er ist ein schrecklich Omen . Siehet aus wie eine Geißel , mit der unser Herrgott die sündige Welt will züchtigen . Barmherziger Heiland , vergib uns unsere Schuld , wie auch wir vergeben unsern Schuldigern ! Lassen wir das Zanken , Herr Doktor Giacomini ! Buße tun ist nötiger . Denn nunmehro soll anheben ein grausam Schlachten und Sengen , Hungersnot und Pestilenz . Und wer weiß , ob nicht gar der Spruch vom Jahre zehn und acht sich erfüllet und die ganze Welt untergehet .... Barmherziger Heiland ! « Wenige Tage nach diesem Abenteuer trieb mich und den Oheim die Neugier , bei Tage zur Abendburg zu gehen , um nachzuschauen , was denn eigentlich sich begeben habe . Wir machten uns bei klarem Wetter des Morgens auf und gingen auf dem nächsten Wege über den Hohen Stein zur Abendburg . Hu , welch grausig Bild ! An der Nordseite des Bergkammes war die ganze Waldwand vom Sturme niedergeworfen . Hunderte von Fichten mit der Wurzel ausgerissen und quer über den Preißelbeerweg geworfen . Ein paar mächtige Bäume lehnten sich an den Abendburgfelsen , und einer davon hatte mit seinen Zweigen in unser Zaubertreiben hineingehauen . Schweigend schüttelte der Oheim den Kopf . Dann meinte er : » Ist das nun ein Naturereignis , oder ist es eine Strafe dafür , daß wir unter dem Unglückssterne gezaubert und dazu dem magischen Gebot zuwider unser Schweigen gebrochen haben ? « » Aber Oheim , « entgegnete ich , » niemand hat das Schweigen gebrochen - nicht eher , als bis die Fichte auf uns niedergestürzt ist . Drum wird es wohl nur ein Sturm gewesen sein , was unser Fürhaben vereitelt hat . « In diesem Moment machte der Oheim ein erstaunt Gesicht und deutete auf eine Höhlung im Abendburgfelsen : » Das war doch früher nicht ? « Eine Tanne , so ihre Wurzeln hier in Felsenritzen eingelassen hatte , war vom Windstoß ebenfalls umgeworfen , hatte aber dabei mit den Wurzeln einen Stein ausgehoben , unter dem nun die Öffnung klaffte . Als wir hineinspähten , merkten wir , daß sich eine Höhlung erschlossen hatte . Prüfend sahe mich der Oheim an : » Hast du Mut , hineinzuklettern ? « Ich bezwang meine Furcht und nickte , worauf ich , die Füße voran , in den Spalt rutschte . Gelangte in eine Felsengrotte , fand aber beim Umhertappen , daß sie nicht größer als eine Stube . Kroch nun wieder ins Freie und berichtete dem Oheim . Der nickte gedankenvoll und meinte : » Dabei ist dennoch Zauber im Spiel . Du siehest ja , Johannes , die Abendburg hatte schon begonnen , sich aufzutun und wäre sicherlich gänzlich offen worden , wenn der vermaledeite Italiener nicht das Schweigen gebrochen hätte . Das Umwerfen der Bäume war halt eine Versuchung , wie sie mancher Zauberer zu bestehen hat . Ich werde doch selber in die Höhlung gehen und forschen , ob sie vielleicht zu den Schätzen leitet . « Darauf bearbeitete der Oheim mit seiner Axt die erdigen Stellen des Felsenspaltes , so daß man bequemer hineinschlüpfen konnte und kroch in die Grotte , worauf ich folgte . Doch die Prüfung des Innern führte zu keinem günstigen Ergebnis . Die Höhlenwände waren von Granit und öffneten sich an keiner Stelle zu einem weiteren Gange . So mußten wir denn , nicht ohne Enttäuschung , den Heimweg antreten . Als ich mich bereit machte , wieder zu meinen Eltern nach Hirschberg heimzukehren , sprach der Oheim gebieterisch : » Du weißest , daß du , mein Famulus , zum Schweigen verpflichtet bist . Sprich zu niemand , auch zu deinen Eltern nicht von dem , was sich begeben hat , und bleibe des festen Glaubens , daß es dir dennoch gelingt , den Abendburgschatz zu heben . « Kleinlaut aber fügte er hinzu : » Der Italiener wird uns doch nicht zuvorkommen ? Wenn ich nur herausbrächte , was in der Phiole gewesen ! Alsdann getraute ich mir , ohne ihn die Zaubersuppe zu bereiten . « Warum sollte es nicht eine geheime Kunst geben , vermöge deren man in der Knospe schon die Frucht , im Ei den werdenden Vogel erkennt ? Daß aber unscheinbaren Dingen etwas von der Knospe und vom Ei eigen sein kann , wird an meiner Jugendgeschichte offenbar , wie denn aus den Mären vom eingemauerten Mägdlein und vom Schatz der Abendburg , aus meines Vaters Bericht über den unterirdischen Gang , aus der zigeunerischen Weissagung und aus den knabenhaften Streitigkeiten mit Zetteritz die wichtigsten Ereignisse und Wendungen meines Lebens herfürgewachsen sind . Auch mein Comödiaspielen im Schlosse Kynast war gleichsam eines Vogels Ei , weil es dazu führte , daß mir Hans Ulrich seine Gunst zuwandte . Wie ich ihm einmal in der Rosenau begegnet bin , hat er mich ins Auge gefaßt , sein Pferd angehalten und lustig gesagt : » Ei das ist ja der liebe Gott , der sich mit dem Teufel gebalgt hat . « Und oft hat mich seitdem Hans Ulrich , wenn unsere Wege sich trafen , mit dem spaßigen Spitznamen angeredet . Hat den » lieben Gott « sogar in seinen Dienst genommen und als ein Schreiberlein seines Dominiums zu Warmbrunn installieret . Die kriegerischen Zeiten haben das so gefügt . Da ich nämlich das Gymnasium absolviert hatte , meine Eltern aber wegen des böheimischen Aufruhrs und der allgemeinen Unruhen nicht wagten , mich zur Universität nach Breslau oder Prag ziehen zu lassen , und da sie nicht wußten , was mit dem müßigen Burschen anzufangen , habe ich von ihnen gern die Erlaubnis erhalten , brieflich den Herrn Schaffgotsch um einen angemessenen Posten anzugehen . Meine Kammer ist im Dominium dicht neben der Kanzlei gewesen , Essen habe ich aus des Herrn Verwalters Küche empfangen und dazu jeden Sonnabend noch sechs , später zehn Groschen Besoldung . Zustatten gekommen ist mir später , daß ich in meinem Amte mit Gewandtheit reiten , auch