wundert mich manchmal , wie bereit ich alles Erwartete aufgebe für das Wirkliche , selbst wenn es arg ist . Mein Gott , wenn etwas davon sich teilen ließe . Aber wäre es dann , wäre es dann ? Nein , es ist nur um den Preis des Alleinseins . Die Existenz des Entsetzlichen in jedem Bestandteil der Luft . Du atmest es ein mit Durchsichtigem ; in dir aber schlägt es sich nieder , wird hart , nimmt spitze , geometrische Formen an zwischen den Organen ; denn alles , was sich an Qual und Grauen begeben hat auf den Richtplätzen , in den Folterstuben , den Tollhäusern , den Operationssälen , unter den Brückenbögen im Nachherbst : alles das ist von einer zähen Unvergänglichkeit , alles das besteht auf sich und hängt , eifersüchtig auf alles Seiende , an seiner schrecklichen Wirklichkeit . Die Menschen möchten vieles davon vergessen dürfen ; ihr Schlaf feilt sanft über solche Furchen im Gehirn , aber Träume drängen ihn ab und ziehen die Zeichnungen nach . Und sie wachen auf und keuchen und lassen einer Kerze Schein sich auflösen in der Finsternis und trinken , wie gezuckertes Wasser , die halbhelle Beruhigung . Aber , ach , auf welcher Kante hält sich diese Sicherheit . Nur eine geringste Wendung , und schon wieder steht der Blick über Bekanntes und Freundliches hinaus , und der eben noch so tröstliche Kontur wird deutlicher als ein Rand von Grauen . Hüte dich vor dem Licht , das den Raum hohler macht ; sieh dich nicht um , ob nicht vielleicht ein Schatten hinter deinem Aufsitzen aufsteht wie dein Herr . Besser vielleicht , du wärest in der Dunkelheit geblieben und dein unabgegrenztes Herz hätte versucht , all des Ununterscheidbaren schweres Herz zu sein . Nun hast du dich zusammengenommen in dich , siehst dich vor dir aufhören in deinen Händen , ziehst von Zeit zu Zeit mit einer ungenauen Bewegung dein Gesicht nach . Und in dir ist beinah kein Raum ; und fast stillt es dich , daß in dieser Engheit in dir unmöglich sehr Großes sich aufhalten kann ; daß auch das Unerhörte binnen werden muß und sich beschränken den Verhältnissen nach . Aber draußen , draußen ist es ohne Absehen ; und wenn es da draußen steigt , so füllt es sich auch in dir , nicht in den Gefäßen , die teilweis in deiner Macht sind , oder im Phlegma deiner gleichmütigeren Organe : im Kapillaren nimmt es zu , röhrig aufwärts gesaugt in die äußersten Verästelungen deines zahlloszweigigen Daseins . Dort hebt es sich , dort übersteigt es dich , kommt höher als dein Atem , auf den du dich hinaufflüchtest wie auf deine letzte Stelle . Ach , und wohin dann , wohin dann ? Dein Herz treibt dich aus dir hinaus , dein Herz ist hinter dir her , und du stehst fast schon außer dir und kannst nicht mehr zurück . Wie ein Käfer , auf den man tritt , so quillst du aus dir hinaus , und dein bißchen obere Härte und Anpassung ist ohne Sinn . O Nacht ohne Gegenstände . O stumpfes Fenster hinaus , o sorgsam verschlossene Türen ; Einrichtungen von alters her , übernommen , beglaubigt , nie ganz verstanden . O Stille im Stiegenhaus , Stille aus den Nebenzimmern , Stille hoch oben an der Decke . O Mutter : o du Einzige , die alle diese Stille verstellt hat , einst in der Kindheit . Die sie auf sich nimmt , sagt : erschrick nicht , ich bin es . Die den Mut hat , ganz in der Nacht diese Stille zu sein für das , was sich fürchtet , was verkommt vor Furcht . Du zündest ein Licht an , und schon das Geräusch bist du . Und du hältst es vor dich und sagst : ich bin es , erschrick nicht . Und du stellst es hin , langsam , und es ist kein Zweifel : du bist es , du bist das Licht um die gewohnten herzlichen Dinge , die ohne Hintersinn da sind , gut , einfältig , eindeutig . Und wenn es unruhigt in der Wand irgendwo , oder einen Schritt macht in den Dielen : so lächelst du nur , lächelst , lächelst durchsichtig auf hellem Grund in das bangsame Gesicht , das an dir forscht , als wärst du eins und unterm Geheimnis mit jedem Halblaut , abgeredet mit ihm und einverstanden . Gleicht eine Macht deiner Macht in der irdischen Herrschaft ? Sieh , Könige liegen und starren , und der Geschichtenerzähler kann sie nicht ablenken . An den seligen Brüsten ihrer Lieblingin überkriecht sie das Grauen und macht sie schlottrig und lustlos . Du aber kommst und hältst das Ungeheuere hinter dir und bist ganz und gar vor ihm ; nicht wie ein Vorhang , den es da oder da aufschlagen kann . Nein , als hättest du es überholt auf den Ruf hin , der dich bedurfte . Als wärest du weit allem zuvorgekommen , was kommen kann , und hättest im Rücken nur dein Hereilen , deinen ewigen Weg , den Flug deiner Liebe . Der Mouleur , an dem ich jeden Tag vorüberkomme , hat zwei Masken neben seiner Tür ausgehängt . Das Gesicht der jungen Ertränkten , das man in der Morgue abnahm , weil es schön war , weil es lächelte , weil es so täuschend lächelte , als wüßte es . Und darunter sein wissendes Gesicht . Diesen harten Knoten aus fest zusammengezogenen Sinnen . Diese unerbittliche Selbstverdichtung fortwährend ausdampfen wollender Musik . Das Antlitz dessen , dem ein Gott das Gehör verschlossen hat , damit es keine Klänge gäbe , außer seinen . Damit er nicht beirrt würde durch das Trübe und Hinfällige der Geräusche . Er , in dem ihre Klarheit und Dauer war ; damit nur die tonlosen Sinne ihm Welt eintrügen , lautlos , eine gespannte , wartende Welt , unfertig