Judith ' s Haar sträubte sich , und die Mutter rief mit frostig klappernden Zähnen : » Horch ! Horch ! O mein Herrgott ! Judith ! das ist der Todte aus dem Sumpfe , und verlangt nach seiner Habe ! « - » O nein ! o nein ! Mutter ! « entgegnete langsam und hohl die sehr ergriffene Tochter : » Den Todten singt der Donner das Schlaflied , aber , der jetzt heraufkriecht zur Hütte , und dessen Stöhnen unterm Fenster klingt , will erst ein Todter werden , und sich hinunterlegen , von wannen wir zum Gerichte gehen . « - » Um des Heilands willen ! was redest Du denn ? « jammerte die Mutter : » Mich überläuft eine Gänsehaut . Es wird doch nicht Einer von unserm Hause sterben ? « - » Ja ! « erwiederte Judith mit gebrochener Stimme , da ein leichenblasses Gesicht zum Fenster auftauchte : » Vor seinem Hause ... der Vater ist ' s. « - » Jesus ! « kreischte die Mutter , herzuspringend mit dem brennenden Span : » Christus ! Marten ! Ach wie bist du voll Blut . « - » Laß mich ein ! « stammelte der am Kopf auf ' s Entsetzlichste Verwundete , - sich mit den schwachen Händen an das Fenster klammernd : » Mach auf ... ich will drinnen ein Ende machen . « - Er sank trotz aller Anstrengung , wieder zum Boden nieder , und wurde ohne Sinnen von Weib und Tochter hereingebracht , und auf Judith ' s dürftiges Lager gebracht , das hinter einer elenden Scheidewand von Rohr hergerichtet war . Die Alte geberdete sich wie eine Verzweifelnde , warf sich über den Körper des röchelnden Mannes , und zerraufte sich das spärliche graue Haar . Indessen schaffte Judith , besonnen und klaglos Alles herbei , was zur Erleichterung des Verwundeten gereichen konnte . Aber nicht Wasser , nicht Wein konnte das Blut stillen , das aus der gräßlichen Todeswunde floß , und der Verlorne dankte es nicht den Bemühungen der Tochter , die seine Lebensgeister wieder erregte : » Der Tanz ist aus ! « lallte er in wildem Sterbekampfe : » Heut holt mich der Schwarze , und morgen den verdammten Edelmann , der mich zusammenhieb . « - » Wo ist der Jude ? « schrie ihm Judith in ' s Ohr . - Marten machte mit der Rechten eine Bewegung zur Erde , als ob er auf einen zu Boden Gestreckten deutete . - » Halleluja ! « betete die Tochter mit heiterm Gesichte bei diesen Worten , obgleich sich die Züge des Vaters fürchterlich verzerrten , und die Mutter wüthend rief : » Schlange ! Du preisest den Himmel an Deines Vaters Sterbelager ? « - Die Dirne schob dem Vater den Polster zurecht , und verließ dann sein Bett , um in einen Winkel zu knieen . Die Alte badete den erstarrenden Mann mit siedenden Thränen , ballte die Fäuste gen Himmel , und spie Gebete aus , die wie Lästerungen klangen . Marten erwiderte hierauf unverständliche Worte , und vermochte bald nur stumm die Lippen zu bewegen . » Judith ! Judith ! « krächzte die Heulende : » Er stirbt ! Hilf ! Hilf , Du jetzt , Betschwester hilf ! « - » Laßt ihn doch vergehen ! « antwortete diese eintönig : » Ich sagte es ja , ich würde heute ein Todtenlied singen müssen ; und ... ach Herrgott ! wäre doch die Nacht schon vorbei , Mutter . Mein Herz ist noch nicht ruhig geworden , und meine Ahnung ist noch lebendig . Weint über Euch , Mutter , nicht um den verlornen Mann . « - Die Alte drohte ihr mit Wuthgeberde , warf sich jedoch wieder über den Sterbenden , und überließ sich allen Ausschweifungen eines im wildesten Gramm auflodernden Herzens . Judith ersah den Augenblick , wo die Alte ihr Gesicht in die rauhe Decke des Lagers gedrückt hatte , und stille verschnaufte . Sie hob den Schlüssel auf , der dem Weibe entfallen war , und schlich leise zu Esther ' s Kammerthüre . » Komm heraus ! « flüsterte sie , das Schloß behutsam öffnend : » Der Jude ist todt : der Vater stirbt . Entfliehe ! « - Wie auf den Flügeln der Hoffnung stürzte ihr das Mägdlein in die Arme , und beide schlüpften an der Rohrwand vorbei aus der Stube , ohne von der Alten bemerkt zu seyn . » Ach , wohin in diesem tobenden Sturme ? « fragte zitternd Esther , da vor der Thüre der pfeifende Zugwind die Flechten ihres schönen Haars durcheinander peitschte : » Ich sterbe , stößest Du mich hinaus in das Brausen des Wetters . « - » Komm « - erwiederte Judith ... » komm zur Scheuer ! Unter den wilden Kriegsknechten bist du sichrer , denn unter uns . O , diese Nacht ist noch nicht vorüber , sagt mir ein finstrer Geist . Komm , daß ich Deine Unschuld rette aus dem Neste des Verbrechens . « - Am Brunnen und dem wüsten Gärtlein vorüber , vorbei am Moore , das selbst unter dem Rauschen des Windes und des Regens still und bleiern zu liegen schien , umfangen von traurig öden Ufern , leitete Judith die Zitternde zu der Scheuer leichtem Bau . Rosse stampfend darinnen , und da Judith die breite Thür öffnete , sahen die Eintretenden zwei Männer bei einer verhüllten Leiche sitzend , und wachend beim Schimmer einer dem Verlöschen nahen Leuchte . Die Männer fuhren beim Geräusch auf , und nach den Waffen , aber mächtiger denn Waffe und Wehr war Esther ' s staunender Blick . Denn vor seinem Leuchten sank des einen Mannes Schwert zur Erde , ein himmlisches Lächeln streifte über sein verstörtes Antlitz , und mit dem Rufe : Esther ! geliebte Esther ! wo kommst Du her bei dunkler Nacht ? stürzte er dem