erst recht programmäßig . « » Schade , « meinte Lolo , » ein Programm ist nie was Überraschendes . « Hilmar lachte : » Willst du mich überraschen ? Wozu ? Nein , unsere Bräute sollen nicht Überraschungen sein , sondern hübsche Notwendigkeiten . « Als sie an den Fischerhäusern vorübergingen , begann auch Lolo von Doralice zu sprechen , erzählte ihr Abenteuer , erzählte von dem Kuß und den roten Rosen . » Ach , die durchgebrannte kleine Gräfin ist hier « , sagte Hilmar , » nun , es ist gut , daß sie dich gerettet hat , aber sag , warum sprichst du von ihr mit einer so gerührten Stimme , als sei sie etwas Heiliges ? Durchgebrannte Gräfinnen sind doch wohl nichts besonders Heiliges . « » Weil sie mich rührt « , entgegnete Lolo erregt . » Ich weiß selbst nicht warum . Vielleicht weil sie so schön und doch nicht gut ist . Vielleicht aber , wenn jemand so schön ist , muß man ihn lieben , aber sie tut etwas weh , diese Liebe . Ich glaube , wenn einer sich in die Gräfin verliebt , dann muß es schmerzen . « » Nun , nun « , beruhigte Hilmar sie , » wird es denn so arg sein mit dieser Schönheit ? « » So zum Beispiel « , fuhr Lolo fort , » mich zu lieben ist da nichts , gar nichts Schmerzhaftes dabei , sag ? « » Nein , gar nichts « , versicherte Hilmar , » im Gegenteil , wenn man dich liebt , fühlt man sich riesig gut , riesig vornehm . Ich merke das jedesmal , ich werde da fast verlegen vor mir selber . Als Kind wurde mir am Sonntage ein blauer Sammetkittel angezogen , ein weißer Spitzenkragen umgelegt und das Haar wurde mit einer Pomade glatt gestrichen , die stark nach Orangenblüten duftete . Und wenn ich so angezogen war , fühlte ich mich so fein , so vornehm , daß ich mich vor Andacht vor mir selber kaum zu rühren wagte . « » Und ich « , rief Lolo enttäuscht , » ich bin für dich wie der blaue Sammetkittel und die Orangenblütenpomade . « » Und der Sonntag « , ergänzte Hilmar , » ja , so ähnlich . Aber wer kommt denn dort ? « » Das ist sie « , flüsterte Lolo . Ihnen entgegen kamen Hans und Doralice . Als sie aneinander vorübergingen , nickte Doralice lächelnd Lolo zu , die beiden Herren grüßten förmlich . » Nun ? « fragte Lolo , sobald sie vorüber waren . » Gewiß , allerdings « , sagte Hilmar , » ein schönes Kindergesicht mit einem merkwürdig schicksalsvollen Munde . « Lolo schwieg eine Weile , dann wiederholte sie sinnend : » Ein schicksalsvoller Mund , das hast du gut gesagt , ich suche lange schon einen Ausdruck für diesen Mund . Es muß seltsam sein , einen schicksalsvollen Mund zu haben , ich kann mir das denken , ja ich fühle das jetzt so deutlich , so stark , daß ich überzeugt bin , ich habe in diesem Augenblicke auch einen schicksalsvollen Mund . Küsse mich jetzt und du wirst sehen . « Sie blieb stehen und hielt ihr ernstes , vom Monde hellbeschienenes Gesicht hin und als Hilmar sie geküßt hatte , fragte sie gespannt : » Nun ? « Hilmar schüttelte den Kopf : » Von Schicksal keine Spur . Mehr ein friedlicher Pfingstsonntag auf dem Lande . « Lolo zuckte die Achseln und seufzte . » Nein , warte « , fuhr Hilmar fort , » es ist doch anders , dich hier vor dem Meere zu küssen , kommt mir wie eine kolossale Frechheit vor . Es ist so , als sähen alle fünf Weltteile uns zu , das ist ein eigentümliches Gefühl . « » Nein , das will ich nicht « , rief Lolo und machte sich von ihm los . Siebentes Kapitel Der nächste Tag war ein Sonntag . Die Generalin und Frau von Buttlär saßen in ihren Strandkörben und lasen Andachtsbücher . Zuweilen hob Frau von Buttlär den Blick und schaute auf den hellbeschienenen Strand und auf das Meer hinab , das heute blau und golden und ruhig wie ein Teich war . Plötzlich blieben ihre Augen an zwei bunten Figürchen hängen , die dort an der gelben Dünenwand entlang gingen . Doralice im türkisblauen Sommerkleide , einige von Lolos roten Rosen im Gürtel unter einem roten Sonnenschirm ging neben dem Baron Buttlär her . Der Baron schien lebhaft zu sprechen und seine ganze Gestalt , seine Art zu gehen drückten höfliche Liebenswürdigkeiten aus . Frau von Buttlär schlug mit der flachen Hand auf ihr Buch und sagte : » Da haben wir ' s. « Auch die Generalin hatte aufgesehen und meinte : » Nun , er hat es eilig mit dem Dank . « - » Dank , « rief Frau von Buttlär , » der war überhaupt nicht nötig . Ich verstehe Buttlär nicht . Er hat eine Frau , hat erwachsene Töchter und kompromittiert uns so . Was kann diese Person ihm bieten ? Was will er von ihr ? « » Nichts , nichts « , beruhigte die Generalin , » er kann eben das Kokettieren noch nicht lassen . Es ist immer dieselbe Geschichte , wenn ihr heiratet , wollt ihr hübsche Männer haben , aber ein hübscher Mann konserviert sich länger als unsereins , der bringt keine Kinder zur Welt , er schont sich mehr und da dauert die Lust am Kokettieren länger als bei uns . « » Aber Mama « , protestierte Frau von Buttlär entrüstet , » die Ehe ist doch zu heilig , als daß solche Dinge in Betracht kämen . « » Die Ehe , meine Liebe « , versetzte die Generalin , » ist vielleicht sehr heilig , aber unsere Männer sind es nicht . Übrigens wird es