betrat und unten an der Treppe seinem Diener begegnete , den er vorher mit einem Auftrage zu dem Bruder gesandt hatte . Jonas war eigentlich nur dem Namen nach Matrose auf der „ Ellida “ ; er war längst von den Schiffsarbeiten entbunden und ausschließlich zur Dienstleistung bei dem jungen Capitain bestimmt worden , den er auch bei einem längeren Aufenthalte auf dem Lande nie verließ , und dem er mit zäher , unerschütterlicher Anhänglichkeit überall folgte . Beide standen ungefähr in gleichem Alter . Jonas war im Grunde nichts weniger als häßlich ; er konnte in seiner Sonntagstracht sogar für einen ganz hübschen Burschen gelten , aber seine ungeschickten Manieren und sein rauhes , wortkarges Wesen ließen diese Vorzüge nie zur Geltung kommen . Er stand mit dem ganzen Dienstpersonal des Almbach ’ schen Hauses , zumal mit dem weiblichen , auf beinahe feindseligem Fuße , und noch Keiner davon hatte je eine freundliche Miene bei ihm gesehen oder ein Wort mehr von ihm gehört , als unumgänglich nothwendig war . Auch jetzt sah er äußerst grämlich aus , und die vier oder fünf Thaler , die er soeben in die rechte Hand zählte , schienen sein höchstes Mißfallen zu erregen , so grimmig schaute er darauf hin . „ Was giebt es denn , Jonas ? “ fragte der Capitain herantretend . „ Hältst Du Uebersicht über Dein Baarvermögen ? “ Der Matrose blickte auf und setzte sich in Positur , aber sein Gesicht wurde nicht freundlicher . „ Zum Blumenhändler soll ich gehen und einen Strauß abholen , “ brummte er , das Geld in die Tasche steckend . „ Ei sieh ! Benutzt man Dich hier auch schon zum Blumenboten ? “ „ Ja , hier auch , “ sagte Jonas , nachdrücklich das letzte Wort betonend , und mit einem vorwurfsvollen Blicke auf seinen Herrn fügte er hinzu : „ Gewohnt bin ich ’ s freilich . “ „ Allerdings , “ lachte Hugo . „ Aber ich bin es nicht gewohnt , daß Du dergleichen Gänge für einen Andern als mich besorgst . Wer hat es Dir denn aufgetragen ? “ „ Herr Reinhold , “ lautete die lakonische Antwort . „ Mein Bruder – so ? “ sagte Hugo langsam , während ein Schatten über seine eben noch so hellen Züge hinflog . „ Und ein wahres Sündengeld soll ich dafür bezahlen , “ murrte Jonas weiter . „ Herr Reinhold versteht es noch besser als wir , die Thaler fortzuwerfen für die Dinger , die morgen verwelkt sind . Und wir sind doch wenigstens nicht verheirathet , aber er – “ „ Der Strauß ist jedenfalls für meine Schwägerin bestimmt , “ schnitt ihm der Capitain kurz das Wort ab . „ Was giebt es dabei zu verwundern ? Glaubst Du , ich werde meiner Frau keine Blumen schenken , wenn ich erst einmal verheirathet bin ? “ Die letzte Bemerkung mußte dem Matrosen wohl sehr unerwartet kommen , denn er richtete sich mit einem Rucke in die Höhe und starrte seinen Herrn im vollsten Entsetzen an , aber schon in der nächsten Minute kehrte er beruhigt zu seiner früheren Haltung zurück und sagte zuversichtlich : „ Wir heirathen nie , Herr Capitain . “ „ Ich verbitte mir dergleichen Orakelsprüche , die mich ohne Weiteres zur Ehelosigkeit verdammen , “ fiel Hugo ein . „ Und warum werden ‚ wir ‘ denn nie heirathen ? “ „ Weil wir uns aus den Frauenzimmern gar nichts machen , “ beharrte Jonas . „ Du hast eine höchst wunderbare Manier , immer im Plural zu sprechen , “ spottete der Capitain . „ Also ich mache mir nichts aus den Frauen ? Ich dächte , das Gegentheil hätte oft genug Deinen Ingrimm erregt . “ „ Aber zur Heirath kommt es doch nicht , “ triumphirte Jonas im Tone unerschütterlicher Ueberzeugung . „ Im Grunde machen wir uns nicht so viel aus der ganzen Gesellschaft . Weiter als bis zum Blumenschicken und Handküssen geht die Geschichte nie , dann segeln wir ab , und sie haben das Nachsehen . Es ist auch ein wahres Glück , daß es so ist . Frauenzimmer auf der , Ellida ‘ – Gott bewahre uns davor ! “ Diese mit unverwüstlichem Ernste , freilich auch wieder in dem unvermeidlichen Plural gegebene Charakteristik schien leider das Richtige getroffen zu haben , denn der Herr Capitain erhob nicht den geringsten Einwand dagegen . Er zuckte nur lachend die Achseln , drehte dem Matrosen den Rücken und stieg die Treppe hinauf . Er fand Reinhold in dessen eigener Wohnung , die im oberen Stocke lag , und ein einziger Blick auf das Gesicht des Bruders , der heftig im Zimmer auf und ab schritt , zeigte ihm , daß auch heute etwas vorgefallen sein müsse . „ Du willst ausgehen ? “ fragte er nach der ersten Begrüßung mit einem Blicke auf den Hut und die Handschuhe , die auf dem Tische lagen . „ Später ! “ antwortete Reinhold , sich zusammennehmend . „ In einer Stunde etwa . Du bleibst doch einige Zeit ? “ Hugo überhörte die letzte Frage . Er stand vor seinem Bruder und sah ihn forschend an . „ Hat es wieder eine Scene gegeben ? “ fragte er halblaut . Der finstere Trotz , der einige Minuten lang aus den Zügen des jungen Mannes gewichen war , kehrte wieder zurück . „ Gewiß . Man hat wieder einmal den Versuch gemacht , mich wie einen Schulknaben zu behandeln , der , wenn er sein tägliches Arbeitspensum geleistet , sich auch noch in den Erholungsstunden überwachen lassen und von jedem Gange Rechenschaft ablegen muß . Ich habe ihnen klar gemacht , daß ich dieser ewigen Bevormundungen müde bin . “ Der Capitain fragte nicht , um welchen Gang es sich bei diesem Streite handelte ; das kurze Gespräch mit Jonas schien ihn hinreichend darüber aufgeklärt zu haben ; er sagte nur kopfschüttelnd : „