zum oberen Tore . Dort blieb sie stehen , bildete mit beiden Händen ein Schallrohr und rief : » Karle , gieh , sag ' s ack den Vater , er mechte glei amal rei kimma . ' s wäre ener dohie , der mit ' n raden wullte .... Ich kann ne verstiehn ! ... Ju , ju ! A Reiter . Mit an Pauer wullt ar raden , soit ar . « Das Mädchen kam von ihrem Posten zurück . » Der Bruder wird ' s ' n Pauern sagen , « erklärte sie , » daß er reinkommen soll . « Darauf nahm sie die Mistgabel wieder zur Hand . Der Fremde dankte ihr . Er war inzwischen abgestiegen , hatte dem Pferde die Zügel über den Kopf genommen , die Bügel in die Steigriemen hinaufgezogen und locker gegurtet , mit Handgriffen , denen man die alte Übung und die Liebe für das Tier ansehen konnte . Nun fragte er , ob er irgendwo einstellen könne . Die Mädchen sahen sich eine Weile unschlüssig an , dann erklärte Ernestine , im Kuhstalle sei noch ein Stand frei . Sie lief auch sofort zum Stallgebäude und öffnete die Tür . Der Fremde folgte ihr , das Pferd am Zügel . Jetzt , wo er sich auf ebener Erde bewegte , kam erst die Größe und Schlankheit seiner Figur zur Geltung . Der Vollblüter scheute vor der niederen Tür und dem Geruche , der aus dem Kuhstall drang . Mit fliegenden Nüstern und gespitzten Ohren stand der Gaul da und schniefte in tiefen , langgezogenen Tönen . Durch Klopfen und Zureden brachte sein Herr ihn endlich dazu , die verdächtige Schwelle zu überschreiten . » Das übrige besorge ich mir schon selbst ; danke Ihnen ! « rief er dann und verschwand , seinem Tiere folgend , in dem engen Pförtchen . Bald darauf trat der alte Bauer in den Hof . Seine Miene verriet Ärger . Er war schlechter Laune , daß man ihn von der Arbeit abgerufen hatte . Ernestine erklärte ihm , daß ein Herr zu Pferde da sei . Er sähe aus wie einer vom Rittergute , meinte das Mädchen , welches , wie es schien , seine Augen zu gebrauchen verstand . Die Laune des Alten verbesserte sich durch diese Vermutung nicht . Er fluchte und rief den Töchtern zu , ein andermal sollten sie solche Leute wegschicken . Inzwischen kam der Fremde aus dem Stalle heraus , in gebückter Haltung , um nicht an den Deckstein anzustoßen . Er begrüßte den Bauern , der die Hände nicht aus den Taschen nahm , mit Hutabnehmen und erklärte , er sei der neue Güterdirektor des Grafen , Hauptmann Schroff . Der Büttnerbauer sah den Mann mit wenig freundlichem Ausdruck an . Einer von der Herrschaft ! Von der Seite war ihm bisher niemals was Gutes gekommen . Da der Bauer sich , wie es schien , nicht dazu herbeilassen wollte , zu sprechen , fragte Hauptmann Schroff , ob er ins Haus treten dürfe , er habe mit Herrn Büttner ein Wort unter vier Augen zu reden . Der alte Mann ging , statt zu antworten , auf sein Haus zu . Der Hauptmann folgte . Im Zimmer trafen sie die Bäuerin . » Frau , gieh naus ! « rief ihr der Bauer kurz angebunden zu . Der Fremde unterließ es nicht , sich bei der Frau zu entschuldigen , er habe Wichtiges mit ihrem Eheherrn zu bereden . Der Büttnerbauer hatte sich in seine Ecke gesetzt und sah von diesem Verließ aus mit mürrischer Miene den Dingen entgegen , die da kommen würden . Der Hauptmann holte sich einen Stuhl herbei und setzte sich dem Alten gegenüber . Er schien das ablehnende Wesen des anderen absichtlich übersehen zu wollen . » Also , Herr Büttner ! « begann Hauptmann Schroff , und schlug dabei mit der Reitgerte gegen seine gespornten und gestiefelten Beine , die er lang ausgestreckt hatte , » die Sache ist nämlich folgende : Mein Chef , der Graf , möchte gern Ihren Wald kaufen . Es ist ja darüber bereits früher zwischen Ihnen und meinem Vorgänger verhandelt worden , aber ohne Resultat . Der Herr Graf wünscht nun aber dringend , daß die Sache endlich einmal vorwärts rückt . Der Erwerb Ihrer Waldparzelle ist uns von ziemlicher Wichtigkeit ; ich sage Ihnen das ganz offen heraus . Das kleine Stück liegt gerade wie ein Keil zwischen zwei von unseren Hauptrevieren . Eine Verbindung der beiden Reviere ist aus wirtschaftlichen Gründen dringend erwünscht . Uns bedeutet dieser schmale Streifen die Möglichkeit , bei den Holzfuhren viele Kilometer zu ersparen . Ihnen dagegen nützen diese fünfzig bis sechzig Morgen so gut wie gar nichts . Im Gegenteil , der Wald kostet Ihnen höchstens etwas . Das bißchen Holz , was darauf steht , ist kaum der Rede wert . Der Boden ist entwertet durch die Streunutzung . Und dabei liegen doch Abgaben darauf . Wenn wir es in unsere Regie bekommen , würden wir sofort Kahlschlag machen lassen und neu aufforsten . Dabei werden die Arbeitslöhne natürlich nicht einmal herauskommen , so schlecht ist der jetzige Stand . Sie sehen demnach , Herr Büttner , das Interesse ist eigentlich auf beiden Seiten . Für uns , die Parzelle zu erwerben , für Sie , das Ding loszuwerden . - Also werden wir wohl handelseinig werden , denke ich , diesmal . « » Ich denk ' s ne ! « sagte der Bauer aus seiner Ecke heraus . » Aber , ich bitte Sie , bester Herr Büttner ! « rief der Hauptmann und kam dem Alten näher auf den Leib , sich mit Hilfe seiner langen Beine auf die Ecke zurückend . » Der Graf will Sie natürlich gut bezahlen , jedenfalls weit über den eigentlichen Wert des Grund und Bodens . Ich habe Vollmacht , Ihnen einen Preis zu bieten , der in dieser Gegend für Waldboden noch nicht