getan , beide waren gleich nach der feierlichen Rede in die Stadt gegangen ihren Anton aufzusuchen , den sie im Ratskeller oder sonst bei alten Bekannten vermuteten und dem Feste zuführen wollten . Nach Tische begann die Traubenlese , freilich an diesem Tage mehr zum Schein als des Nutzens wegen , denn jeder durfte essen was er brach , jeder durfte sich die reifsten Trauben auslesen und sich damit nach der großen Weinlaube begeben , wo ein Faß Wein auf gemeinschaftliche Kosten ausgetrunken werden sollte . Beim Weine fiel es dem unbescheidnen Junker Blaubart ein , dem Waiblinger Burgemeister einen Pforzheimer Mut zuzutrinken , wenn die Bauern einmal wirklich vor die Stadt zögen und nicht ihre arme Kinder so voraus zu schicken . Der Burgemeister rief Arnold , er möchte einmal hören , was der Pforzheimer spreche , ob es auch nicht ihrer Stadt zum Nachteil gereiche . Da gab es harte Worte von beiden Seiten ; eben sollte es zum Losschlagen kommen , als eine große Schar Winzer mit verdeckter Trage und großem Geschrei zur Gesellschaft heranzog . Es war nämlich die Sitte des Landes , daß die Winzer gegen Abend auszogen und Mädchen , die etwa müßig umherliefen , auf ihre Trage legten , um sie unter dem Namen der Herbstsau zum Gelächter aller in die Gesellschaft der Fleißigen zu bringen , solch ein Mädchen mußte sich mit allerlei Geschenken loskaufen . Welch eine Verwunderung , als jetzt die stolze Katharina aus der geheimnisvollen Verhüllung hervorkam und mitten im Geschrei und Gelächter wie eine Königin sich gebärdete . Da sie den Gebrauch nicht kannte , weil im Gebirge kein Weinbau getrieben wurde , so hielt sie die Winzer für Abgeordnete , die sie auf eine recht ehrenvolle Art als Königin des Festes der Gesellschaft zurückführen sollten und war natürlich jetzt verwundert , von allen als Sau ! Sau ! Sau ! sich anrufen zu hören und die Neigen aus aller Gläser wie einen Regensturm auf sich fallen zu fühlen . » Güldenkamm ! « rief sie mit lauter Stimme ; der war aber mit Susanna im Ratskeller so gutmütig festgehalten von der Wirtin , daß er seiner Geliebten nicht gedachte , » ach « , seufzte sie , » wäre mein Wilhelm hier , er ließe mich nicht ungerächt , warum habe ich die treue Seele verstoßen - nun macht ' s nur nicht gar zu grob « , fahr sie fort , als ihr Brot und Käserinde an den Kopf flogen . Dies war das Ziel ihrer Demütigung , denn mit einigen kräftigen Schlägen lagen plötzlich die Winzer , die sie auf dem Schandsitze festgehalten hatten , am Boden ; » Katharina - Wilhelm - dein - mein - mein Leben um deine Ehre ! « - mehr konnten sie nicht mit einander reden , Wilhelm wütete gegen die Menge und wäre sicher verloren gewesen , wenn nicht die Waiblinger in der Meinung , er sei ein Pforzheimer , der den alten Streit erneuern wolle , gegen diese Gäste losgeschlagen hätten . Da gab ' s ein Schlagen , Junker Blaubart hatte bald auch blaue Augen , und hätte er nicht ein Messer gehabt , so war er verloren ; vielleicht wäre alles nicht so schlimm geworden , wenn nicht , sonderbar war es anzusehen , die Weinlaube , deren Stützen zum Schlagen ausgerissen wurden , endlich über die Fechtenden zusammenstürzte , die in ihrem grünen verflochtenen Netze die Drohenden festhielt . Manche Traube kühlte den zornigsten Mund , indem sie sich auf ihm zerdrückte , und es schien , als ob sie der Freude erzogen den Streit nicht leiden wolle . Aber Katharinas beleidigter Stolz litt keine Hemmung , sie verhöhnte die Waiblinger mit bittern Reden , indem sie alle weibische Männer nannte , welche die Ehre einer Jungfrau nicht zu achten wüßten . Wilhelm und die Pforzheimer , die bessere Messer und ein paar Degen hatten , arbeiteten sich zuerst von dem Flechtwerke los ; da sie nun auf vielen hart herumtrampelten , die darunter vergraben lagen , so erweckte ihr Geschrei Furcht in den andern , als erst einige flohen , wuchs die Zuversicht der Pforzheimer ungeachtet ihrer geringen Zahl , dazu kam , daß in der Dunkelheit die halb berauschten Waiblinger , die sich unter der Laube allmählich erhoben , einander verkannten und mit Faustschlägen sich einander gegenseitig traktierten . Nach einer halben Stunde waren die Waiblinger , so viele deren noch gehen konnten , außerhalb der Mauer des Hofes , der aus alter Zeit her noch wie eine Burg befestigt war und nur einen Zugang hatte . Wilhelm zog die Brücke auf und sah jetzt als der einzig ganz Nüchterne nach den Verwundeten auf dem Schlachtfelde . Katharina kam ihm mit einem goldnen Sporne entgegen , den sie einem verwundeten Ritter Landschaden abgenommen , auch nahm sie ihr Schwert wieder , das sie hatte in der Laube stehen lassen , und schlug ihren Geliebten zum Ritter mit dreimaligem Ausrufe : » Besser Ritter als Knecht ! « erst dann durfte er sich den Sporn anschnallen , erst dann durfte er sie umarmen , dann wechselte sie im Beisein aller Pforzheimer die Ringe mit ihm , die sie dem toten Bürgermeister abgezogen hatte , als Zeichen ihres Verlöbnisses . Als er sie an seinen Mund , an sein Herz gedrückt hatte , da fühlte er erst seine Wunden und sank auf seine Knie und küßte ihre Hände . Sie ließ es geschehen , sie sah den Sieger , den Ihren gern zu ihren Füßen , sie fragte ihn , welcher Zufall ihn in ihre Nähe geführt . Er sprach , wie er ihr noch recht lange habe nachsehen wollen , ihr und dem Zuge , so sei er von Hügel zu Hügel hinter ihnen hergegangen , er habe aber nicht gewagt sich ihnen zu nähern , er habe sie mit Herzensjubel zuletzt auf dem Felde belauscht , wie sie die Feldzwiebeln neben sich geköpft , auch sei er schon bereit gewesen ihr zu