aus jeder Steinritze hervorruft , so mag auch der geistige Schaffenstrieb hier eine viel schnellere Betätigung besitzen ; und was den Rhythmus betrifft , so ist er im Süden gewiß angeboren , wie es mir schon die rhythmischen Tänze zu beweisen scheinen , die so ganz anders als im Norden in den Bewegungen des ganzen Körpers die angeborene Freude am Rhythmus beweisen , dessen Ausdruck sie sind . « » Ja , das ist gewiß so , « sagte der Professor , » und dabei stehen ihnen so viel mannigfaltigere Vorstellungen zu Gebote wie dem Nordländer , was Naturszenen betrifft , und mit ihren lyrischen Empfindungen mag es auch einen rascheren Verlauf haben , wie es die Aufwallungen ihres feurigen Temperaments im Zorn sowohl wie in der Liebe beweisen . « » Aber dafür kennen sie die Sehnsucht und die weicheren Gefühlstöne nicht , « bemerkte Raden , » und das ist eben so seltsam bei unserer Improvisatrice , daß sie die auch hat , und zwar besonders hat noch über den anderen . « » Nun , ihr Vater war ein Deutscher , « versetzte der Prinz , » und dazu kommt ihre große Jugend und ihr reines , noch von keiner Leidenschaft berührtes Gemüt . « » Ach , möge es ihr doch so bleiben , « meinte Raden ; » mir kommt sie vor wie eine zarte Blüte , die der Sturm der Leidenschaft knicken würde , wenn er sie ergriffe . Übrigens hofft sie bestimmt auf Ihren Besuch , Prinz ; ich habe ihn ihr verheißen . « » Ja , ich werde hingehen , « sagte Waldemar , dem es lieb war , seinen Gefährten zu entgehen und die Zeit , die er nicht bei Giulia verbringen konnte , mit etwas auszufüllen , was ihn von den quälenden Gedanken , die sich in ihm jagten , befreien könnte . Rosa saß traurig in ihrem Zimmer und fragte sich selbst , warum ihr plötzlich das Leben so öde und freudlos schien und was das sehnsuchtsvolle Weh sei , das an ihrem Herzen nagte . Vergebens wollte sie sich einreden , es sei nur die Sorge um des Prinzen Wohl , daß er sich nicht in eine unheilvolle Leidenschaft verstricke , seinen hohen Idealen untreu werde - sie mußte sich endlich gestehen , es sei auch ein persönliches Gefühl dabei , die Sehnsucht nach seiner Gegenwart sei nur die Verkündigerin der Liebe , die in ihrem Herzen wie eine Blüte der Poesie aufgekeimt war und ihr jetzt erst an dem Weh , das sie fühlte , zur Erkenntnis kam . Ihre Begleiterin war ausgegangen , sie hatte versucht , sich durch Arbeit zu zerstreuen , aber unwillkürlich hatte sie wieder nach des Prinzen Gedichten gegriffen und las ein Blatt nach dem anderen mit solch zärtlicher Aufmerksamkeit , als hätte sie sie noch nie gelesen , und doch kannte sie sie beinahe auswendig . Da klopfte es an die Tür und in der Meinung , daß es Vittoria sei , rief sie » Herein ! « ohne nur den Kopf zu bewegen , da sie schnell die losen Blätter wieder in die Mappe legen wollte . Mit einem kurzen Aufschrei aber fuhr sie empor , als sie den Prinzen neben sich erblickte . Ein süßer Schreck durchbebte ihre Gestalt und hohe Purpurröte übergoß ihre Wangen . » Ich habe Sie erschreckt , liebes Kind , « sagte Waldemar freundlich und reichte ihr die Hand , » ich wollte Ihnen nur sagen , wie leid es mir getan hat , Ihre Improvisation gestern nicht gehört zu haben . « Rosas Hand zitterte in der des Prinzen , aber in ihrem Herzen wurde es wieder selig helle , denn wie er da vor ihr stand mit dem tiefen liebevollen Blick der schönen blauen Augen und dem freundlichen Lächeln eines unschuldigen Kindes , da wußte sie wieder , er sei das Ideal alles männlich Edlen und der volle Glaube an ihn kehrte siegend in ihr Gemüt zurück . » Setzen wir uns ein wenig draußen auf die Veranda , « sagte er , » da ist ' s schön kühl und liebliche Frühlingsluft , da läßt sich ' s besser plaudern . « Und immer ihre Hand haltend , zog er sie mit sich auf die Veranda , eine Galerie , die im Innern des Hauses , in echt altrömischer Weise , um den viereckigen Hof herumlief und auf welche die Türen der Wohnung hinausgingen . Unten im Hof war ein Brunnen aus einem antiken Sarkophag gebildet : aus einem marmornen Löwenkopf rann plätschernd das Wasser und verbreitete liebliche Frische , die von dem mit großen Quadern gepflasterten Boden des Hofes nach oben drang . Neben dem Brunnen stand ein Orangenbaum , dessen Blüten süßen Duft ausströmten . An der Veranda zogen sich Schlingpflanzen hinauf und hingen in langen Kränzen von dem Geflecht , das das Dach derselben bildete , hernieder . Einige Blumentöpfe standen umher , in denen rote Nelken , die vorzugsweise gepflegte Blume der römischen Mädchen aus dem Volke , wuchsen , und zwischen ihnen standen Stühle , die Rosa dort hingebracht hatte , weil sie gern dort saß und arbeitete . Auch Waldemar kannte den Platz schon gut , der ihn , seines echt römischen Charakters und seiner primitiven , sympathischen Einfachheit und Ruhe wegen , sehr anlockte . Allen konventionellen Zwang hatte er längst im Umgang mit Rosa abgelegt ; er war ein liebenswürdiger , natürlicher Mensch im Verkehr mit diesem holden , einfachen Wesen und beiden entschwand stets , wenn sie zusammen waren , der Gedanke an die weite Kluft , die sie in der Welt trennte . Sie setzten sich vertraulich wie immer nebeneinander und in der Stille dieses sympathischen Raumes , die nur durch das Plätschern des Wassers im Brunnen unterbrochen wurde , ward es ihnen beiden wieder innig wohl . Rosa war aufs neue ganz Glaube , ganz Vertrauen . Die Welt , die ihr noch kurz vorher so öde und kalt