, im Hotel sind allerhand ganz nette Leute , und wir kommen uns sehr respektabel vor . Mit dem Dichter muß ich mich vor der Öffentlichkeit duzen , wir haben ihn für meinen Stiefsohn ausgegeben . Sein Ursprung verträgt zwar eigentlich keine nähere Beleuchtung , denn Pedro sieht kaum alt genug aus , daß er für eine Jugendsünde von ihm gelten könnte . Aber Stiefsohn klingt so überzeugend . Und Sir John ist einfach ein Schwager . Bobby kann mich nicht recht begreifen , daß ich Pedro habe fahren lassen . Aber was wäre , wenn ich ihn festgehalten hätte ? Brouilliert er sich mit seinen Leuten , so wird er sehr auf dem trocknen sitzen und ich mit . Liebe in einer Hütte wäre mit diesem Mann sicher ein unglückliches Unternehmen . » Aber wenn sie ihn nun festhält ? « » Ja , da kann man nichts machen . « » Und was soll dann aus Ihnen werden ? « ( Wenn wir allein sind , nennen wir uns meistens wieder Sie . ) » Das steht bei Gott , Bobby . Es haben sich schon klügere Leute als Sie manchmal den Kopf darüber zerbrochen , was aus mir werden soll . « » Wissen Sie , daß Ihr Fatalismus für andere geradezu aufreizend ist ? « » Ja , das habe ich schon manchmal gehört . Aber ich habe es längst aufgegeben , die Vorsehung beeinflussen zu wollen . « » In Rom hatten Sie doch noch die Absicht , ihn um jeden Preis festzuhalten ? « » Wir sind jetzt in Neapel , Bobby , und ich denke , Sie wollen auf Sir Johns ausdrücklichen Wunsch Lebensweisheit von mir lernen . « » Ach , es ist , weiß Gott , ein bitteres Los , Ihr Stiefsohn zu sein , und Ihre Lebensweisheit ... « » Ist tiefer , als Sie in Ihrem Unverstand meinen . Hören Sie also weiter , Bobby - wenn man eine Sache mit Begeisterung und Kraftaufwand betrieben hat , ist es eigentlich immer eine Erleichterung , wenn sie nicht zustande kommt . Ich bin nie glücklicher als in dem Moment , wo ich müßig und bewundernd meine Werke untergehen sehe . Dann kann doch wieder etwas Neues kommen . « » Und wenn nun etwas viel Schlechteres kommt ? « » Ich bin abergläubisch , lieber Bobby - aus Erfahrung . Es gibt Glückserien und Pechserien . Ich zähle sie , und es hat immer gestimmt , mit kleinen Schwankungen . Die Pechserie geht höchstens bis neun , die Glückserie ist kürzer , bis vier oder fünf - Pedro ist gerade auf der Grenze ... « » Nein , bitte , hören Sie auf - eine Frau von Ihrer Intelligenz und solche mittelalterliche ... « » Intelligente Frau ist wieder eine Beleidigung - Sie Dichter ... « » Sir John sagt es auch - und es sei erstaunlich , daß Sie trotzdem immer nur Dummheiten im Kopf hätten ... « » Das ist ein tröstlicher Zusatz , Gott segne ihn dafür , Gehen wir jetzt spazieren , Bobby , die Lektion ist für heute zu Ende . « Wir gingen spazieren und erwogen Zukunftsfragen . Bobby will von hier auf eine griechische Insel gehen und möchte , daß ich mitkäme . Wenn es hier schiefgeht - ja , wenn ... Die griechische Insel ist ein beliebtes Thema . Sir John war aus , Pedro ist fort , und es war eine wundervolle Mainacht . Wir waren beide etwas sentimental aufgelegt , gingen immer wieder auf und ab durch die Straßen . Es war schon beinahe Morgen . » Nein , Bobby ... Sie sind mein Stiefsohn , das streift die antike Tragödie ... « Wir kamen an eine Straßenecke , an der Mauer steht mit Kreide ein großes deutliches : Ja geschrieben - auf deutsch . Das ist sehr merkwürdig , wir bleiben stehen und wundern uns darüber . » Vielleicht gilt es uns ... ? Aber Sie halten ja nichts vom Aberglauben , Bobby ... ? ? « » O doch ! « Ja , lieber Freund - der arme Bobby ist nun auch abergläubisch geworden ... 16 Ich denke ja nach , Doktor , ich denke nach , ich habe noch nie so viel nachgedacht wie jetzt . Alles vereinigt sich , um mich nachdenklich zu stimmen . Ihr Brief und etliche längere Gespräche mit Sir John - es besteht eher die Gefahr , daß ich vor lauter Nachdenken tiefsinnig werde , als daß ich irgendeine große Kopflosigkeit begehe - wie Sie zu fürchten scheinen . Lieber Freund , Sie sind ein Engel an Einsicht und Verstand , aber Sir John hat das Problem meiner Seele doch besser erraten als Sie . Es geht entschieden eine Wandlung mit mir vor , denn , wie Sie sehen , fange ich jetzt auch schon an , mich damit zu beschäftigen . Es war so heiß in der letzten Zeit , und wir sind träge und geschwätzig aufgelegt . Nachmittags bin ich gewöhnlich allein bei Sir John : ich auf dem Sofa , er in einem tiefen bequemen Sessel , zwischen uns ein kleiner Tisch mit Kaffee und Zigaretten . So hielten wir es auch früher schon , in seiner Wohnung - in L ... - nur daß er dann immer in seinem Klubsessel saß - ich betone seinem , denn zwischen dem Klubsessel und ihm bestand eine ganz besondere Zusammengehörigkeit . Also beinah wie mit Ihnen - nein , ich bin Ihnen sehr treu , es ist ganz anders , und eine Kaffeezwiesprache ist durchaus verschieden vom Teegespräch . Nur eine entfernte Ähnlichkeit - Sir John vertieft sich manchmal mit großem Ernst in meinen Charakter und will ihn um jeden Preis ergründen . Das ist im allgemeinen etwas langweilig , ich interessiere mich wenig für meinen Charakter . Er geht doch schließlich nur die anderen an , und es bleibt immer zweifelhaft , ob man überhaupt einen hat . Aber um