die sich an den Mysterien deines Leibes und deiner wilden Seele ergötzten , wir wären unbeschadet durch das Land des harmlosen friedlichen Volkes gekommen . Ich überschreibe eine ganze Folge von Ereignissen mit dem Namen Zanas , aber ich denke dabei an den großen Wald , den Urwald . Und gerade weil ich dabei an den Wald denke , schreibe ich Zana , denn eins steht fürs andere und die Gründe der Katastrophe , die über unsere kleine Expedition hereinbrach , sind so verworren , daß ich sie nur mit lebensgroßen Bildern und Symbolen einigermaßen anschaulich machen kann . Aber zuerst waren wir ja noch nicht im Walde , sondern in der großen üppigen Ebene des Limo , und so beginne ich denn die Reihe meiner Leidenschaften nicht mit Zana , mit Zana , die ich liebte , aber nicht bekam , sondern mit der süßen dicken Aruki , die der häuslichen Ebene entsprach , Aruki , die ich nicht liebte und bekam . Vielleicht war sie gut genug für mich und ich hätte meine Augen nicht zu der Priesterin erheben sollen . Inmitten des Lebens unbekannter und fremder Daseinswerte mußten wir auf die Dauer unsere Haltung verlieren . Wir kamen sozusagen auf den Hund , wir büßten an gesellschaftlicher Achtung ein und hatten keine Übung , diese Verluste durch ältere und wildere Tugenden auszugleichen . Nein , es war vorauszusehen , Leute wie wir waren hier nicht am Platze , und niemals habe ich das Ganze besser übersehen als in jenen hellen vorausgehenden Äquatornächten , wenn ich ruhelos und vom Gram einer gegenstandslosen Leidenschaft verzehrt , hinauslugte auf die mondbestrahlte Dorffassade , die , so klein sie war , für mich zu etwas Bedeutsamem wuchs , seit ich hier unter Geschöpfen wohnte , deren kleiner , unbegreiflich kleiner Horizont der meine geworden war . IX Wieder kam die Nacht . Ich lag wach in meiner Hütte . Ein brenzlicher Dunst lastete auf mir , ich erhob mich und streifte mein Lager aus Palmstroh in den Eingang . Hier lag ich am Rücken und sah in den Himmel , in dessen Silberkraut ich den wehen schlaflosen Blick kühlte . Gedankenvoll klomm ich , zwischen Räumen voll weißer gasiger Helligkeit , von Stern zu Stern . Ein verblasener Brand schwoll stellenweise am Firmament auf , verhauchte narkotische Schwülen in die unendliche Leere zwischen Himmel und Erde , zuckte wie blasse matte Blitze über die Weltengegenden . Es war wie das falsche Flammen einer lungenkranken Brust . Nebenan aber stand die hohe Palme und spreizte starre grüne Messer , gierige Bündel von Blitzableitern in das Licht . Ein großer trockener Mund saugte sie den dichten Tau , der aus der lauen Luft entquoll . Hart und hungrig , unromantisch und ohne Sehnsucht stand sie in einer Landschaft von unwahrscheinlicher Poesie ; aber der Roman der Nacht wurde vollkommen durch ihre verständnislose Trockenheit . Lange blieb es still , kein Lufthauch regte sich . Dann plötzlich schien irgendwo in einer der Hütten etwas vor sich zu gehen , ein Kleines wimmerte , ein Tier drückte sich im Schatten vorbei . Es war einer der hier gezüchteten Wolfshunde , klein wie ein Marder , stinkend aber rassig ; perplex den Schwanz einziehend pfotete er davon , wenn er meine Aufmerksamkeit fühlte . Da war ich nun mein eigener Herr , Herr einer neuen Hütte . Sie lag , wie die erste , am zweiten Ring . Aus unserer ersten Unterkunft , der geräumigen Versammlungshütte , wie ich später erfuhr , war ich in diesen eigenen Haushalt gekommen . Checho war bei mir ; diese Hütte war kleiner , aber sie bot Raum genug für uns beide . Slim hatte eine schöne Hütte im ersten Ring erhalten , der Holländer gleich mir die seine im zweiten . Ob dies ein Zufall war , oder ob es eine Bewertung unserer Persönlichkeiten darstellte ? Mein Ehrgeiz erhielt einen tückischen Stoß . Ich fühlte die Mißachtung des Volkes auf mir ruhen , jetzt , in dieser prangenden Nacht ging mir der Sinn gewisser kleiner Beobachtungen auf , die ich gemacht hatte . Die Indianer waren nicht mehr wie in den ersten Tagen . Seit unser Vorrat an putzigem Tauschkram , an leeren Konservenbüchsen und Zigarettenschachteln auf die Neige gegangen war , war unser Ruhm im Verblassen . Die guten Sitten wurden nicht mehr so eifrig eingehalten , unsere beginnende Armut demoralisierte das Volk . Die Riesentrauben der Bananen wurden uns nicht mehr so erstaunlich groß zugeschleppt wie die ersten Male , dies Dutzend Ananas , das man uns anbot , war im Verhältnis zum Überflusse dieses Obstes , an dem ein mehrhundertköpfiger Stamm mißwirtschaftete , von rührendem Humor . Und jene Handvoll Beeren war erschrecklich anzusehen , beängstigend wie eine Krankheit , ekelerregend wie ein Schwund , sie stellten die äußerste Grenze der Verachtung dar , sie waren die Verachtung selber . Das Volk ! Das Volk hielt nicht viel von unserer geistigen Regsamkeit , von unseren Lebenswünschen , der Kraft unseres Appetits , dem Ehrgeiz unserer Ansprüche . Mit welcher Unverfrorenheit behandelte uns das Volk ? Kelwa , der Schildermaler , kommt eines Tages daher und bringt mir den lumpigsten Kitsch aus seinem Atelier , den ich dort bereits hatte in einer Ecke herumliegen sehen . Er verlangte mein Gewehr dafür . Ich nahm das Gewehr , ich gab es ihm so in die Hand , daß der Schuß in dem Augenblicke losging , da er es berührte . Die Kugel klatschte an das Palmstrohdach , Staub und Strohmist rieselten auf uns herab , Kelwa zitterte . Kelwa , du tapferer Krieger , du Pinselnovellist des Krieges - Kelwa ging schnell fort und sieht jetzt mit bösen Blicken an mir vorbei , wenn wir einander begegnen . Das Blut steigt mir zu Kopfe , wenn ich , Kelwa , deine Verachtung sehe , diese Überlegenheit einer gebildeten Rothaut über den weißen Rüppel . Dein Blick frägt klar , würdest du jemals so handeln und eine zarte Gabe