weißt , daß ich in dieser delikaten Sache nicht wie Therese denke ; sie hält die Poggenpuhls für einen Pfeiler der Gesellschaft , für eine staatliche Säule , was natürlich lächerlich ist ; aber du deinerseits hast umgekehrt eine Neigung , zuwenig auf unsern alten Namen zu geben oder , was dasselbe sagen will , auf den Ruhm unsres alten Namens . Ruhm und Name sind aber viel . « » Kann ich zugeben , Manon ; aber wer hat heutzutage nicht einen Namen ? Und was macht nicht alles einen Namen ! Pears Soap , Blookers Cacao , Malzextrakt von Johann Hoff . Rittertum und Heldenschaft stehen daneben weit zurück . Nimm da beispielsweise den Marschall Niel ! Er hat , glaub ich , Sebastopol erobert und war , wenn ich nicht irre , verzeih den Kalauer , ein Genie im Genie ; jedenfalls eine militärische Berühmtheit . Und doch , wenn nicht die Rose nach ihm hieße , wüßte kein Mensch mehr , daß er gelebt hat . Indessen lassen wir Niel ; was geht uns am Ende Niel an ? Nehmen wir lieber etwas , was uns viel , viel näher liegt , nehmen wir da beispielsweise den großen Namen Hildebrand . Es gibt , glaub ich , drei berühmte Maler dieses Namens , der dritte kann übrigens auch ein Bildhauer gewesen sein , es tut nichts . Aber wenn irgendwo von Hildebrand gesprochen wird , wohl gar in der Weihnachtszeit , so denkt doch kein Mensch an Bilder und Büsten , sondern bloß an kleine dunkelblaue Pakete mit einem Pfefferkuchen obenauf und einer Strippe drum herum . Ich sage dir , Manon , ich habe mein Poggenpuhlhochgefühl geradesogut wie du und fast so gut wie Therese ; wenn ich dieses Hochgefühls aber froh werden soll , so brauche ich zu meinem Poggenpuhlnamen , der , trotz aller Berühmtheit , doch leider nur eine einstellige Zahl ist , noch wenigstens vier Nullen . Eigentlich wohl fünf . « » Ich habe nichts dagegen , Leo , daß du so rechnest ; ganz im Gegenteil . Bin ich doch selber nicht ängstlich in diesem Punkte . Ja , ich gehe zu , du mußt so rechnen . Aber ich fürchte , du rechnest nicht an der richtigen Stelle . Da sind Bartensteins , da ist Flora ... Ja , das wäre was . Flora Bartenstein ist ein kluges und schönes Mädchen und dazu meine Freundin . Und reich ist sie nun schon ganz gewiß . Also darüber ließe sich reden . Aber in Thorn , wovon du beständig schreibst und sprichst ... freilich immer nur so dunkel und bloß in Andeutungen . Ich bitte dich , Leo , was soll das ? In Thorn ... ! Wie heißt sie denn eigentlich ? « » Esther . « » Nun , das ginge . Viele Engländerinnen heißen so . Und ihr Vatersname ? « » Blumenthal . « » Das ist freilich schon schlimmer . Aber am Ende mag auch das hingehen , weil es ein zweilebiger Name ist , sozusagen à deux mains zu gebrauchen , und wenn du Stabsoffizier bist ( leider noch weitab ) , und es heißt dann bei Hofe , wo du doch wohl verkehren wirst : die Frau Majorin oder die Frau Oberst von Poggenpuhl ist eine Blumenthal , so hält sie jeder für eine Enkelin des Feldmarschalls . Ein Poggenpuhl , der eine Blumenthal heiratet , soviel Vorteil muß man am Ende von einem alten Namen haben , rückt sofort auf den rechten Flügel der Möglichkeiten . « » Bravo , Manon . Also deine Bedenken zerrinnen . « » Doch nicht ganz ; soviel kann ich nicht zugehen . Ich mühe mich nur einfach , aus Esther und Blumenthal das Beste zu machen . Außerdem , ich begreife deine Lage , fühle den Druck mit und freue mich , daß du heraus willst . Aber wenn es irgend sein kann , bleibe im Lande und nähre dich redlich ; laß es nicht an der Weichsel sein , nicht Esther ; sie kann , wie sie auch sei , an Flora nicht heranreichen . Zudem , die ganze Bartensteinsche Familie - es sind drei Brüder , zwei in der Voßstraße - hat ein besonderes Ansehen ; der , in dessen Hause ich verkehre , ist ein Ehrenmann , beiläufig auch noch ein Humorist , und ich bin sicher , daß er bei der nächsten Anleihe geadelt wird . In meinen Augen ist das nichts von Bedeutung , ja , beinahe störend , denn ich hasse alles Halbe , was es doch am Ende bleibt . Aber vor der Welt ... « » Ich will es mir überlegen , Manon . Vorläufig find ich es entzückend , so gleichsam die Wahl zu haben ; wenigstens kann ich mir so was einbilden . Am liebsten freilich blieb ich noch eine Weile , was ich bin ; ein Junggeselle steht doch obenan . Nur der Witwer mit seinem Blick in Vergangenheit und Zukunft steht vielleicht noch höher . Aber das kann man nicht gleich so haben . Und nun gehab dich wohl . Mama wird sich schon wundern , was wir noch alles wieder miteinander gehabt haben . « Und bei diesen Worten trennten sie sich . Manon aber trat noch an das Bett der Mutter , um zu sehen , ob sie schliefe . » Du hast geweint , Mama . « » Ja , Kind . Aber gute Tränen ; die tun wohl . « Neuntes Kapitel Manon war früh auf , um dem Bruder noch bei der Abreise behilflich zu sein , die beiden andern Schwestern aber beschränkten sich darauf , als Leo den Korridor passierte , ihm ihre Arme durch den Türspalt entgegenzustrecken . » Ich kenne euch doch « , sagte Leo , » der dicke Arm , das ist Sophie . « Die von ihm gestellte Diagnose war denn auch richtig , aber für Therese verletzlich , und so