hielt das Haupt in beide Hände versenkt und bemerkte mein Kommen nicht . Ich aber berührte Monna Lisa hart an der Schulter . Sie wandte sich erschrocken und starrte mich mit von Tränen geröteten Augen an . Dann bedeutete sie mich mit beiden Händen , schleunig zu entweichen . Da wies ich ihr den Brief und verlangte , als Bote des Königs , unverzüglich vor den Kanzler geführt zu werden . Zitternd , aber ohne Widerrede , stieg sie die Stufen zu den gelblichen Säulen des Kuppelbaues mir voran und öffnete die Tür : › Sie liegt in der Kapelle – ich habe sie noch geputzt wie eine Königin ‹ , sagte sie furchtsam und verschwand . Ich trat in den heitern Raum einer von oben erleuchteten kleinen Rundhalle . Rings der Mauer entlang lief ein kostbares Polster und in der Mitte stand ein vergoldetes Gitterhaus voll Geflatter und Gezwitscher . Bunte , fremdländische Vögel spielten da unter Zwergpalmen , aber nirgends war ein menschliches Wesen , das sich daran gefreut hätte . Ich schritt über die farbigen Figuren des Mosaikhodens nach einer schmalen Marmortreppe , die zu einer Bogenpforte führte , öffnete und schlug scheu die innen darüber hangende Damastdecke zurück . Mir wurde ein Anblick , der mir das Wort auf der Lippe bannte und den Atem in die Brust zurückdrängte . Ich schaute in das Halbdunkel der Burgkapelle . Aber da war kein Kruzifixus und kein ewiges Licht und statt eines heiligen Leichnams unter dem Altare lag in einem Schreine vor demselben , ebenso reich geschmückt , die tote Gnade . Ein Lichtstrom , der durch das einzige , hochgelegene Fenster sich ergoß , beleuchtete ihre überirdische Schönheit . Ihr Haupt ruhte auf einem Purpurkissen und trug ein Krönchen von blitzendem Edelgestein . Der zarte Körper verschwand in den von Goldstickerei und Perlen starrenden Falten ihres über die Wände des Schreins ausgebreiteten Gewandes . Die kleinen durchsichtigen Hände lagen auf der Brust gekreuzt und hielten keusch den schwarzen Schleier ihres Haares zusammen , der vom Scheitel fließend die zarten Wangen einrahmte und , die zwei Wunden des Halses bedeckend , sich unter dem blassen Marmorkreuz ihrer Arme wieder vereinigte . Neben dem lieblichen Todesantlitz aber lag ein anderes hingesunken , von demselben Sonnenstrahle gebadet , lebloser und gestorbener als das der Leiche , ein Antlitz , über das die Sterbenot der Verzweiflung gegangen und von dem sie , nach getanem Werke , wieder gewichen . Es war der Kanzler , der mit zerrauftem Haar und aufgerissenem Gewande neben dem Sarge lag , die Arme auf den Rand desselben stützend . Lautlose Stille herrschte . Nur ein Laubgeflüster regte sich im offenen Fenster und leichte Blätterschatten tanzten über das Purpurkissen und die beiden Angesichter . Ich weiß nicht , wie es geschah , daß mir in dieser bangen Stunde das maurische Wesen in Granada durch den Sinn fuhr . Ich erzähle Euch eben die Sache , wie sie war . Was immer es sein mochte , die Einflüsterung eines lichten oder eines schwarzen Geistes , ich wurde getrieben , in arabischer Zunge einen Vers des Korans auszusprechen – Gott der Heilige rechne es mir nicht zu – der Anblick der erblaßten Gnade mag mich an das Paradies der Ungläubigen und seine Engel erinnert haben . – Der heidnische Spruch aber lautete so : › Schön sind sie und lieblich , ja , sie sind schön wie Lilien und Hyazinthen . Sie senken die Lider und ihr reines Antlitz hat die Blässe des Straußeneis , das im Sande wohlgeborgen ist . ‹ Kaum war der Spruch meinen Lippen entfahren , so ging mit dem Gesichte des Kanzlers eine Veränderung vor . Es glitt eine Bewegung der Freude und Liebe darüber hin . Er wandte sich langsam zu dem , der ihn mit diesem Koranvers getröstet hatte . Ich nahm den Augenblick wahr , nahte mich ihm , bog das Knie und überreichte mit banger Furcht den königlichen Brief . Eine Weile brauchte der Entrückte , sich in diese Welt zurückzufinden . Nun wurde er der drei Leoparden des königlichen Siegels ansichtig – die Hand , in welche ich das Schreiben gelegt hatte , zuckte , wie von einem Skorpion gestochen , und schleuderte es in heftigem Schmerze von sich . Gleich einem Manne , der auf der Folter liegt und unsagbare Qual erduldet , verzog er seine edeln Brauen . Die vorwurfsvollen Augen richteten sich auf mich und in ihrer Tiefe entglomm eine Flamme , grausam und gramvoll wie die Hölle . Dieser Blick traf mich mit der Gewalt eines Wurfgeschosses , ich entsetzte mich in der Seele und floh ohne Urlaub von dannen . VII VII Nun erschreckt Ihr , Herr , und vermutet , zu dieser Stunde sei die Feindschaft ausgebrochen zwischen dem König und Thomas Becket – Ihr würdet irren . Eine Weile zwar mieden sie einer des anderen Atem und Angesicht ; doch in begründeter und ungezwungener Weise , weil Herr Heinrich jenseits des Meeres mit dem Kapetinger in Fehde stand und der Kanzler inzwischen in Engelland die Staatsgeschäfte besorgte . Denn der Glaube meines Herrn an die Weisheit und Treue des Kanzlers blieb unerschüttert ; ja dieser Felsenglaube war überhaupt nicht ins Wanken zu bringen . Und seinerseits nahm Herr Thomas nie williger jede Bürde der Arbeit und Feindschaft auf sich , die ihm aus seinem Eifer für die Größe seines Königs entsprang . Er hatte damals keinen leichten Stand , da er zum Vorteil der königlichen Rechte mit der vornehmen normännischen Pfaffheit angebunden und sich verbissen hatte . Ihr kennt diese Händel , Herr , denn sie wuchern überall . In Engelland waren sie aus den unmäßigen , von dem Eroberer an die bischöflichen Stühle geknüpften Vorrechten erwachsen . Nicht nur , wie auch anderwärts , Händel von Pfaffe mit Pfaffe wurden den königlichen Gerichten entzogen , sondern auch der von einem Pfaffen geschädigte Laie mußte den Geschorenen vor dem geistlichen Richter suchen . Da nun – in aller Einfalt geredet – keine