welcher ich unmöglich einverstanden sein konnte . Ich nahm daher die Gelegenheit wahr , dem Hadschi zu folgen als er vor dem Schlafengehen noch einmal nach seinem Pferde sah . Da waren wir allein . Mein ununterbrochenes Schweigen hatte die beabsichtigte Wirkung nicht verfehlt . Er empfing mich mit den Worten : » Du bist zornig auf mich , Sihdi , weil ich diesem hochmütigen Menschen meine Kurbadsch45 zu schmecken gegeben habe ? « » Natürlich ! Wunderst du dich vielleicht darüber ? « antwortete ich . » Nein ; aber er hatte es verdient . « » Die Klugheit verbietet sehr häufig , den Menschen nach dieser Art von Verdienst zu behandeln ! Du hättest schon unsere Namen nicht sagen dürfen ; es war auf alle Fälle besser , wenn er über uns im unklaren blieb . Aber du mußt jedem unbekannten Menschen gleich sagen , was für ein berühmter Kerl du bist ! « » Bin ich das etwa nicht ? « » Nein ! « » Aber du ? « » Auch nicht . Wir sind in gewissen Gegenden bekannt ; das ist alles . Wir beide brauchen uns gar nichts einzubilden ; es giebt überall Hunderte und Tausende von Menschen , die noch ganz andere Kerls sind , als du und ich ! Du aber denkst , ein Scheik der Haddedihn und ein hier im Oriente herumkrabbelnder abendländischer Dudi el Kutub46 seien die hervorragendsten und gewaltigsten aller Erdenbewohner , weil sie einmal einen Löwen geschossen haben oder vor einigen Kurden nicht gleich ausgerissen sind . Für so hochwichtige Leute darfst du uns denn doch nicht halten . Ich sage dir , wenn eine ganze Million Menschen unserer Sorte jetzt plötzlich stürbe , die Weltgeschichte würde ihren Gang sehr ruhig weitergehen ! « » Das glaube ich nicht , Sihdi ! « » Es ist aber so ! « » Nein , denn meine Haddedihn gehören doch auch zur Weltgeschichte , und wenn ich jetzt plötzlich stürbe , so würde die Haddedihnsche Abteilung der Geographie und Geschichte in die bittersten Thränen ausbrechen und eine sehr traurige werden . Und was soll aus dem Stamm der deutschen Beduinen werden , wenn du hier stirbst und nicht zu ihnen wiederkehrst ? Zunächst würde in deinem Harem sich ein großes Weinen und Klagen erheben , und von diesem deinem Frauenzelte aus würde sich dann eine niemals versiegende Flut der Thränen ergießen über alle Berge , Thäler und Ebenen deines Vaterlandes . Die Palmen eurer Oasen würden eingehen vor Schmerz und die Herden der Kamele hinsinken durch die Seuche unheilbarer Traurigkeit . Es würde ein großer , unendlicher Jammer ausbrechen - - - - « » Sei still ! « unterbrach ich ihn . » Meine Emmeh würde trauern und mir sehr bald nachfolgen ; davon bin ich überzeugt ; sonst aber dürfte deine niemals versiegende Thränenflut nur deine Phantasie überschwemmen . Wir sind nichts Besseres als andere Menschen und haben keine Ursache zu solchen Posaunentönen , wie du immer erschallen lässest , wenn von dir und mir die Rede ist . Hörst du wohl , ich sage dir und mir . Weißt du , was ich meine ? « » Nein . « » So oft ich von uns beiden spreche , bin ich so höflich , dich zuerst zu nennen ; das habe ich stets gethan . Du aber sagst stets mir und dir oder mich und dich , stellst also immer dich voran ! Das habe ich jahrelang beobachtet und niemals eine Ausnahme bemerkt . Kannst du dir wohl denken , als welchen Beweis ich mir diesen an und für sich geringfügigen Umstand wohl habe gelten lassen ? « » Sihdi , von diesem Umstande weiß ich ja gar nichts ! « » Das ist es ja eben ! Wenn ich mit dir von uns beiden spreche , so denke ich nicht nur an die dir schuldige Höflichkeit , sondern auch an meine Freundschaft und Liebe zu dir , welche mich bestimmen , dich stets voranzusetzen . Du aber weißt nichts davon ; du denkst gar nicht daran , und weil du dich für einen ungeheuer bedeutenden Menschen hältst , bringst du dein liebes Ich ohne alle Ausnahme stets zuerst . « » Ist das wahr , Effendi ? « » Ja . « » Das möchte ich aber doch kaum glauben ! « » Ich könnte es dir beweisen , wenn auch nur indirekt . « » Wodurch ? « » Du weißt , daß ich in meinen Büchern auch unsere Reisen und Erlebnisse beschreibe . Du hast mich gebeten , dich ganz genau so zu schildern , wie du bist , um Allahs willen ja nicht anders . Das habe ich gethan , und nun kann jeder , der ein solches Buch in die Hand bekommt , nachschlagen und sich überzeugen , daß du mich immer hinter dich stellst , mich stets erst nach dir nennst . « Da faßte er mich schnell und kräftig am Arm , zog mich einige Schritte fort , als ob jemand dastehe , der seine Worte nicht hören solle , und fragte mich in erschrockenem , hastigem Tone : » Du , Sihdi , steht das wirklich in den Büchern ? « » Ja . « » Und jeder kann es lesen ? « » Meine Bücher befinden sich in mehr Händen , als du denkst . Hunderttausende haben es schon gelesen . « » Sei barmherzig und sag , daß es nicht so ist ! « » Das kann ich nicht , denn es ist wirklich so . « » Alla kerihm ! So sei Allah mir gnädig ! Was müssen diese Leute alle von mir denken ! Für was müssen sie mich halten , den Scheik der Haddedihn vom großen Stamme der Schammar ! Wenn mein Mich stets vor deinem Dich zu finden ist , ohne daß ich deinem Dir vor meinem Mir den Vortritt lasse , so ist zu befürchten , daß unser Uns auch stets an