Flachswickel um den andern zum feinen Faden drehte . Die Herrische Nun hatte sich also der Weidhofer , mein Ziehvater , wie ein rechter , guter Christ der Jungfer Kathrein angenommen , hatte ihr in der Erbsache wohl geraten und auch ihr Geld in seine Obhut getan . Die Kuh und Geißen standen nun im Stall bei seinem Vieh , und wegen des Waldhauses war er bald mit dem Mädchen einig um fünfhundert Gulden ; denn er meinte , der Grund sei am Wald wohl saftig genug , daß man es mit Klee und Haber darauf probieren könne . Nun waren aber noch alle Stuben im Waldhaus so , wie sie am Todestag der Irscherin gewesen ; der Weidhofer nahm daher Rücksprach mit der Jungfer , ob sie nicht willens wär , das ganze Gerumpel auf den Markt zu stellen und versteigern zu lassen ; denn , meinte er , es nehme ihm den Platz in der Hütte weg und sei dennoch nichts für gut . » Was dir grad bsunder lieb und wert ist , kannst ja in meinen Hof schaffen « , sagte er , als sie ihn mit großen , angstvollen Blicken ansah ; » von mir aus kannst dir auch deine Stuben vollstellen mit dem Zeug ; aber das meiste , die Hauptsach , tät ich hergeben , wenn ich du wär ! « Da sagte sie ja , und nachdem der Hausl mit dem Fuhrwerk das Himmelbett , einen bemalten Kasten , eine Kommode , die Standuhr , die Zither und das Spinnradl samt Tisch , Stühlen und Bildtafeln in den Weidhof gebracht hatte , ließ sie die noch vorhandenen Kästen und Truhen leeren , behielt vom Inhalt , was ihr gefiel , und übergab das andere nebst dem Mobiliar dem alten Donatl , der an jedem ersten Mittwoch im Monat auf dem Marktplatz den Hammer schwang und überflüssige und entbehrliche Dinge wieder nutzbar und wertvoll machte , indem er sie denen , die sein Faß , auf dem er schrie und werkte , umstanden , mit vielen und wohlgewählten Worten anpries und ein ganz respektables Mindestgebot dafür forderte . Ich half überall mit anpacken , auch beim Fortschaffen dessen , das auf den Markt kam , obgleich mir um jedes Stück , das ich aus dem Haus trug und zum Wagen schleppte , von Herzen leid war ; denn ich hing doch viel mehr an dem Waldhaus , als es durch den kurzen Aufenthalt dort eigentlich bedingt gewesen wäre . Aber gewaltsam unterdrückte ich jede Kundgebung meines Schmerzes , um ja dem Mädchen keinen Einblick in mein Inneres mehr zu geben ; denn nichts in der Welt hätte noch vermocht , mich von dem einmal gefaßten Entschluß abzubringen , meine Lieb für sie ganz zu verschließen und zu verbergen . Ich ging ihr aus dem Weg , so gut dies in einem engen Bauernhaus eben möglich war ; und wenn ich mit ihr dennoch beisammen sein mußte , legte ich ein so gleichgültiges , ja unfreundliches Wesen an den Tag , daß sie wohl glauben mußte , ich hätte keinen Gedanken mehr an sie und an das Vergangene . Freilich , in den stillen Nächten , wenn es kein Aug ersehen , kein Ohr vernehmen konnte , da packte mich der Schmerz immer von neuem und trieb mir nicht selten grimmige Tränen in die Augen , wenn ich jener Stunden und Tage gedachte , die ich im Waldhaus mit dem Mädchen verbracht . Ich war durch meine Neigung zu ihr unversehens zu einem reifen Burschen geworden und hatte keinen Augenblick anders gedacht , als daß ich sie dermaleinst werde besitzen und für sie arbeiten können , bis die unselige Erbschaft alle meine Träume und mein Hoffen zerschlug . Gegen Abend war nun das Waldhaus ganz leer , und der Weidhofer ging von Stube zu Stube und sagte zufrieden : » Da hat schon was Platz herin ; herunten machen wir mit Futter voll und droben mit Stroh . Jetzt kann wachsen , so viel als mag ; unterbringen tun wir ' s schon ! « Mit fröhlicher Miene verschloß er alles und ging gemächlich heim ; die Jungfer schritt blaß neben ihm her , und ich folgte ihnen , nachdem ich noch einen Augenblick beim Kreuz verweilt hatte . Der Hausl hatte derweil das Himmelbett und alles andere vom Leiterwagen herab und im Hof aufgestellt , worüber die Weidhoferin so erzürnt war , daß sie uns mit heftigem Schelten empfing , als wir in den Hausflöz traten . Dennoch aber half sie darnach selber mit , die Kammer der Jungfer auszuräumen , und befahl sogleich einer Dirn , den Boden zu fegen und frische Vorhänge aufzustecken . Dann lief sie geschwind in ihre eheliche Schlafkammer , holte geweihten Rauch und Kräuter , legte sie aufs Glutpfännlein und räucherte die Stube damit aus , auf daß dem Kathreinl nichts Übles darin widerfahre . Und da ihr die Jungfer mit einem guten Dank vergalt , wurde meine Ziehmutter plötzlich weich und meinte : » Mußt mir ' s nit sonderlich nachtragen , meine Letzheit gegen dich ! Schau , wenn ich gwißt hätt , wo d ' her bist ... « Sie wurde ganz rührselig und mußte die Schürze an die Augen drücken , so daß das Mädchen mit einem brennroten Gesicht sagte ; » Aber , Weidhoferin ! Zwegen dem brauchts Ihr doch nit zu heunen ! Ob man jetzt von hoch oder nieder stammt - vor unserm Herrgott sind wir doch allesamt bloß arme Würm ! « Der Weidhofer unterbrach sie : » Ein Wetter steigt auf ! Helfts und packts an , daß wir alles trocken unterbringen ! « Da gings ! Die Meßmerin regierte die Leut herbei , die Jungfer stand in der Kammer und nannte den Platz , wo sie ein jedes Ding haben wollte , und nach einer knappen Stunde war die Stube fertig , und das Mädchen gehörte zum Weidhof . Und als nach einer Weile der Sturm ums