müsse zur Bühne gehen , ich würde Furore machen . Der dicke Hauptmann kam mit dem gefüllten Glase : » Das trinke ich auf Ihre wunderschöne Stimme ! « rief er . Der blonde Adjutant begeisterte sich zu einer längeren Rede , die damit schloß , daß er Hanna ein Kompliment über ihr ausgezeichnetes Klavierspiel machte ; » denn « , setzte er hinzu , » wenn Gesang nicht gut begleitet wird , so kommt er natürlich nicht zur Geltung . « Aber wo war der Leutnant v. Eberhardt ? Dort stand er noch immer am Kamin und sah zu mir herüber . Es tat mir beinahe weh , daß er mir kein Wort sagte . Es hatte ihm gewiß nicht gefallen . Im Speisesaal waren indes die Lichter angezündet , wir kehrten an die Tafel zurück , und das Gespräch kam auf die Musik . Eberhardt saß mir schweigend gegenüber . Später , als wir in dem warmen Augustabend auf der Terrasse auf und ab gingen , und die Bäume im Park nur leise rauschten , trat er an meine Seite . Eine Weile ging er schweigend neben mir , dann summte er leise vor sich hin : Der Mond ist gegangen . Erloschen die Stern ' , So blaß meine – » Lieben Sie die Volkslieder , Herr v. Eberhardt ? « fragte ich . » Wenn sie so gesungen werden , wie ich es vorhin gehört , über alles « , entgegnete er warm . Ich schwieg . Es war gut , daß es dunkelte , so konnte er nicht bemerken , wie mir das Blut heiß in die Wangen stieg . Nach einer Weile fing er an , mir von den Volksliedern am Rhein zu erzählen . Manchmal sang er mit heller Stimme eine Melodie . » Wenn Sie einige der Lieder singen wollen , werde ich sie Ihnen gern aufschreiben « , fügte er hinzu . Ich dankte ihm und sagte , daß ich mich sehr darauf freue , diese Lieder kennenzulernen . Hanna ging vor uns her , der blonde Adjutant sprach lebhaft auf sie ein . Wenn wir an der geöffneten Tür des Gartensaales vorbeikamen , sah ich in dem hellen Schein ihr gesenktes Köpfchen . Sie schien eifrig zuzuhören , und nur dann und wann vernahm ich ihre klare Stimme , die ein paar Worte sagte . Die älteren Herren saßen drinnen und spielten Whist , Frau v. Bendeleben sah ich nicht . Sie hatte wahrscheinlich noch Hausfrauenpflichten zu erfüllen . Wie im Traume schritt ich neben ihm , wie im Traume sah ich empor zum Himmel mit seinen unzähligen Sternen . Endlich blieb ich stehen und lehnte mich über das zierliche Bronzegitter . Keiner von uns sprach ein Wort . Da hörte ich auf einmal die Stimme des kleinen Leutnants . » Eberhardt « , rief er , » das ist ja famos ! Da sagt mir eben das gnädige Fräulein , daß die Damen passionierte Reiterinnen sind . Nun können wir ja zusammen die ganze Umgegend durchstreifen . « » O ja « , rief ich , ganz hingerissen von der Aussicht , möglichst viel auf dem Pferde zu sitzen , » hier gibt es die herrlichsten Waldwege , nicht , Hanna ? Zuerst reiten wir in den Eichenwald . Oh , das wird reizend ! « Wir verabredeten für den nächsten Nachmittag einen Spazierritt , und Hanna sprang auf Frau v. Bendeleben zu , die eben in die geöffnete Tür trat . » Mama , wir reiten morgen nach dem Eichwald , das wird wundervoll . Du kommst zu Wagen nach und wir kochen dort Kaffee . Nicht wahr ? « » Gewiß , das ist eine hübsche Idee . Wann soll diese Partie stattfinden ? Hoffentlich wird es morgen nicht wieder so spät werden mit unserem Diner ? Doch , Gretel , ich wollte dir etwas sagen . Denk dir , die alte Kathrin ist da und will dich absolut sprechen . Ich suchte zu erfahren , was sie eigentlich hat . Sie erklärt aber , sie müsse es dir selbst sagen , sie wartet draußen in der Halle . « Ich war ganz bestürzt . Kathrin im Schlosse ! Da mußte Unerhörtes passiert sein . Eilig ging ich hinaus . Vor einem der breiten Eichentische saß sie , den Kopf in die Hand gestützt . Sie hörte mein Kommen nicht , sondern sah düster vor sich hin . » Kathrin , ist ein Unglück passiert ? « fragte ich . » Nein , aber ich will eins verhüten « , entgegnete sie , » deshalb bin ich hier . Du mußt mit nach Hause kommen , Gretchen – du kannst jetzt nicht hier bleiben . Deine Nachtkleider habe ich schon und ein Bett habe ich auch zurechtgemacht zu Hause . Komm ! « Dann verstummte sie , ein Blick auf mein erstauntes Gesicht mochte ihr doch ihr willkürliches Benehmen deutlich machen . » Was fällt dir ein , Kathrin ? « rief ich heftig . » Denkst du , du hast noch das fünfjährige Kind vor dir , das du zu Bett bringen kannst , wo und wann du Lust hast . Was sind es für Gründe , um dein törichtes Verlangen zu rechtfertigen ? « Ich bebte vor Zorn , auch Kathrins Augen blitzten . » Du gehst doch mit mir ! « rief sie . » Lange genug habe ich es mit angesehen , wie du hier als Prinzessin im Schlosse wohnst und doch nichts weiter bist als die Gesellschafterin des adligen Fräuleins . Jetzt lasse ich dich nimmer hier . Denkst du , ich weiß nicht , daß das ganze Schloß voll von Offizieren steckt ? Und was das für leichtsinniges Gesindel ist , das erzählen sich ja die Sperlinge auf dem Dache ! Laß sie immerhin der gnädigen Baronesse ihre Schmeicheleien ins Ohr sagen , für die paßt es , dir könnte es nur den Kopf noch mehr verdrehen . Komm , ich