Pastor tat schon den Mund auf , als wolle er etwas einwenden , da trat Elke Volkerts , die eine Weile schon im Zimmer gewesen , plötzlich zu ihnen . » Wollen Euer Gnaden mir ein Wort erlauben ? « sprach sie zu dem Oberbeamten ; » es ist nur , damit aus einem Irrtum nicht ein Unrecht werde ! « » So sprecht , Jungfer Elke ! « entgegnete dieser ; » Weisheit von hübschen Mädchenlippen hört sich allzeit gut ! « – » Es ist nicht Weisheit , Euer Gnaden ; ich will nur die Wahrheit sagen . « » Auch die muß man ja hören können , Jungfer Elke ! « Das Mädchen ließ ihre dunklen Augen noch einmal zur Seite gehen , als ob sie wegen überflüssiger Ohren sich versichern wolle . » Euer Gnaden « , begann sie dann , und ihre Brust hob sich in stärkerer Bewegung , » mein Pate , Jewe Manners , sagte Ihnen , daß Hauke Haien nur etwa zwanzig Demat im Besitz habe ; das ist im Augenblick auch richtig , aber sobald es sein muß , wird Hauke noch um soviel mehr sein eigen nennen , als dieser , meines Vaters , jetzt mein Hof an Dematzahl beträgt ; für einen Deichgrafen wird das zusammen denn wohl reichen . « Der alte Manners reckte den weißen Kopf gegen sie , als müsse er erst sehen , wer denn eigentlich da rede . » Was ist das ? « sagte er ; » Kind , was sprichst du da ? « Aber Elke zog an einem schwarzen Bändchen einen blinkenden Goldring aus ihrem Mieder . » Ich bin verlobt , Pate Manners « , sagte sie ; » hier ist der Ring , und Hauke Haien ist mein Bräutigam . « – » Und wann – ich darf ' s wohl fragen , da ich dich aus der Taufe hob , Elke Volkerts – , wann ist denn das passiert ? « – » Das war schon vor geraumer Zeit ; doch war ich mündig , Pate Manners « , sagte sie ; » mein Vater war schon hinfällig worden , und da ich ihn kannte , so wollt ich ihn nicht mehr damit beunruhigen ; itzt , da er bei Gott ist , wird er einsehen , daß sein Kind bei diesem Manne wohl geborgen ist . Ich hätte es auch das Trauerjahr hindurch schon ausgeschwiegen ; jetzt aber , um Haukes und um des Kooges willen , hab ich reden müssen . « Und zum Oberdeichgrafen gewandt , setzte sie hinzu : » Euer Gnaden wollen mir das verzeihen ! « Die drei Männer sahen sich an ; der Pastor lachte , der alte Gevollmächtigte ließ es bei einem » Hm , hm ! « bewenden , während der Oberdeichgraf wie vor einer wichtigen Entscheidung sich die Stirn rieb . » Ja , liebe Jungfer « , sagte er endlich , » aber wie steht es denn hier im Kooge mit den ehelichen Güterrechten ? Ich muß gestehen , ich bin augenblicklich nicht recht kapitelfest in diesem Wirrsal ! « » Das brauchen Euer Gnaden auch nicht « , entgegnete des Deichgrafen Tochter , » ich werde vor der Hochzeit meinem Bräutigam die Güter übertragen . Ich habe auch meinen kleinen Stolz « , setzte sie lächelnd hinzu ; » ich will den reichsten Mann im Dorfe heiraten ! « » Nun , Manners « , meinte der Pastor , » ich denke , Sie werden auch als Pate nichts dagegen haben , wenn ich den jungen Deichgrafen mit des alten Tochter zusammengebe ! « Der Alte schüttelte leis den Kopf . » Unser Herrgott gebe seinen Segen ! « sagte er andächtig . Der Oberdeichgraf aber reichte dem Mädchen seine Hand : » Wahr und weise habt Ihr gesprochen , Elke Volkerts ; ich danke Euch für so kräftige Erläuterungen und hoffe auch in Zukunft , und bei freundlicheren Gelegenheiten als heute , der Gast Eueres Hauses zu sein ; aber – daß ein Deichgraf von solch junger Jungfer gemacht wurde , das ist das Wunderbare an der Sache ! « » Euer Gnaden « , erwiderte Elke und sah den gütigen Oberbeamten noch einmal mit ihren ernsten Augen an , » einem rechten Manne wird auch die Frau wohl helfen dürfen ! « Dann ging sie in den anstoßenden Pesel und legte schweigend ihre Hand in Hauke Haiens . Es war um mehrere Jahre später : In dem kleinen Hause Tede Haiens wohnte jetzt ein rüstiger Arbeiter mit Frau und Kind ; der junge Deichgraf Hauke Haien saß mit seinem Weibe Elke Volkerts auf deren väterlicher Hofstelle . Im Sommer rauschte die gewaltige Esche nach wie vor am Hause aber auf der Bank , die jetzt darunterstand , sah man abends meist nur die junge Frau , einsam mit einer häuslichen Arbeit in den Händen ; noch immer fehlte ein Kind in dieser Ehe ; der Mann aber hatte anderes zu tun , als Feierabend vor der Tür zu halten , denn trotz seiner früheren Mithülfe lagen aus des Alten Amtsführung eine Menge unerledigter Dinge , an die auch er derzeit zu rühren nicht für gut gefunden hatte ; jetzt aber mußte allmählich alles aus dem Wege ; er fegte mit einem scharfen Besen . Dazu kam die Bewirtschaftung der durch seinen eigenen Landbesitz vergrößerten Stelle , bei der er gleichwohl den Kleinknecht noch zu sparen suchte ; so sahen sich die beiden Eheleute , außer am Sonntag , wo Kirchgang gehalten wurde , meist nur bei dem von Hauke eilig besorgten Mittagessen und beim Auf- und Niedergang des Tages ; es war ein Leben fortgesetzter Arbeit , doch gleichwohl ein zufriedenes . Dann kam ein störendes Wort in Umlauf . – Als von den jüngeren Besitzern der Marsch- und Geestgemeinde eines Sonntags nach der Kirche ein etwas unruhiger Trupp im Kruge droben am Trunke festgeblieben war , redeten sie beim vierten oder fünften Glase