einem zweiten , kleineren Stücke gesprochen . Vielleicht , daß uns das noch eine oder die andere jugendliche Damenrolle bringt . Ach , ja ! das zweite Stück ! bitte , bitte , das zweite Stück ! Herzlich gern , meine Damen ; sagte Albrecht , wenn Ihre Geduld denn wirklich noch nicht erschöpft ist . Ich muß aber befürworten : es kann von einem eigentlichen Stück diesmal noch weniger die Rede sein , keinesfalls von einem Lustspiel ; höchstens von einem Schwank , einer Farce - Desto besser ! rief Luckow . Nun denn ! sagte Albrecht . Er hatte sich nicht wieder an den Vertikow gestellt , sondern auf einem Sessel Platz genommen , von dem aus er , wie vorhin , Klotilde im Auge behalten konnte , sich an ihrem glänzenden Blick und freudig zustimmenden Lächeln immer neuen Mut für seine Erzähleraufgabe zu trinken . Ein schönes , junges Mädchen aus bester Familie - nennen wir sie Erna - erwartet ihren Verlobten , einen jungen Offizier - Bravo ! rief Fritz Sudenburg . Wie heißt er ? Sagen wir : Udo - zu der gewohnten Besuchsstunde . Da der Erwartete für ihre sehnende Ungeduld zu lange ausbleibt , tritt sie an das Fenster und sieht ihn über den Platz auf das Haus zukommen , zu ihrem maßlosen Erstaunen in Begleitung einer ihr völlig unbekannten , jungen , sehr eleganten Dame . Sie sieht weiter , wie Udo sich an der Hausthür von der Dame verabschiedet , nicht ohne ihr , wie es scheint , verschiedenes Wichtige mitzuteilen , worauf er sich langsam über den Platz entfernt . Während sie vergebens nach der Erklärung eines so seltsamen Vorganges sucht und sich , trotzdem sie wohl die Thorheit empfindet , einer Regung von Eifersucht nicht erwehren kann , bringt der Diener eine Karte : Miß Jane Stephenson ! Es ist eine junge Amerikanerin , die Tochter einer der Mutter eng befreundeten Familie , welche nach Berlin gekommen ist , ihre musikalischen Studien zu vollenden . Sie kann haute erst eingetroffen sein ; als man sich gestern in dem vorausbestimmten Hotel nach ihr erkundigte , erwartete man ihre Ankunft stündlich . Erna geht der Fremden entgegen ; natürlich ist es dieselbe , die ihr Verlobter bis an die Hausthür begleitet hat . Das ist was für Sie , Stephanie , flüsterte Klotilde halblaut der Freundin zu ; Sie sprechen so wundervoll englisch . Ich nehme allerdings an , daß Miß Jane das Deutsche nur unvollkommen spricht und auch wohl versteht ; sagte Albrecht . Doch ist hier für die Darstellerin ein weiter Spielraum gelassen . Bitte , bitte , fortfahren ! Erna , immer noch unter dem Druck ihrer eifersüchtigen Regung , empfängt die Dame mit einiger Reserve , erhält aber alsbald eine Lösung des Rätsels . Miß Jane , als echte Amerikanerin , hat sich zugetraut , bewaffnet mit einem Plan der Stadt , die ja doch nur ein Dorf im Vergleich zu Newyork sei , allein den Weg von dem Hotel zu dem gesuchten Hause zu finden . Auf dem Platz , nachdem sie sich , um sich zu orientieren , ein paarmal umgedreht , sei sie , kurz vor ihrem Ziele , denn doch aus der Richtung gekommen . In ihrem Reisehandbuch habe sie gelesen , daß man sich in einem solchen Falle vertrauensvoll an einen » Constable « zu wenden habe , die auf jedem Platze , an jeder Straßenecke zu finden , an ihrer Uniform , Helm und Säbel leicht erkenntlich und die Zuvorkommenheit und Liebenswürdigkeit selbst seien . Gerade in dem Moment sei einer an ihr vorübergegangen , der natürlich sofort die Fremde in ihr erkannt habe , dann er habe sie sehr scharf fixiert ; sei auch auf ihren Anruf : heigh , Constable ! sogleich stehen geblieben . Nun müsse sie sagen : ihr Grundsatz sei , sich über nichts in der Welt zu wundern ; aber , wie groß auch ihre Erwartungen von der Dienstwilligkeit der Berliner Konstabler gewesen - der hübsche , junge Mann habe sie weit übertroffen . Mit der größten Courtoisie habe er sich sofort erboten , sie bis zu dem gesuchten Hause , das übrigens ganz in der Nähe sei , zu begleiten , was er denn nun gethan , während der ganzen Zeit ein perfektes Englisch fließend sprechend . Sie würde , hätte sie dies nicht selbst erlebt , es für unmöglich gehalten haben . Ein gewöhnlicher Constabel , der durch seinen feinen Anstand , seine ritterliche Höflichkeit die most accomplished gentlemen ihres Heimatlandes beschäme ! Erna , die einen ausgeprägten Sinn für Humor besitzt , hat bei dieser völlig ernsthaft vorgetragenen Erzählung tausend Mühe gehabt , nicht in Lachen auszubrechen . Die Erklärung liegt ja auf der Hand : Udo hat die Dame nur bis an das Haus , nicht in das Haus begleitet , um seiner improvisierten Schutzmannsrolle treu zu bleiben . Natürlich wird er alsbald in Person erscheinen . Sie findet den Spaß zu gut , als daß sie nicht wünschen sollte , ihn noch ein wenig fortzusetzen . Die Berliner Konstabler , die man übrigens im Deutschen sehr bezeichnend » Schutzmänner « nenne , seien allerdings ein Elitecorps , alle ohne Ausnahme feingebildete , gentlemanlike Leute . Das sei aber freilich auch höchst nötig , denn die Unsicherheit in Berlin sei so groß ; jede anständige Familie in Berlin habe ihren Hauskonstabler , vulgo Schutzmann , der als ein Glied der Familie betrachtet werde und auf diesem Fuße ungeniert mit ihr verkehre . Das kommt nun doch der Miß , die erklärt hat , sich über nichts in der Welt zu wundern , ein wenig wunderbar vor ; sie deutet an , daß die neue Freundin hier ihrer Unkenntnis von Land und Leuten spotten wolle . Eine derartige Insinuation weist Erna , als fast beleidigend , zurück . Miß Jane müsse ihr verstatten , den Beweis ihrer Wahrhaftigkeit sofort führen und den Privat-Schutzmann der Familie herbeiholen zu dürfen . In diesem Moment