Wurzeln bloßlegte , zum Stoffe nahm , - dann nach Hause meldete , er wolle Schriftsteller werden , vielmehr bleiben , und hoffe , von dieser Tätigkeit leben zu können , - da war es dem alten Händler klar geworden , daß dieser Sohn den stabilen Grund und Boden , der für ihn bereit lag , nicht zu schätzen wußte und ihn preisgab . Am meisten wunderte es ihn , daß Stanislaus für seine » Schreibereien « Geld bekam . » Wer gibt für solche Sachen ä Kreuzer ? « fragte er sich kopfschüttelnd , wenn er die Zeitungsblätter , in denen die Artikel des Sohnes erschienen , und die er sich immerhin erbat , in Händen hielt . - - - Was ihm blieb - war die Tochter ! Wenn Olga an ihre » Jugend « dachte , dann graute ihr besonders vor einer Erinnerung ; die fiel in jene Jahre , die man als die holdesten , blühendsten eines Mädchens zu bezeichnen pflegt . Mit 15 Jahren war sie zuerst vor ihrem Spiegelbild stutzig geworden ... Unter den kurzen Backfischkleidern sahen die Füße , in plumpen Stiefeln , lang hervor . Die Gestalt schien eckig und stämmig , nichts saß , wie es sitzen sollte . Die Blutarmut machte das Gesicht blaß , den Teint unrein , häufig von leichten Ausschlägen bedeckt , dazu sommersprossig , wie bei Rothaarigen gewöhnlich . Eine fast immer gedrückte Stimmung preßte die Züge nieder , senkte die Mundwinkel , ließ die Muskeln schlaff hängen und legte um die Augen etwas Trostloses . Mit Grauen gedachte sie immer wieder dieser besonderen Häßlichkeit ihrer ersten Jugend . Später , als ihr Temperament , welches unter einem fast grüblerischen Verstand seine lebendige , wenn auch verdeckte Strömung hatte , manchmal diese Oberschicht sprengte , - da hatte es auch dieses Dunkle , Schwere , welches auf ihrem Körper lag , mitgerissen und fortgeschwemmt . Sie erinnerte sich , wie ein zufälliger Blick in den Spiegel ihr manchmal ein beinahe fremdes Geschöpf zeigte , das etwas Strahlendes im Gesicht hatte , - ein Geschöpf , von dem sie verwundert und frohlockend fragte , - » das bist du ? « Aber damals , in ihren ersten » Blütejahren « , in dem düstern Haus , - da hatte sie sich mehr als einmal , weinend und verzagend , mit dem Bibelwort auf den Lippen gefunden : » Dein Leib ist der Tempel Gottes « . Und ihr schien es , als wäre es der Verzicht des Lebens , den sie annahm , wenn sie es duldete , daß ihr Leib diesen Worten Hohn sprach , wenn sie diesen Körper nicht zwang , schöner zu werden . So sann sie denn oft über die Möglichkeiten günstiger Kleidung , die ihr aber durch ihr geringes Taschengeld und ihren wenig geübten Geschmack ziemlich unerreichbar blieben . Auch vermochte sie keinerlei beengenden Zwang an ihrem Körper zu dulden , und die charakterlose , mitteleuropäische Frauentracht der bürgerlichen Kreise , Rock , Bluse und Gürtel , paßte sich ihren widerspenstigen Körperformen wenig günstig an . Als sie achtzehn und neunzehn wurde , tauchten die ersten Freier auf ; Kaufleute , die in die » Branche « und noch lieber in das gute Geschäft » einheiraten « wollten . Sie kamen , gewöhnlich Freitag abends , aus irgendeiner österreichischen Provinzstadt , zumeist aus Schlesien selbst , wurden am Feiertag - Samstag - im Hause Diamant splendid bewirtet und fuhren Sonntag früh wieder ab . Das Urteil , das sie über die Tochter des Hauses fast einstimmig abgaben , lautete ungefähr dahin , - das sei eine » miese Mad « , - dabei arrogant - » tut sich was « - und , was das Schlimmste sei , - » überbildet « . Keine drei Worte hätte sie geredet , und gehört hätten sie im Ort , daß sie sich mit lauter » Lesereien « den » Kopp einnehme « , anstatt sich um die Küche zu bekümmern und ins Geschäft zu gehen . So mancher äußerte , trotz dieses Eindrucks und dieser wenig empfehlenden Nachrede , den Mut , » sich das Mädel zu erziehen « . Aber die Abwehr der Tochter war unbeeinflußbar , und der Alte zwang sie zu nichts , außer zu ihrer Anwesenheit an dem Tage der » Beschau « . Ihrer flehentlichen Bitte , sie für einige Zeit fort zu lassen , nach Wien oder nach Berlin , widersetzte er sich mit der Begründung , sie hätte dort » nix zu suchen « . Sie bat , ein Lehrerinnenexamen machen zu dürfen , er schlug es rundweg ab ; das seien » Flausen « , die seine Tochter » nicht nötig hätte « . So verstrichen ihre Jahre , - ohne eine Ahnung , welche Richtung ihr Wille nehmen sollte , da ihre ganze Umgebung allen seinen Regungen feindlich war ; - bis eines Tages das Schicksal bei ihr deutlich anklopfte . Sie war eine hervorragende Eisläuferin und verbrachte im Winter ihre besten Stunden auf dem großen Eisplatz , der draußen vor der Stadt lag . Sie besuchte auch die meisten Feste , die auf dem Eis veranstaltet wurden , - und an denen die höheren Schichten der Juden , die Beamten , die Familien der polnischen Industriellen und die Offiziere , die hier in Garnison lagen , teilnahmen . Bei einem Maskenfest auf dem Eis erschien sie als Teufelin , in schwarzrotem Sammetkostüm , die rostroten Haare gelöst über dem Rücken , auf dem Kopf ein schwarzes Sammetkäppchen , mit zwei festen , kleinen Holzhörnern , dicht verlarvt . An diesem Abend machte sie die Bekanntschaft eines jungen Offiziers , der ebenfalls einer der besten Läufer war und mit ihr die schwierigsten Figuren lief . Er war in Uniform , nicht verkleidet . Sie war schon öfters mit Offizieren gelaufen , war aber über die flüchtigsten und leersten Reden mit ihnen nicht hinausgekommen . Anders diesmal . Der hochgewachsene Offizier , mit den feinen Profillinien