so würde ich seine Füße küssen . O Gesundheit ! du Seele der Welt , warum hast du die Poeten verlassen ? Ich danke der Geschichte nur für zwei Bücher , die sie gerettet , für den gesunden Homer und den gesunden , strotzend gesunden Shakespeare . Alles war tot ; ich vergaß das Fortgehen . » Ich hoffe Sie mehr zu sprechen « - hörte ich neben mir und gewann kaum Zeit , der fortrauschenden Fürstin mich zu empfehlen . Die Nacht und den andern Tag hatte ich für niemand Zeit . Shakespeare war bei mir , ich hielt Tür und Fenster verschlossen . An Desdemona hatte ich viel geschrieben . Am zweiten Morgen hatte ich die schönsten Antworten . So hatte ich mir das reizende Weib gedacht , jede Zeile war Poesie , war Herzblut . Aber ein resignierendes Opfergeschöpf war sie und blieb sie wie Othellos Weib . Ihre Liebe versprach eine grausame Wollust zu sein . Die Keime des Todes streckten ihre Spitzen aus jedem Gedanken . Ich fühlte ein inniges Erbarmen mit ihr und konnte sie nicht sehen , sie verlangte es auch nicht , aber wir schrieben uns fleißig . Ihr Mädchen , das mir die Briefe brachte , hatte einmal auch das kleine liebe Kind mit sich , ich spielte einen ganzen Vormittag im Sonnenscheine meines Zimmers mit dem kleinen Dinge . » Du bist wohl ein großer Herr , meine Mutter erzählt mir , daß du mit der Prinzessin sprichst , « lallte das kleine harmlose Geschöpf und erinnerte mich zu ihrer Mutter Nachteil , daß ich noch nicht bei der Fürstin gewesen . Ich fuhr hin , das schöne Weib tat anfänglich stolz , sie war verletzt durch meine Nichtachtung , Ungezogenheit . Sie ist klug und sehr unterrichtet . Wir sprachen über unsere Literatur . Das Gespräch wurde warm , ja , es ward üppig , als wir auf Goethes Elegien kamen . Es überraschte mich äußerst angenehm , ein Weib so ganz ohne Prüderie zu finden ; sie sprach keck wie eine Griechin von ihrem Entzücken über die Darstellung jener italischen Szenen . - - Eben empfange ich Deinen Brief , erlaube , daß ich ihn erst lese , ehe ich weiter schreibe . 12. Konstantin an Hippolyt . Frag doch einmal den Valerius , welche Bewandtnis es mit seinem letzten Billett habe , das mir aus einem bedeutenden Gesandtschaftshotel zugeschickt worden ist und in dessen Begleitung ich eine zierliche Einladungskarte in jenes Hotel erhielt . Ich war eben mit einer Auktion meiner letzten reputierlichen Kleider beschäftigt , der gallonierte Bediente nahm sich schnurrig unter meinen Juden aus . Es war der letzte Tag meiner äußerlichen Anständigkeit , im himmelhohen Dachstübchen meiner jetzigen Höhe soll der geputzte Lakai mich schwerlich wiederfinden . Ich sehe hoch herab auf den steifen Berliner Jammer . Tut mir nur den Gefallen , in Euren etwaigen Novellen keine miserablen Kerls mit prächtigen Ansichten auszustaffieren , sondern die Gestalten möglichst bedeutend zu machen - etwa von meiner Figur . Diese genialen Kerls , die bloß deshalb unglücklich sind , weil ihnen eine beträchtliche Dosis Menschenverstand fehlt und weil sie auf der Welt nicht wie auf dem Dudelsacke spielen können , sind mir im höchsten Grade zuwider . - Ich gebe mir alle ersinnliche Mühe , um glücklich zu sein , wenn ich früh mit der Morgensonne die tote Stadt betrachte und den lustigen Rauch aus den Schornsteinen steigen sehe , da will mich oft eine Träne beschleichen und eine wimmernde Elegie zerbröckelt sich auf der Zunge , aber ich jage das dumme Zeug fort und nehme meinen alten Moniteur von 1793 zur Hand und lese ihn mit starker Stimme in die Morgenluft hinaus . Da kommt mir bald der Zorn gegen die jämmerliche Welt , die ihren Geburtstag vergessen hat , und wenn der Zorn erst kommt , da ist alles gut . Nach der Liebe ist er die edelste Leidenschaft . Ich gehe oft einen ganzen Tag lang zürnend auf meiner kleinen Stube hin und her ; denn der einzige Rest meiner Zivilisation , der mir geblieben , mein Mantel von Marengo , der mich Tag und Nacht schützt , erlaubt mir nicht , am Tage auszugehen . - Die Zukunft kümmert mich nicht ; wären wir nicht alle zukunftskrank , so würden wir eine stärkere Gegenwart haben . Mache Dir alles Angenehme recht anschaulich und betrachte das Unangenehme als ein notwendiges Übel - hätte ich nicht für mich selbst diese Registratur der notwendigen Übel errichtet , beschäftigte ich mich nicht mit allem Unangenehmen , bis es mir wenigstens interessant und für eine Novelle brauchbar erscheint , ich würde wahrlich nicht so guten Mutes sein . Ich lache doch alle Wochen wenigstens einmal . Auch les ' ich jetzt fleißig in der Bibel ; ich will doch mit Vernunft über den Unsinn räsonieren , nach achtzehnhundert Jahren noch immer ungestört von einem Buch sich gängeln zu lassen , das unwissende Schüler einem großen Meister nachlallten . Die » Menschenrechte « daneben geben die Glossen dazu . Die weibliche Nachbarschaft mit ihren Gewissensfragen in Grünschloß amüsieret mich sehr . Die Weiber sind noch heute wie die Helden in den alten Novellen , die sich beim ersten Begegnen ihre Lebensgeschichten abfragen . Macht Ihr noch keine Sonette ? Diese Dichtungsart ist ja wie für Eure Lage erfunden . Man muß beim Sonett nur immer die Form in größter Vollkommenheit voraussetzen und so wie die Färbung beim Gemälde , der Stein bei der Bildsäule Bestandteile der Schönheit sein können , wenn auch der Gedanke die Hauptsache bleibt , so ist ' s auch beim Sonett . Das äußerlich Glänzende verteidigt niemand weniger als ich , aber beim Sonett darf ' s nicht bloß dieses sein : den äußeren Glanz muß eben die innere Harmonie geben . William sagt gut : » Es ist eine Säulenordnung , wo jede Säule zur andern und alle zum Ganzen in schöner Beziehung , klarem Verhältnis stehen müssen . « Man mache