völlig ausgemauert war , daß eine reichliche Flüssigkeit durch den Kalk und Mörtel der Fugen hindurchsinterte und den Raum mit verderblicher Nässe zu erfüllen drohte . Bald hatte er auch die Ursache dieses unwillkommnen Einflusses entdeckt . Oberhalb dem Grabesberge lag nämlich ein beträchtlicher Weiher , der vermutlich durch geheime , erst durch die Arbeit im Berge eröffnete Kanäle jene Wässer der Gruft zusendete . Wurde diese Gefahr nicht abgewendet , so stand , davon mußte man sich überzeugen , dem Mausoleum eine rasche Zerstörung bevor . Er machte sogleich dem Oheim die Anzeige , welcher sich auf den Berggipfel tragen ließ , die Gefahr , aber auch die Schwierigkeit , entgegenzuwirken , begriff . Die Wände jenes Weihers bestanden nämlich aus Felsen ; zwischen denselben blinkte und rauschte das Wasser , wie in einer großen natürlichen Schale . Ein Durchbruch der Felsen , und eine dadurch zu bildende Abzugsrinne würden so viel Zeit hinweggenommen haben , daß inzwischen wahrscheinlich schon geschehen wäre , was man verhindern wollte . Davon mußte man also abstehn ; auf andre Weise war die Trockenlegung des Weihers zu versuchen . Rasch hatte der Oheim , der in dieser ganzen Angelegenheit mit der schnellen Kühnheit seiner Jugend verfuhr , das entsprechende Mittel gefunden , und zur Ausführung gebracht . Große Züge von Pferden schleppten auf notdürftig gebahnten Wegen eine gewaltige Dampfmaschine den Berg hinan , rüstige Maurer arbeiteten Tag und Nacht , den Ofen zu errichten , dessen Gluten die ungeheuren Kräfte der Dämpfe entwickeln sollten ; sobald er stand , stand auch binnen kurzem die Maschine , ein kräftig wirkendes Pumpen-Saug- und Schöpfwerk , welches in jeder Sekunde mehrere Tonnen Wassers zu entheben vermochte , wurde an den Spiegel des Weihers geführt und mit den Armen der Dampfmaschine in Verbindung gesetzt . Nun glühten die Kohlen des Ofens , nun hoben sich die langen eisernen Arme der Maschine , griffen in die Öhre der Pumpenstengel , trieben die Schöpfräder um . Die abgezognen Fluten bildeten den Berg hinunter einen Gießbach , und über den wirkenden Kräften ruhte die dichte , schwarze Wolke , welche dergleichen Stätten zyklopischer Feuertätigkeit bezeichnet . Sobald der Grund sichtbar werden würde , sollten Sachverständige prüfen , ob die Quellen zu verstopfen sein möchten . Jedenfalls war vorauszusehn , daß man nach der Seite des Mausoleums zu durch Letten- und Sandsäcke jede Verbindung mit dessen Wölbung werde aufzuheben vermögen . Dies wurde für so gewiß gehalten , daß der Oheim , der überhaupt mit krankhafter Ungeduld nach der Beendigung des Werks verlangte , das Austrocknen des Weihers nicht abwarten wollte , um die Beisetzung des Leichnams zu veranstalten . Was ihn in seiner Zuversicht bestärkte , war der Umstand , daß , wie die Wassermasse sich verringerte , auch das Durchsintern bedeutend abnahm , so daß man mit Hülfe einer bleiernen Rinne schon jetzt das Gewölbe entnässen konnte . Er entwarf daher den Plan zu der Feierlichkeit , die übrigens höchst einfach und schmucklos sein sollte . Seine Geschäftsfreunde und Vorstände hatten sich erboten , den Sarg auf ihren Schultern aus dem Erbbegräbnis der Grafen herabzutragen . Der Prediger sollte mit der Schuljugend folgen , jedoch wegen Länge des Weges auf diesem kein Lied anstimmen . Oben , bei dem Mausoleum wollte der Oheim mit Cornelien und einigen andern jungen Mädchen , deren sich die Verstorbne angenommen hatte , den Zug erwarten . Die Mädchen hatten einen schönen Psalm eingeübt , mit welchem sie die sterblichen Überreste ihrer Wohltäterin begrüßen wollten ; unter diesen ernsten Tönen sollte der Sarg in der Gruft niedergesetzt werden , und ein kurzes Gebet des Predigers den Schluß der Bestattung machen . Am Vorabende unterhielt sich der Oheim mit dem Prediger lange über Dinge , auf welche die Umstände wohl führen mußten . » Ich kann ganz genau meine Lebenskraft berechnen « , sagte er , » und sehe voraus , daß ich noch den Winter hindurch vorhalten , und erst im Frühjahre , wo alles Mürbgewordne sich sacht von dannen begibt , abscheiden werde . Es ist mir lieb , daß die Natur sich gegen die Eigentümlichkeit meines Wesens gefällig bezeugt , mich nicht unvermutet aus der Mitte ungeordneter Geschäfte hinwegreißt , sondern mir Zeit läßt , mein Haus als ein ordentlicher Wirt zu bestellen . Dieser Winter ist zur Anfertigung meines Testaments bestimmt , und ich darf Ihnen von dessen Inhalte so viel voraussagen , daß ich damit umgehe , eine Art von Fideikommiß zu errichten , um meinem Sohne die Zerstörung des Werks , welches ich mit meinen Freunden gegründet habe , für immer unmöglich zu machen . Es ist sonderbar , daß man noch in seinen letzten Tagen zu Schritten kommen kann , die man bei andern früher nie billigte . Ich war von jeher der entschiedenste Gegner solcher Tötungen des freien Eigentums , und sehe nun doch ein , daß es Fälle und Verhältnisse gibt , welche dazu gebieterisch nötigen . « Der Prediger wollte ihm die Todesgedanken ausreden ; jener versetzte aber : » Lassen Sie mir doch meinen Kalkül , in dem für mich etwas Angenehmes liegt . Wenn ich sterbe , so wird es sein , wie ein kaufmännischer Jahresabschluß , wie eine gewöhnlich Comptoirhandlung . Alles wird darnach im hergebrachten Geleise bleiben , kein Stuhl braucht deshalb verrückt zu werden . Wir können uns in Beziehung auf den sonderbaren Akt , der mit nichts , was wir sonst erfahren , Ähnlichkeit hat , von einmal gangbar gewordnen Vorstellungsweisen nicht losreißen , so wenig sie auch auf die Sache passen « , fuhr er fort . » Was heißt das : An der Seite seiner Gattin im Grabe ruhn ? Ist es nur denkbar , ja wäre es nicht die größte Ungereimtheit , anzunehmen , daß mit der Gemeinschaft der Gruft irgendeine Empfindung für die Individuen verbunden sein sollte ? Und dennoch muß ich Ihnen gestehen , daß ich voll wahren Entzückens an diese Vereinigung mit meiner Frau denke , und daß ich dann das Bild des