neuen Vergnügen hin . Es war das erste Mal , daß das junge Mädchen überhaupt in eine größere Gesellschaft kam , daß sie aus der „ Kinderstube “ , in die der strenge Bruder sie verwiesen , in den Salon trat , und entzückt und geblendet blickte sie in die fremde glänzende Welt . [ 55 ] Sie sah nur den Kerzenglanz , die bunte , festlich geschmückte Menge , hörte nur die rauschende Musik , alles Andere existirte nicht für sie . Der rosige Mousselin wogte leicht und luftig um die kleine Elfengestalt . Die Rosen in den Locken dufteten und zitterten , als sie so in den Armen des Grafen dahinschwebte . Das jugendliche Wesen war ganz aufgelöst in Freude und Tanzlust und hatte kaum eine Ahnung davon , wie bezaubernd lieblich es in dieser Erregung erschien . Ihr Tänzer hatte und so mehr Augen dafür . Der junge Graf , gewohnt , überall nur der Coquetterie und Berechnung zu begegnen , deren Ziel meistentheils seine Hand war , schien seltsam angezogen von diesem Kinde , das sich noch so ganz kindlich und unbefangen gab , gar nicht daran dachte , sein Entzücken an dem Feste zu verhehlen , und sicher mit dem jüngsten Sohne irgend eines unbedeutenden Landedelmannes ebenso gern tanzte wie mit dem Erben von Rhaneck . Es war einmal etwas Neues , Ungewöhnliches , dem seine gleichgültige Blasirtheit allmählich zu weichen begann . Die schlaffen Züge Ottfried ’ s gewannen Leben , in seine matten Augen kehrte das Feuer zurück , während er sich in Artigkeiten und Aufmerksamkeiten aller Art erschöpfte und nicht ohne Erfolg . Der Graf hatte nicht umsonst die hohe Schule in den Salons der Residenz durchgemacht und sich dort in den Ruf der Unwiderstehlichkeit gebracht , um diesen Ruf einem sechszehnjährigen Mädchen gegenüber nicht mit Glück zu behaupten ; er konnte glänzen mit seiner Unterhaltungsgabe , wenn er wollte , und heute wollte er es entschieden . Immer kühner und kühner drangen seine Schmeicheleien in Luciens Ohr . Noch lachte sie unbefangen dazu ; aber ihr Köpfchen begann bereits zu wirbeln ; allerlei romantische Pensionsideen flatterten darin auf . Der gewandte , in allen Künsten der Eroberung erfahrene Weltmann war auf dem besten Wege , das junge unerfahrene Herz in seine gefährlichen Netze zu ziehen . Da auf einmal zuckte das junge Mädchen leise zusammen und hielt mitten im Tanze inne . Der Graf bemerkte es . „ Wünschen Sie aufzuhören , mein Fräulein ? “ fragte er artig . Lucie schüttelte leise das Haupt und tanzte weiter ; aber das , was sie vorhin wie ein jäher Stich durchfahren , schmerzte noch , als Ottfried , nachdem er nochmals den Saal mit ihr umkreist hatte , jetzt von selber innehielt . Sie war wieder den „ Gespensteraugen “ begegnet , die sie schon einmal so sehr erschreckt hatten , und wendete jetzt langsam und scheu ihren Blick dem Orte zu , wo sie leuchteten . Der Graf fing diesen Blick auf , dessen Ausdruck nicht mißzuverstehen war . „ Pater Benedict scheint Ihnen Furcht einzuflößen , mein Fräulein , “ sagte er spöttisch . „ Ich muß bekennen , daß auch mich in seiner Nähe ein gewisses Unbehagen beschleicht , trotzdem er der erklärte Günstling meines Vaters und Oheims ist . Der Fanatiker haßt Alles , was Freude und Jugendlust heißt ! Sieht er nicht aus , als wollte er das ganze Tanzgewühl und vor Allem uns Beide bis in die fernsten Tiefen der Verdammniß schmettern ? “ Lucie hätte bei jeder andern Gelegenheit mitgelacht und mitgespottet , in diesem Augenblicke aber vermochte sie es nicht . Die hohe finstere Gestalt , welche dort an der Thür lehnte , einsam inmitten der bunten hin- und herfluthenden Menge , von der Keiner Lust bezeigte , sich dem düstern einsilbigen Gaste zu nahen , übte einen beängstigenden Einfluß auf sie aus . Das Antlitz des jungen Mönches hatte freilich nicht mehr jenen kalt verächtlichen Ausdruck , mit dem er beim Beginn des Festes das profane Gewühl um sich her betrachtete . War es Einbildung ? Aber es schien Lucien , als suchten jene düster brennenden Blicke einzig sie und ihren Tänzer in diesem Gewühl , als folgten sie ihnen durch alle Verschlingungen des Tanzes , und als Ottfried jetzt auf ’ s Neue den Arm um sie legte und ihre langen braunen Locken dabei seine Schulter berührten , da flammten die unheimlichen Augen plötzlich auf , nur einen Moment lang ; aber das junge Mädchen schmiegte sich , wie Schutz suchend , fester an den Arm des Grafen – er hatte Recht , der Fanatiker dort hätte sie Beide am liebsten zerschmettert mit diesem Blick ! Ottfried mißverstand natürlich diese Bewegung und er mißverstand auch völlig die Befangenheit , die sich seiner Tänzerin auf einmal bemächtigte und ihrem eben noch so frohen Lachen , ihren bisher so neckischen Antworten etwas eigenthümlich Gezwungenes gab . Er hielt für seinen Triumph , was doch nur jene räthselhafte Angst war , die Lucie hier in dem hellen menschenvollen Saale mit derselben Gewalt überkam , wie einst mitten in der Einsamkeit des Waldes . Ihr Vergnügen am Tanze war gestört ; sie war unruhig , zerstreut und athmete erst auf , als nach Beendigung des Walzers der Gegenstand ihrer Furcht verschwand und statt dessen die Gestalt ihres Bruders sich in der Nähe zeigte . Ottfried führte sie zu einem Sitz , und das junge Mädchen hatte kaum dort Platz genommen , als mehrere Herren , durch das Beispiel des Grafen ihren aristokratischen Zweifeln entrissen , ebenfalls hereintraten , um sich um die nachfolgenden Tänze zu bewerben . Es schien , als hätte ihnen Ottfried gern den Vorzug streitig gemacht ; aber der Sohn des Grafen Rhaneck hatte gesellschaftliche Verpflichtungen gegen verschiedene vornehme Damen , denen er nachkommen mußte , wollte er nicht den Zorn des Vaters auf sich laden , der jedenfalls schon die Freiheit , die er sich genommen , mit Mißfallen betrachtete . Mit