Verheirateten stehn , wenn wir nicht an die Menschheit hinzugeben versuchten , was jene dem Manne , den Kindern geben . In solchem Falle wären sie sogar berechtigt , uns zu verachten . Jedenfalls zu verachten . Das wäre dann entschiedene Verkümmerung . Unmöglich , aber ganz , ganz unmöglich kann doch der Zweck , das Ziel von allem sein , daß wir Unverheirateten wirtschaftlich selbständig werden ! Nein , damit wäre ja noch gar nichts geschehn ! Wenn wir nur das erreichten , daß wir für unser eigenes Futter sorgen und unser eigenes Ställchen haben könnten , dann sagte ich auch : » Taugenichtse ! alle miteinander ! « Dann wären wir wirklich taube Blüten . Nein , dies Bestreben ist nur der Anfang . Der Zweck ist , die Hände frei zu bekommen , um der Menschheit dienen zu können , mit allen Kräften , mit allen wohlausgebildeten Kräften und mit unbegrenzter Liebe ! Das sagt man nur nicht . Leider sagt es niemand ! Aber ich glaube , alle , die es angeht , wissen es , oder sie fühlen es tief innerlich im Herzen . Es ist eine Art Freimaurerei unter allen , die es angeht , und der Grund davon kann ja unmöglich das eigene Futter und das eigene Ställchen sein . Darin kann das verbindende Geheimnis nicht beschlossen sein , das ist undenkbar . Ich , wenn ich reden könnte , wie die beredte Portia - - ! Ach , das war es ja , was ich sagen wollte zu den emporgewandten Hörern damals am ersten Tage im leeren Auditorium in der Universität . Zu den unsichtbaren Hörerinnen . » Der Mensch lebt nicht vom Brot allein ! « Und er lebt auch nicht , um des Brotverdienens halber . Nun , es ist gut , daß mich kein Mensch gehört hat ! Es sind so selbstverständliche Dinge , daß man sich schämen muß ! Aber vielleicht wäre es doch gut , wenn es zuweilen eine von uns offen ausspräche , wozu wir auf der Welt sind . Unsere Gegner würden uns zwar noch heftiger auslachen , aber - - Ja , mit unsern schlimmsten Gegnern , - das ist nun überhaupt merkwürdig ! Nietzsche - wahnsinnig . Guy de Maupassant - wahnsinnig . Strindberg - wahnsinnig . Ich will nicht sagen , daß es ein Symptom ist - aber - vielleicht ist es doch ein Symptom ! Wenigstens insofern , als es kaum lohnen dürfte , sich gegen uns auf Jene zu berufen , scheint mir . 16. April . Gestern sah ich zum erstenmale eine Gaskraftmaschine arbeiten , die zum Betriebe einer Druckerei dient . Die Explosionen werden zum Treiben benutzt . Das ist ein so großer Triumph über des » Feuers furchtbare Himmelskraft , « daß ich fast Bedauern mit ihm bekam . Der gefesselte Riese , der ins Joch gespannt , niedere Knechtsdienste thun muß . So hat man auch unsere Kräfte , unsere gottverliehenen Kräfte in den niedersten Dienst gespannt . Indem man uns alle freie Bewegung versagte , hat man uns klein gemacht und uns dann höhnend vorgehalten : des Hauses enge Grenzen , das sei unsere ganze Welt . Und die Schuld der Unterdrücker ist die Mitschuld der Unterdrückten geworden . Indem wir ' s uns so lang haben gefallen lassen , sind wir schlaff , träg , kleinlich , kurzsichtig , oberflächlich und listig geworden . Wir haben unsere Ketten sogar lieb gewonnen , wir finden uns anmutig in unserer Unselbständigkeit . Wir sind eitel auf Dinge , die man im Laden kauft . Nein , nein , so wie wir da sind , taugen wir gewiß nicht viel . Aber wir werden uns aufraffen ! Wir werden uns auf uns selber besinnen . Unserer gottverliehenen Kräfte werden wir gedenken , und die Ketten werden wir abstreifen . Dann wird der Himmelsfunke hell hervorlodern . So und so viele Intelligenzen mehr , so und so viele Menschen mit gutem Willen mehr - das ist doch wertvoll ! Das muß doch etwas ausmachen . Das muß man doch ernstlich in Betracht ziehn ! Ist denn bis jetzt solch ein Ueberschuß an gutem Willen in der Gesellschaft vorhanden , daß man uns alle nicht mehr nötig hat ? Nein , es giebt unendlich viel zu helfen , und die Helferinnen werden wir sein ! Ach , verschmäht doch unsere Mitarbeit nicht ! verschmäht unsern guten Willen nicht ! 20. April . Ich bin ganz zufrieden jetzt und vergnügt . Wir thun Kulturarbeit , gradezu in ausgeprägtem Maße Kulturarbeit , indem wir uns selbst zu kultivieren suchen . Und wir Frauen müssen diese unsere eigenste Sache in unsere eigenen Hände nehmen , denn unsere Männer haben zuviel mit der Kultivierung der Schwarzen und Braunen zu thun . Schulen für deutsche Mädchen sind ihnen weniger wichtig , als Schulen für deutsche Neger . Wie innig gerührt würde man höheren Orts sein , wenn die Kameruner sich ein Gymnasium ausbäten ! Gewiß käme man diesem fortschrittlichen Streben mit Huld und Bereitwilligkeit entgegen . Unseren schwarzen Brüdern würde man auf ' s Wort glauben , daß » ein Bedürfnis nach höherer Bildung bei ihnen entstanden ist « , unsere weißen Schwestern fertigt man mit schlechten Witzen ab ! Oh , ich bin sehr froh und vergnügt jetzt , ich bin jetzt vollkommen überzeugt , daß die höhere Kulturstufe auch für uns noch errungen werden kann . Wir sind ja in Bezug auf die Gleichberechtigung der Frau doch schon ziemlich viel weiter als zum Beispiel die Samojeden . Bei den Samojeden gilt die Frau für ein unreines Wesen und darf in Gegenwart des Mannes nicht essen . Bei allen rohen Völkern , deren höchstes Gut Körperkraft ist , sehn wir das Gleiche oder doch Aehnliches . Wir sind nicht mehr auf der Samojedenstufe , aber so schrecklich weit über sie hinaus sind wir auch noch nicht . In einem Soldatenlande kann die Frau nicht als gleichberechtigt angesehen werden , einfach deshalb , weil