Herberge erzählt , wo es hoch hergeht , und wo die Katholischen , denn Ihr wißt es ja nun einmal , aus- und einziehen , die von und nach dem Schlosse wollen . Diese ist hier , jetzt habe ich das Schild gesehn : Zum Lamm ; so hieß sie , aber der Wildmeister wußte auch nicht , daß sie im Städtchen liegt , er sagte immer in den Hügeln . Und glaubst Du , sprach Richmond , daß diese Leute im Solde des Schlosses sind , daß man die Fremden anzeigt , die hier einkehren ? - Ja , so sagte der Wildmeister , und er weiß es am besten . - So laßt uns sogleich wieder aufbrechen , rief Richmond , und sie auf alle Weise über unsern Weg täuschen , damit wir sie unsicher machen oder früher , als ihre Nachricht , eintreffen . Brixton stand auf , seine Bereitwilligkeit zu zeigen , als die Thüren sich öffneten und die Diener mit den Speisen eintraten , der Wirth mit einer wehenden Serviette voran und mit großer Geschicklichkeit beiden Gästen zu gleicher Zeit die Stühle herbeiziehend . Ein Blick tauschte die Gesinnungen der Beiden aus . Um jedes Aufsehn zu vermeiden , nahmen sie die Mahlzeit an ; auch sagte sich Richmond bei einigem Nachdenken , daß jedenfalls den Pferden Ruhe zu gönnen sei , ohne welche jedes weitere Unternehmen Gefahr liefe . Sie hatten sich kaum niedergelassen , als neues Pferdegetrappel sich vor der Thür hören ließ und der Wirth nach einem flüchtigen Blicke durch das Fenster dem Ankommenden entgegen eilte . Freundliche und ehrerbietige Begrüßungen hörte man wechseln , und es erhob sich eine ziemlich lange Zwiesprache im Hausflur . Dann hörte man die Treppe hinansteigen , und zuletzt erschien der Wirth , den neuen Gast hinter sich , in der Thür und bat um Erlaubniß , den eben angekommenen Herrn an der Mahlzeit Theil nehmen zu lassen . Es war wenig dagegen zu sagen , da der Fremde sogleich eintrat , und sehr höflich und mit vielen Worten die Gastfreundlichkeit der Anwesenden in Anspruch nahm . Kalt ward ihm zugestanden , was nicht gut verweigert werden konnte , und er nahm sehr gemächlich an der andern Seite des Tisches Platz , wo ihm auch Anfangs die Stillung seiner Eßlust hinreichende Beschäftigung gewährte , was ihn jedoch nicht abhielt , seine kleinen stechenden Augen mit großer Beweglichkeit auf allen anwesenden Personen herumfliegen zu lassen . Während er , um Athem zu holem , seine Kravatte einen Augenblick lüftete , begann er , sich gegen seine Tischgenossen verneigend : Es ist selten , an dieser Tafel mit so geehrten Gästen zusammenzutreffen ; die Gegend ist sonst unbesucht , hat keinen Verkehr ; die Nähe des Hafens von Dover zieht dorthin alle Reisenden von Bedeutung . Diese Rede blieb eine Zeitlang unerwiedert . Endlich fragte Richmond , halb zum Wirthe , halb zum Fremden gewendet : Wie weit rechnet man Dover , und wie ist der Weg dahin ? Sollten Euer Gnaden nach Dover zu gehen beabsichtigt haben , rief der Fremde , muß ich sehr erstaunen über einen so bedeutenden Umweg ; da , wie ich aus Kleidung und Art zu schließen wage , Dero Weg von London herkömmt . Nicht Jeder beabsichtigt gerade den kürzesten Weg , erwiederte Richmond , und jedenfalls wird Dover erst in einiger Zeit lebhaft werden , wenn die Prinzessin von Frankreich dort anlangt . Es wird wenig Feierlichkeiten geben , sagte der Fremde nachdenkend , die Landestrauer verbietet jedes Geräusch . Die Landestrauer ? rief Brixton , was meint Ihr damit , mein Herr , wo ist Landestrauer ? Wann habt Ihr denn London verlassen , werthe Herren , sprach der Fremde , daß Ihr den Tod des Königs nicht mehr erfuhret ? Des Königs ! riefen Alle auf ein Mal . Und wann starb der theure Herr ? fuhr Richmond fort . Am Abende des achten dieses Monats , erwiederte der Fremde . Also am Tage unserer Abreise , sagte Brixton mechanisch . Ich reiste am andern Morgen ab , fuhr der Fremde fort , bin also doch etwas rascher gereist , als die geehrten Herren . Handelsleute , wie ich , fuhr er fort , die meist auf Reisen ihr Leben zubringen , sind aber auch besser mit all den kleinen Vortheilen vertraut , die das Fortkommen erleichtern . Diese Worte blieben wieder ohne Entgegnung , da Richmond wie Brixton sich tief erschüttert fühlten von der Nachricht , die sie so eben erfahren hatten . Die Gedankenfolge errathend , nahm der Fremde das Gespräch wieder auf . Die Trauer in London war sehr groß und allgemein ; so lange die guten Leute auch darauf vorbereitet waren , schien es doch , als habe der Tod den König im Jünglingsalter , in der Fülle der Kraft hinweggenommen . So geht es aber , was man lange besessen , denkt man nie verlieren zu können ; dieselben , die jetzt weinen und stöhnen , sprachen früher frevelhaft über ein so weit ausgesponnenes Lebensziel ; nun es da ist , schreien sie wieder über die neuen Aussichten für den Thron und sehen überall Gespenster . Thoren giebt es immer , zu allen Zeiten , bei allen Veranlassungen , sagte Richmond gleichgültig , die Stimme des Volkes war anders über Jakob , und die Hoffnungen für seinen Nachfolger lassen sich nicht von Gespenstern verscheuchen , die nur Kinder oder Narren sehen . Wohl , wohl ! erwiederte der Fremde mit niedergeschlagenen Augen , eine treffliche Scheibe Schinken zerlegend ; aber diese Vermählung , diese unglückliche Vermählung ! Es mag immer eine gute Dame sein , diese nunmehrige Königin von England , die unter Papisten geborne und erzogene Prinzessin von Frankreich ; eine verhaßte Katholikin bleibt sie doch , und daß der junge König diese mit sich zieht bei seiner Thronbesteigung , hat seine Nachtheile , glaubt mir Sir . Ich glaube Euch weder , sprach Richmond stolz , noch halte ich es für