gemalt . Er liebte nichts Rohes . » Das dicke Gepatze « ließ ihn lachen . Er nannte es » mauern « . » Pfui Teufel , « sagte er . » Fein wie ein Ton ! « So malte er . Aber tolle Töne manchmal , wie schrilles Geigen . Meister Teodor hielt sich Augen und Ohren zu . Nicht Waldidylle mit Blumen , Vergißmeinnicht und allerlei Kraut , wie bei einem Botaniker , bei Einhart sollte man Studien machen , wie in einer Schemen- und Lichtwelt , die nicht im grob Körperlichen , die nur in feinen Traumvisionen ihre Zauber spinnt . So etwas regte alle auf . Und Einhart war an der Akademie bald bekannt wie ein böses Gewissen oder wie ein verkappter Narr . 4 Professor Soukoup lehrte an der Akademie Kunstgeschichte . Ein finsterer , abwehrender Mensch , der einen weichen Glanz erst dann in sein großes , ernstes Grauauge bekam , wenn er vor einem Kunstwerke stand und die Reize der einzelnen Gestaltung vor den harrenden Jüngern nachlebte . Dann konnte man ihm anmerken , daß er es ganz ereignismäßig empfand , wie da im Werke der gestaltende Mensch sich aus eigenen , unbekannten Tiefen genuggetan und Feingefühle und Erkennungen der Dinge ans Licht gebracht , die man nur vergeblich noch anders als in der Einheit seiner geistigen Schöpfung selbst greifen kann . Professor Soukoup stand dann mit wahrer Andacht . In solchen Momenten war er eine volle Hingabe . Die junge Kunstschar hörte dann aus Bild oder Stein Sinn und Harmonie heraus . Und niemals , daß nicht Einhart in solcher Stunde innig aufgewühlt die Fülle und Tiefe ermaß , die ihm dann ein wahrer Abgrund Leben schien , aus der allezeit Kunst der Menschenseele entströmte . Einhart konnte Professor Soukoup nicht ohne Bewegung ansehen . Wenn er ihn auf der Straße zufällig traf , war er in seinen Anblick meist schon von ferne so versunken , daß er eine lange Weile seinen Hut in der Hand hielt , weit ehe der Professor heran war . Professor Soukoup hatte einmal in seiner Vorlesung dargelegt : » Wir sind zu indisch , zu duldsam , zu versöhnlich . Es gibt für uns nur noch leidende , nicht mehr verschuldete Menschenkinder , womöglich nur noch von der Not um den Pfennig Geplagte . Die sozialen Leiden haben es uns angetan . Das gibt keine ehernen Schicksale . Das gibt keine wahre Tragödie . - Meine jungen Freunde : Wir alle tragen zuerst die Last des Erdenkörpers und die heißen Geschenke seiner Triebe und seiner Freiheit . Wir sind nicht zuerst soziale , sondern kosmische Wesen . Wir alle tragen , verkettet wie wir sind in diese Triebe und in diese Freiheit , unsre Verantwortung vor uns selber , und also nicht nur Leiden , sondern Sünden . Das große Lied der Kunst ist nie den Leiden eines dürftigen Gesellschaftslebens , es ist den ewigen , tiefen Gebresten der Menschenseele , ihrer tragischen Naturveranlagung und Schicksalsverkettung gesungen . Vielleicht nur zu flüchtiger Stillung , vielleicht auch zu einer fernen Verheißung . Ermessen Sie die ganze Kraft der Antike , die in ihrer Mythe Orpheus um Euridike , um die Unschuld der Menschenseele , im Lande der grausen Schatten so süß und verheißend spielen ließ , nicht , daß der sehr allgemeine , vom Gesellschaftsleben zersorgte und geplagte Mensch erheitert oder beruhigt werde , sondern daß der ewig Schicksalsgebundene einen Augenblick wirklich Erlösung spüre von seinen ehernen Zwängen , daß Jxions Rad , daran er aus seinen Lüsten heraus angeschmiedet liegt , wirklich einen Augenblick stille stehe , daß Tantalus , von seiner heißen Gier abgelenkt , eine Weile lausche , daß die aus ihren Taten heraus verfluchten belischen Jungfrauen aufhorchen , und die steinernen Schicksalsführerinnen selber aus ihrer ewigen Erstarrung einen Augenblick wirklich erweichen und ihre ersten Tränen vergießen . « Nun , wenn Einhart solche Verkündigung seiner Mission hörte , konnte er gar nirgends bleiben . Er konnte auch unmöglich darnach reden mit jemand . Er hatte solche Dinge nie gehört . Weder daheim , wenn er seine Skizzen gemalt , noch irgendwo sonst hatte er derartige Blöcke gewälzt . Er begriff es auch durchaus nicht voll . Er ahnte es nur . Aber er ahnte es so drängend und so tief , jetzt , wenn er hastig durch die Menge lief , straßauf , straßab , daß ihm das Herz aufschwoll und er nicht wußte , wo er in seiner inneren Erglühung eigentlich gelaufen war . Einhart sah jetzt wieder ziemlich verwahrlost aus . Er vernachlässigte sich , je stärker ihm die Fülle der Gesichte anwuchs . Er lebte auch in diesen Zeiten ein sehr unregelmäßiges und zerrüttendes Leben . Nach einem Tage bei Professor Soukoup konnte er schon ganz und gar nicht Ruhe finden . Dann saß er bleich und mager und vergraben am späten Nachmittage jetzt in den Wintertagen in der Ecke des Sofas in der kleinen Konditorei , wo sich auch andere Malschüler und Bildhauer um tausend Methoden des Bildens im allgemeinen grob und hart zankten , sah verhärmt und scharf vor sich hin und rauchte und trank , bis der Abend kam und die Nacht . Er ließ sich auf nichts ein zuerst . Er wies alle Meinungen einfach als Verrücktheiten schroff von sich , empfand nur die Flucht seiner Ahnungen wie ein Meer und stammelte dann in der Betrunkenheit schließlich die tollsten Projekte , malte im Geiste die ganze Unterwelt der modernen Menschenseele in grausigen Schicksalsgestalten hin vor die Augen seiner staunenden Kameraden , höhnte über Professor Teodor , der lieber ein modernes Café oder einen Prunksaal niedriger Schwelger ausmale , als wirkliche , große , stillende , ewig junge Künste erhärme . » Dieses großen Meisters Seele ist mit billigen Nacktheiten vollgehangen , « stieß er dann hart und hohnlachend hervor . » Und der andere große Mann läd die Krüppel und Lahmen herein , « schrie er , » weil zu der Hochzeit die Erlesenen sich nicht