Wolf schreiben und noch ’ mal borgen . eine nette Summe , die da schon zusammengekommen ist – zahlbar nach der Heirat ! ! Er riß die Uniform auf und stürmte im Zimmer hin und her ein Zug von Ekel glitt über sein Gesicht . Was war aus ihm geworden ! Einer , der Schulden macht auf das Geld seiner künftigen Frau , viel Schulden ! Ja freilich , er ist nicht der einzige , Hunderte giebt es , die thun ’ s kaltblütig , aber er , ach , er hatte doch noch Ideale gehabt ! Und dann will er noch heiraten und sich als den Gebieter aufspielen . Es darauf ankommen lassen , ob sie sich seinem Willen beugt oder nicht , er , der so mit Haut und Haar der Gnade ihres Geldbeutels verfallen ist . Lächerlich ! Was soll er denn für ein Gesicht machen , wenn ihm nach der Hochzeit etwa , wenn man von der Reise zurückkommt – die Schuldscheine präsentiert werden ! Als sogenannter Hofmarschall – jeder alte abgelebte Hofschranze könnte den Posten ausfüllen – war er doch vielleicht imstande , aus eigener Kraft abzuzahlen , als Offizier nie ! Er lachte bitter auf . Na , denn zu ! Es ist ja ganz gleich , als was man seine Sklavenketten schleppt , als Soldat oder als Beamter , verpfuscht war das Leben doch einmal ! Er trat nach wenigen Minuten bei seiner Tante ein , mit hartem Gesichtsausdruck . Toni Ribbeneck saß in einem der tiefen Fauteuils am Kaminofen und sah ihm fragend und neugierig entgegen . Frau von Gruber erhob sich und verließ das Zimmer . Sie mochte nicht anhören , wie er die Rolle des Gebieters spielte , „ der dumme Junge “ , wie sie ihn innerlich wütend nannte . Sie erhaschte nur noch den Anblick einer wenig zuvorkommenden Begrüßung seitens der Braut , die , von Frau von Gruber auf eine mögliche Enttäuschung hinsichtlich des Hofmarschalls vorbereitet , die Miene einer tyrannisierten Frau aufgesetzt hatte . Um so erstaunter war sie , als nach zehn Minuten die junge Dame in das Zimmer kam , in das sie sich zurückgezogen hatte , und ihr mit triumphierender Miene sagte : „ Aber , liebste Frau von Gruber , was redeten Sie denn . Er ist ja ganz einverstanden , wie ein Lamm ist mein guter Heinz ! Er hat sich wahrscheinlich nur gesträubt , weil Sie als Tante ihm die Sache plausibel machen wollten . Sobald ich die Rede darauf brachte , erklärte er , sich meinen Wünschen fügen zu wollen . “ „ Wahrscheinlich ! “ stotterte die alte Dame ganz verblüfft . Und als sie gleich darauf vor ihm stand , der am Tische saß und gedankenlos in einem Album blätterte , sagte sie nicht ohne Aerger . „ Es freut mich , Heinz , daß du Tonis Wunsch erfüllst . “ „ Es ist ja doch schließlich ganz egal “ , antwortete er , den Deckel zuklappend , und in dem Blick , mit dem er zu ihr aufsah , lag etwas so Trostloses , Müdes , daß sie erschrak . „ Du bist krank , Heinz , das Unglück zu Hause hat dich angegriffen , nicht wahr , Toni , wir entlassen ihn – du mußt dich ausruhen Heinz ! “ „ Aber nein , “ rief die junge Dame , „ ich habe mich so gefreut auf heute abend ! Wovon soll er denn müde sein . Nicht wahr , Heinz , du gehst noch nicht , wir plaudern noch . Bist du gar nicht neugierig , wo wir wohnen sollen . Hier im Schloß – “ „ Ist das auch bereits bestimmt ? “ unterbrach er sie scharf . „ Ja , natürlich ! Durchlaucht ist zu reizend , zu rührend , als ob sie eine Tochter verheiratete , so lieb . Hier über uns , deine Zimmer gehören mit dazu , die Aussicht nach dem Platz und der Stadt ! “ „ Ach ! “ machte er , und dann kam ihm zu Sinn , wie es nun doch so komme , daß er die Oberförsterei täglich vor Augen haben müsse , aber vielleicht gewöhnte er sich auch daran wie an alles andere Schwere , Trostlose . Und plötzlich fragte er wie aufatmend , daß doch noch ein Lichtstrahl bei der Sache für ihn sei : „ Die Wohnung ist groß . “ „ Denke dir – zehn Zimmer ! Durchlaucht ist rührend , “ wiederholte Toni . „ Dann wird ja wohl eines dabei sein , in dem meine Schwester wohnen kann . Sie muß eine Heimat bei uns haben . “ Toni antwortete nicht , aber Frau von Gruber , in welcher der Familiensinn stark entwickelt war , nickte ihm zu „ Das ist recht von dir , Heinz ! “ „ Aber wird Durchlaucht gestatten ? “ „ Durchlaucht wird gestatten “ , sagte er laut und bestimmt . „ Wenn sie sich den Luxus eines verheirateten Hofmarschalls gönnt , so muß sie auch dessen verwaiste Schwester dulden . Uebrigens , das lasse meine Sache sein , liebe Toni , ich selbst werde mit Durchlaucht darüber sprechen . Von dir setze ich voraus , daß du so menschlich und edel denkst , um einem armen Mädchen , das lange die Sonne nicht gesehen hat , ein paar warme Strahlen zu gönnen . “ „ Gewiß ! “ antwortete sie , aber ihre rosige Laune war verschwunden und man trennte sich ziemlich kühl . [ 069 ] Im Mayschen Hause herrschte gehobene Stimmung ; Frau Rätin war einfach selig in ihrer Stellung als künftige Schwiegermutter und Großmama . Das neue Paar hatte bei den Hofbeamten Brautvisite gemacht , auch bei den Bekannten im Städtchen , die Besuche waren erwidert worden , und mittags von zwölf bis ein Uhr hatte ununterbrochen die Hausthürklingel geschellt . Briefe von allen Erden und Enden waren angelangt , und im Auftrage Ihrer Durchlaucht war eines Nachmittags