bei Tag und auch nich bei Nacht , und wankt immer so rum und is mal im Hof und mal im Garten . Das hab ich von der Male ... Hören Sie , Mutter Jeschke , wenn ich so mal nachtens hier auf Posten stehen könnte ! Das wäre so was . Line bleibt mit auf , und wir setzen uns dann ans Fenster und wachen und kucken . Nich wahr , Line ? « Line , die schon vorher das Weißzeug beiseite gelegt und ihren blonden Zopf halb aufgeflochten hatte , schlug jetzt mit dem losen Büschel über ihre linke Hand und sagte : » Will es mir noch überlegen , Herr Geelhaar . Ein armes Mädchen hat nichts als seinen Ruf . « Und dabei lachte sie . » Kümmen S ' man , Geelhaar « , tröstete die Jeschke , trotzdem Trost eigentlich nicht nötig war . » Kümmen S ' man . Ick geih to Bett . Wat doa to siehn is , ick meen hier buten , dat hebb ick siehn , dat weet ick all . Un is ümmer dat Sülwigte . « » Dat Sülwigte ? « » Joa . Nu nich mihr . Awers as noch keen Snee wihr . Doa ... « » Da . Was denn ? « » Doa wihr se nachtens ümmer so rümm hier . « » So , so « , sagte der Gensdarm und tat vorsichtig allerlei weitere Fragen . Und da sich die Jeschke von guten Beziehungen zur Dorfpolizei nur Vorteile versprechen konnte , so wurde sie trotz aller sonstigen Zurückhaltung immer mitteilsamer und erzählte dem Gensdarmen Neues und Altes , namentlich auch das , was sie damals , in der stürmischen Novembernacht , von ihrer Küchentür aus beobachtet hatte . Hradscheck habe lang dagestanden , ein flackrig Licht in der Hand . » Un wihr binoah so , as ob he wull , dat man em seihn sull . « Und dann hab er einen Spaten genommen und sei bis an den Birnbaum gegangen . Und da hab er ein Loch gegraben . An der Gartentür aber habe was gestanden wie ein Koffer oder Korb oder eine Kiste . Was ? das habe sie nicht genau sehen können . Und dann hab er das Loch wieder zugeschüttet . Geelhaar , der sich bis dahin , allem Diensteifer zum Trotz , ebensosehr mit Line wie mit Hradscheck beschäftigt hatte , ja , vielleicht mehr noch Courmacher als Beamter gewesen war , war unter diesem Bericht sehr ernsthaft geworden und sagte , während er mit Wichtigkeitsmiene seinen gedunsenen Kopf hin und her wiegte : » Ja , Mutter Jeschke , das tut mir leid . Aber es wird Euch Ungelegenheiten machen . « » Wat ? wat , Geelhaar ? « » Ungelegenheiten , weil Ihr damit so spät herauskommt . « » Joa , Geelhaar , wat sall dat ? wat mienen S ' mit › to spät ‹ ? Et hett mi joa keener nich froagt . Un Se ook nich . Un wat weet ick denn ook ? Ick weet joa nix . Ick weet joa joar nix . « » Ihr wißt genug , Mutter Jeschke . « » Nei , nei , Geelhaar . Ick weet joar nix . « » Das ist gerade genug , daß einer nachts in seinem Garten ein Loch gräbt und wieder zuschüttet . « » Joa , Geelhaar , ick weet nich , awers jed ' een möt doch in sien ejen Goarden en Loch buddeln künn ' . « » Freilich . Aber nicht um Mitternacht und nicht bei solchem Wetter . « » Na , rieden S ' mi man nich rin . Un moaken Se ' t good mit mi ... Line , Line , segg doch ook wat . « Und wirklich , Line trat in Folge dieser Aufforderung an den Gensdarmen heran und sagte , tief aufatmend , wie wenn sie mit einer plötzlichen und mächtigen Sinnenerregung zu kämpfen hätte : » Laß nur , Mutter Jeschke . Herr Geelhaar wird schon wissen , was er zu tun hat . Und wir werden es auch wissen . Das versteht sich doch von selbst . Nicht wahr , Herr Geelhaar ? « Dieser nickte zutraulich und sagte mit plötzlich verändertem und wieder freundlicher werdendem Tone : » Werde schon machen , Mamsell Line . Schulze Woytasch läßt ja , Gott sei Dank , mit sich reden und Vowinkel auch . Hauptsach is , daß wir den Fuchs überhaupt ins Eisen kriegen . Un is dann am Ende gleich , wann wir ihn haben und ob ihm der Balg heut oder morgen abgezogen wird . « 11. Kapitel Elftes Kapitel Vierundzwanzig Stunden später kam – und zwar auf die Meldung hin , die Geelhaar , gleich nach seinem Gespräche mit der Jeschke , bei der Behörde gemacht hatte – von Küstrin her ein offener Wagen , in dem , außer dem Kutscher , der Justizrat und Hradscheck saßen . Die Luft ging scharf , und die Sonne blendete , weshalb Vowinkel , um sich gegen beides zu schützen , seinen Mantel aufgeklappt , der Kutscher aber seinen Kopf bis an Nas und Ohren in den Pelzkragen hineingezogen hatte . Nur Hradscheck saß frei da , Luft und Licht , deren er seit länger als vier Wochen entbehrt hatte , begierig einsaugend . Der Wagen fuhr auf der Dammhöhe , von der aus sich das unten liegende Dorf bequem überblicken und beinah jedes einzelne Haus in aller Deutlichkeit erkennen ließ . Das da , mit dem schwarzen , teergestrichenen Gebälk , war das Schulhaus , und das gelbe , mit dem gläsernen Aussichtsturm , mußte Kunickes sein , Kunickes » Villa « , wie die Tschechiner es spöttisch nannten . Das niedrige grad gegenüber aber , das war seine , das sah er an dem Birnbaum , dessen schwarzes Gezweig über die mit Schnee bedeckte Dachfläche wegragte . Vowinkel bemerkte wohl ,