ohnmächtigem Grimme . Marzeters war über die mutmaßliche Fallweite des Schlosses zurückgesprungen , und wiederholte zum ersten Male in seinem Leben entsetzenshalber nicht das letzte Wort des Vorgesetzten . Der Schriftsteller begehrte kalt einen Waffenstillstand von einer Stunde , während welcher ihm , wie er sagte , hoffentlich etwas einfallen werde , wodurch sich alle Teile zufriedenstellen lassen möchten . Widrigenfalls sollten die Feindseligkeiten dann aufs neue beginnen . Dieser Vorschlag wurde angenommen . Dem Schloßherrn gestattete der Verteidiger , zu der Burg seiner Väter einzugehen , doch mußte er sich auf Ehrenwort verpflichten , innerhalb seiner vier Wände nichts Feindliches wider den Freiherrn vorzunehmen und mit Ablauf des Waffenstillstandes sich wieder hinauszubegeben . Dem Bürgermeister und dem Polizeisoldaten wurde ihr Standquartier auf dem Hofe angewiesen . Der Schriftsteller ging stirnreibend in das Schloß . Das war ein großer Fehler . Er büßte damit den besten strategischen Vorteil ein . Vor dem Schlosse beherrschte er den Kampf , nun aber wurden Ereignisse möglich , welche dem ganzen Gange der Operationen eine von seinem Willen unabhängige Wendung gaben . Immer heftiger war der Wind geworden . Er hatte den unheimlichen Nebel herangeweht , Haarrauch geheißen . Man konnte nicht vierzig