, und da durften Allert und Raspe mit ihren kleinen Gießkannen Wasser aufholen und dem Gartenknecht helfen , die Sellerieknollen zu begießen . - Drüben dehnten sich die Wiesen , und die schwarz-weißen Kühe lebten da ihr schwerbewegliches , wiederkäuendes , plump-beschauliches Leben auf dem grünen Grunde . Und irgendwo im Garten gab es eine Stelle , wo Allert und Raspe als Sechs- und Siebenjährige ihren Phylax begraben hatten . Vater Meyns , der abends mit seinen weißen Haaren und seinem runzligen Diplomatengesicht , getrockneten Waldmeister rauchend , vor der Stalltür saß , machte ihnen aus schmalen , flachen Brettern ein Kreuz . Und Allert schrieb mit seinen ersten , steifen Kinderbuchstaben darauf : » Hier ruht in Gott der treue Filacks « . Mit Oelfarbe zogen sie dann die Bleistiftbuchstaben nach , und dadurch wurden sie beinahe ganz unleserlich ... Oft in ihrem Kampf ums Vorwärtskommen hatte Sophie voll vergehender Sehnsucht an all diese Stätten gedacht . - Sie wiederzuerwerben , sie ihren Kindern zurückgeben zu können , die alte Scholle der Familie in neuem Glück und Leben bessere Frucht tragen zu sehen , einen verheirateten Sohn , von Kindern umgeben , dort zu wissen , wenn sie einmal stürbe - das war ihr Ziel . Sie wußte längst , allein konnte sie das nicht . Dazu wuchsen die Ersparnisse zu langsam . Allert hatte einst versprochen : ich helfe dir . Aber er lernte rasch begreifen , daß ein kaufmännisches Geschäft , ob es sich mit Fabrikation oder mit Handel befaßte , gerade war wie ein Erdboden : sollte es ertragskräftig werden und in immer wachsendem Maße bleiben , so wollte es auch gedüngt sein - mit Gold . Auf viele Jahre hinaus mußte jeder Gewinn hineingesteckt werden . Anders war es ungesund . Da baute sie sich eine andere Hoffnung auf : wenn Raspe eine Frau nimmt , die er liebt , und die wohlhabend ist ! Eine Frau ist ja glückselig , wenn sie das Ihrige dem geliebten Mann in die Hände legen darf . Und jetzt - heute abend - jetzt trat die Hoffnung aus dem fernen , unbestimmten Dunst klarer heraus - schien sichtbare Gestalt zu werden . Ihr Mutterherz ertrug kaum diese glückliche Unruhe , von der sie erfaßt wurde . Geschlossenen Auges stand sie in der Stille und sah und hörte : Sommerabend war es , und zwischen den Büschen des Gartens hatte sich , vom sonnigen Tage her , die Wärme verfangen . Vom fernen Graben her kam das leise plaudernde Gequake der Frösche . Der Himmel im sanften Grau dunkler Perlen stand voll unendlichen Friedens . Und durch diese liebliche Abendruhe ging sie . Und neben ihr schritt ein glückseliges junges Paar . Oh , wenn sich dieses Hoffen zu einem Erleben gestalten sollte ! Es war Sophie , als ob sie dann für alles Glück , was ihr selbst versagt worden war , ganz entschädigt sein würde . Sie lächelte strahlend ... Die beiden jungen Menschen gingen indes durch das lebhafte Treiben der winterlichen Weltstadtstraßen . Tulla sagte gleich : » Nicht fahren - bitte . Wir kommen trotzdem zur rechten Zeit hin - vor zehn - das müssen wir - weil doch Ihre Mutter es wollte . « Er merkte : ihr lag daran , durchaus dem Wunsch seiner Mutter zu gehorchen . Das war nun ein merkwürdiges Zusammenwandern : auf Tritt und Schritt abgestimmt . Und die Gleichmäßigkeit des Ausschreitens gab irgendwie ein sicheres Gefühl - als gehöre man von jeher zueinander . Tulla merkte nichts von all den Menschen , die an ihnen vorbeikamen , nichts von Gedröhn der vorüberfauchenden Autos , nicht den Schnee , der als schon angebräunte Schanze sich zwischen Bürgersteigen und Fahrdamm hinzog , nicht den grellen und ungleichen Glanz der tausendfältigen Belichtung . In ihr sang und klang das junge Leben rasch emporgeflammter Liebe . Sie hatte es sich immer gedacht : auf den ersten Blick müsse es kommen . Und daß es sich so erfüllte , machte sie wie berauscht vor Glück . Herrlicher hätte es gar nicht sein und werden können . Ganz gewiß würde Papa mit tausend Freuden alles gebilligt haben . Der Sohn der von ihm so unendlich verehrten Frau ! Wem hätte er seine Tochter lieber geben sollen als diesem . Ja , man konnte geradezu sagen : durch Papa war es so gekommen . Er hatte sie diesen unvergleichlichen Menschen zugeführt . Er hatte ihr die Briefe anvertraut - vielleicht sogar in dem bestimmten Wunsch , daß sein Kind ihr Glück durch einen der Söhne seiner Freundin finde . Tulla war , als ihr dieser Gedanke kam , durchaus geneigt , anzunehmen , daß Papa es so gemeint habe ... Und Mama ? Gott , Mama war so mit sich beschäftigt - und Tulla konnte sich eigentlich gar nicht vorstellen , wie sie nun , als erwachsene Tochter , mit und neben Mama leben solle . Es schien einfach so , als ob neben Mama kein Platz sei . - - Es würde ihr ganz gewiß höchst angenehm sein , die Tochter in einer frühen Heirat gleich untergebracht zu wissen . Zweifellos gab das auch allerlei Unterhaltung für Mama , gerade im ersten Trauerjahr - noch heute mittag hatte sie gesagt : wenn ich nur erst wüßte , was man jetzt anfängt , am besten wird es sein , man geht auf Reisen . - So sah Tulla gar keine Hindernisse . Und auf das merkwürdigste mischten sich bei ihr in den seligen Rausch erster Liebe all diese Erwägungen . Sie dachte sogar daran , daß Mama sehr reich sei , und freute sich dessen , denn falls der geliebte Mann , wie sie vermutete , nicht viel oder gar nichts habe , so machte das nichts aus . Einer mußte Geld haben , natürlich . Aber wer - das war egal . Fiffi v. Samelsohn hatte noch neulich gesagt : das kann unsereiner wenigstens haben - wir können heiraten , wen wir wollen -