auch die Damen mit den Tannenzweiglein beschenkt wurden am Schluß . Ich sehe die Heide wieder , die Häuser eines Dorfes mit dem geschnitzten Gebälk am Giebel , ich sehe die blausilbernen Reiter , und weit dahinter einen Eichenwald . Das Gras wächst auf dem Marktplatz des Städtchens , die Laternen schwanken an Ketten über der Straße , und der einzige Kirchturm ist beinahe so schief wie der von Pisa . Aber Geschichten kann man da finden – o – man glaubt nicht , was alles die alten Giebelhäuser wissen in den engen Gassen . Gehen wir also in S . . . auf die Suche . 83 Kling ! Kling ! Kling ! Die Vorplatzklingel ! – Lieber Himmel , da kommt Besuch , Besuch in meine schönste Arbeitsstimmung hinein ! Ich höre meine Zofe parlamentieren im Korridor , eine Männerstimme sagt : » Nur einen einzigen Augenblick – melden Sie mich nur , ich gehe ja gleich wieder ! « Donna Hedwig kommt lächelnd herein zu mir : » Herr Seeberg ! « Albert Seeberg ? Den kann man nicht abweisen , denn erstlich ist er ein alter Bekaunter , zweitens ist er ein sehr guter Gesellschafter und drittens ein liebenswürdiger Künstler , einer von denen , dessen Bildern man noch ansehen kann , was sie vorstellen sollen . Also , herein mit Herrn Albert Seeberg ! » ' n Abend , Fräulein Heimburg – störe ich ? « fragt er gleich darauf . » Nein , nein ! « sage ich höflich . » Doch nicht bei der Arbeit ? « » So ganz noch nicht , ich suche nach – . Wissen Sie keinen Stoff für eine neue Geschichte ? « Er schüttelt den Kopf . » Haben Sie denn nicht ein altes Tintenfaß aus Lenkwitz , das Sie diesmal › verknacken ‹ können ? « sagt er und macht sich ' s bequem in einem Fauteuil . Ich verneine lachend . » Ich möchte ' mal etwas anderes erzählen als von alten Tintenfässern und dergleichen . « » Ja , wissen Sie , Verehrteste , auf Kommando erscheint die Muse nicht , das weiß ich aus eigener Erfahrung . Warten Sie , bis Sie ungerufen kommt , und erzählen Sie sich lieber etwas mit mir . « » Schön , fangen Sie nur an ! « erwidere ich . » Das Wetter war famos , warum gingen Sie nicht spazieren heute ? « fragt er statt dessen . » Weil ich arbeiten wollte . Übrigens das Wetter ist ein vielversprechender Anfang zum Plaudern . « » Na ja , mit etwas muß man doch beginnen , « meint er . » Das ist sehr richtig ! Sagen Sie , wie geht ' s daheim , in Holstein ? « » O , ick dank veelmal – geiht so , « antwortet er auf Plattdeutsch , denn er ist ein A . . . er Kind und hält viel auf seine » ollen Öllern « un op sin Vaderstadt . 84 Nun ist A . . . zwar nicht meine Vaterstadt , aber H . . . ist meines Vaters Geburtsstadt , beide stehen in sehr naher Beziehung zueinander , ich liebe sie sehr , die alte stolze Hansestadt , und folglich auch A . . . Im Umsehen befinden wir uns in einem Gespräch und vergleichen H . . .s und Dresdens Reize , und von da kommen wir auch auf das Künstlerleben beider Städte , und dann ist ' s wieder nur ein Schritt , daß wir auf Meister Alberts Kunst im besonderen kommen . » Wann haben Sie sich denn entschlossen , Maler zu werden ? « erkundige ich mich . » Wollten Sie es von vornherein oder wünschten es Ihre Eltern ? « » Wissen Sie denn das nicht ? « fragt er zurück . » Nein ! Sie waren grad nicht sehr mitteilsam bisher über diesen Punkt . « » O , eigentlich spreche ich nicht gern davon , « verteidigt er sich , » weil ' s mich immer so ein bißchen weich macht , so , so – – . Habe ich Ihnen davon wirklich noch nicht gesprochen ? « » Tatsächlich nicht . Bitte , bitte , erzählen Sie doch , vielleicht – « » Ach so ! Nun gedenken Sie möglicherweise mich zu › verknacken ‹ anstatt des Tintenfasses ? « » Großer Gott , wieder der Ausdruck ! Möglicherweise – ja ! wenn ' s mir paßt . « » Also los ! « sagt er . » Wenn manchmal › en plattdütscher Snack ‹ mit vörkommt , verzeihen Sie wohl ? « » Natürlich ! Ick verstah all . « » Also , in A . . . . . am Rathausmarkt bin ich geboren , und mein Vater war Kunsthandwerker , der höllisch arbeiten mußte für sin Fru un sine sös leewen Kinner . Sobald ich verständig genug war , mußte ich ihm helfen in meinen freien Stunden , denn he kost doch gar to veel Geld , so ' n Sles . Aber darum war ' s doch eine schöne Kinderzeit , und Gelegenheit zum Spiel und zu dummen Streichen blieb immer mehr , als gut war . Und manche Tracht Schläge hat Mudder mi spendeert 85 wegen zerrissener Büxen un Kittels . Mein liebster Spielgefährte war Korl Lorensen . – – – – – – Herrje , Fräulein Heimburg , dieser Korl , der wär ' am Ende einer , den Sie grad brauchen könnten für Ihre neue Geschichte , der wär ' wirklich so ein Stück für eine Novelle ; armer Kerl , dieser Korl Lorensen ! Er wohnte bei seinem Onkel im Hinterhaus , seine Mutter hatte er nie gekannt , sie war gestorben , als er dreiviertel Jahr alt war . Auch sein Vater war ihm unbekannt geblieben , der befand sich , während Korl geboren wurde , als Schiffskoch auf dem » Glück von Dänemark « und ging