ist nicht auch in den Gutgläubigen die Einsicht , daß es besser werden muß mit Kirch und Lehr ? Und du , Vater ? Bist du zufrieden mit deinen geistlichen Herren ? « Der Amtmann trommelte ärgerlich auf einem Buche . Die Antwort fiel ihm schwer . Der Propst , der alte Dekan und ein paar von den Herren im Stift , das waren feste , redliche und aufrechte Männer . Aber diese jungen Chorherren und die übermütigen Domizellaren ! Die entschlugen sich lustig der Regel und lebten , als wäre ihr Wunsch , das Kloster in ein weltliches Stift verwandelt zu sehen , schon erfüllt . Sie vergeudeten das Gut des Stiftes , kümmerten sich keinen Strohhalm um ihren geistlichen Beruf , so daß man zur Übung der Seelsorg bezahlte Kapläne anstellen mußte , derweil die Chorherren den Tag mit Jagen , Fischen und Beizen verbrachten , die Nacht mit Mummereien und Maidenspiel . Um den bürgerlichen Frauen und Töchtern leidliche Ruh vor diesen heiteren Herren zu schaffen , mußte die Gadnische Gemeinde im Badhaus die freie Wohnung stiften für die Hübschlerinnen , für die geschuhten Wachteln , die von Salzburg geflogen kamen . Um solcher Dinge willen hatte Herr Someiner schon manch einen zornigen Fluch verschluckt . Jetzt sagte er mürrisch : » Da redet man nicht davon . Im Amt muß Fürsicht allweil das erste sein . « » Ein Amt ist überall , Vater ! Und drum ist überall die Fürsicht und das Dulden . Und überall die Sittenwildnis der Geistlichkeit . « Herr Someiner verlor die Geduld . » Die heilige Kirch und die Klerisei sind zwei verschiedene Dinge . Ein Knecht , der mißraten ist , macht den Herren nicht schlechter . « » Aber auch nicht besser . « » Bub ! « Der Amtmann sprang auf . » Bist du heimgekomen , um mich in Gefahr zu bringen ? « » Nein , Vater ! « Lampert redete ruhig . » Aber das ist ein Ding , das mich schmerzt . Sollt man da nicht denken dürfen an Hilf ? « » Du wirst den schmierigen Hafen der Zeit nicht sauber machen ! « Dem Gestrengen schwoll die Zornader an der Schläfe . » Laß du die Hilf von denen kommen , die dazu berufen sind . « » Wären die geistlichen Herren nicht berufen als die ersten ? Geistlich ? Kommt dieses Wort nicht vom Geist her ? Aber sie mästen den Leichnam eines faul gewordenen Lebens und lassen der Menschheit redlichen Geist versterben ! Wer und was soll helfen , Vater ? « Herr Someiner wollte heftig erwidern . Da hörte er Stimmen und vernahm von der Schreibstube draußen ein Podien an der Türe . Erschrocken flüsterte er : » Sei still , Bub ! Da kommen Leut . « Der Zorn zitterte noch in seiner Stimme . » Laß dir raten ! Red solch unbeschaffen Zeug nicht vor andern Leuten ! Auch nimmer vor mir ! « Während Lampert die Hand über die Augen preßte , ging sein Vater in die Schreibstube hinaus und sperrte die Flurtür auf . Und als er an Stelle Marimpfels und des Ramsauer Richtmanns , die er erwartet hatte , einen alten Mann und einen jungen Burschen in der schwarzen Tracht der Salzknappen gewahrte , brach der mühsam verhaltene Zorn aus ihm heraus . » Gotts Nöten , was ist das für ein Unfürm ? Wie trauet ihr euch zu lärmen vor meiner Tür ? « Der junge Burch lachte verlegen und zog den Kopf zwischen die Schultern . Und der Alte sagte scheu : » Gestreng Herr Amtmann , der Bub da , das ist der Ulrich Eirimschmalz , ist Stollenknecht bei uns seit Lichtmeß , ist ein Ausländischer , vom Rhein her , und ist in Herberg bei mir . Und der hat ein Ding gemacht , daß ich gemeint hab , ich müßte es dem Gestreng Herrn Amtmann weisen . « » Was für ein Ding ? Ein schlechtes ? « » Ich weiß nit , Herr ! Schauet selber ! « Und der Alte reichte dem Amtmann ein mürbes , zerknittertes Blättlein Papier . Herr Someiner nahm das Blatt , sah es an , zog die Augenbrauen in die Höhe und trat zum Fenster . » Komm , Bub ! Mußt nit Angst haben ! « sagte der Alte , trat mit dem jungen Burschen in die Amtsstube und drückte die Türe zu . Am Fenster betrachtete Herr Someiner das Blatt , auf dem drei schwarze Reihen dicker , gleich großem Schriftzeichen waren , plump und unsauber , schief aneinandergereiht , ähnlich der ungeübten Schrift eines schlechten , schwerhändigen Schreibers . Aber lesen konnte man ' s. Und jede der drei untereinanderstehenden Zeilen sagte das gleiche : ullri eirimsmalz der menzer ullri eirimsmalz der menzer ullri eirimsmalz der menzer Herr Someiner schüttelte den Kopf . » Was ist das für eine Narretei ? « Er guckte das Blatt wieder an , während Lampert aus der Kammer trat . » Das sieht aus , als hätt ' s ein Geisbock geschrieben mit dem Huf ! « » Red , Bub ! « sagte der alte Bergmann . » Tu dem Gestreng alles weisen ! Gelt , Herr , das ist ein erstaunlich Ding ! « » Erstaunlich ? « fragte Lampert . » Was ? « » Daß einer schreiben kann und keine Feder nit braucht . « Lampert nahm das Blatt , das der Vater ihm reicht , und besah die wunderliche Schrift . Der junge Knappe , dem bei der Sache nicht recht behaglich zumute war , begann zu erzählen , immer scheu den gestrengen Amtmann musternd . Er wäre zu Mainz daheim , Sohn eines Zinngießers , von zwölf Geschwistern das jüngste . Vor zwei Sommern , mit achtzehn Jahren , wäre er auf die Wanderschaft gegangen , hätte ein Jahr lang dem Stadthauptmann zu Würzburg als Pavesenknecht gedient , ein Jahr lang dem Bischof von Chiemsee als