der Seite ein schmales Pförtchen , zu dem einige Stufen hinunterführen . Ratlos stehe er lange davor , pocht , rüttelt an der Klinke , aber die bleibt unbeweglich und sein Pochen ungehört . Eine Schar kleiner Jungen kommt daher ; einer von ihnen springt die Treppe zur Klosterpforte hinab , hängt sich an den Glockenstrang , läßt ihn plötzlich zurückschnellen und läuft davon . Ein Geläute , das gar nicht enden wollte , drang aus dem Innern des Hauses ; das Pförtchen öffnete sich , Pavel trat ein und stand weder vor einer geschlossenen Tür ; doch hatte diese ein Glasfenster und gewährte den Einblick in eine Halle , deren ziemlich niedriges Gewölbe von freistehenden Säulen getragen wurde und deren Wände mit Feuchtigkeitsflecken bedeckt waren . Eine Nonne erschien , musterte den Besucher und fragte mit strenger Miene : » Warum schellst du so stark ? Was willst du ? « » Meine Milada « , stammelte Pavel . Es überkam ihn plötzlich , daß er sich unter einem Dache mit seiner Schwester befand , und unleidlich wurde seine Ungeduld . » Wo ist sie ? « rief er . » Wen meinst du ? « fragte die Klosterfrau . » Es gibt hier keine Milada , du bist wohl fehlgegangen . « Schon wollte sie ihn abweisen , da erinnerte er sich des Talismans , den er bei sich trug , und überreichte den Brief . Die Nonne betrachtete eine Weile die Aufschrift : » Ja so « , sagte sie . » Liebes Kind , deine Schwester heißt bei uns Maria . Du kannst sie jetzt nicht sehen , sie ist in der Kirche . « Pavel erklärte , er wolle auch in die Kirche , und dabei nahm sein Gesicht einen so entschlossenen und bösen Ausdruck an , daß der Pförtnerin angst wurde . Sie bemühte sich , ihm begreiflich zu machen , daß er warten müsse , bis die Messe aus sein werde , führte ihn zu dem Ende in ein an die Halle anstoßendes Zimmer , ließ ihn dort allein und verschloß hinter ihm die Tür . Da war er ein Gefangener . Der düstere Raum , in dem er sich befand , hatte keinen zweiten Eingang , dafür aber drei mit schweren bauchigen Gittern versehene Fenster . Sie öffneten sich auf einen mit Obstbäumen bepflanzten Rasenplatz , in dessen Mitte , altersgrau und verwittert , eine Muttergottesstatue stand , ein buntes Kränzlein auf dem Haupte , und Pavel dachte gleich , niemand anders als Milada habe das geflochten ... Wenn sie doch käme , bald käme , wenn doch die Messe schon vorüber wäre ! ... Glockenklang erhob sich , es wurde zum Sanktus geläutet ; nun folgte die Wandlung , Pavel sank auf die Knie und betete inbrünstig : Lieber Gott , schick mir meine Schwester ! Er sehnte sich , er hoffte , er wartete- die Glocken hatten längst zum letzten Segen geläutet , die Kleine erschien immer noch nicht . Und still war ' s ringsum wie in einer leeren Kirche . Kein Mensch im Garten zu erblicken , in der Halle kein Laut , kein Schritt zu hören . Pavel warf sich gegen die Tür und polterte mit Händen und Füßen , solange er konnte . Umsonst , niemand kam , ihn zu erlösen . - Erschöpft und verzweifelt sank er auf den Boden , zu Füßen eines großen Tisches , der nebst einigen an die Wände gerückten Stühlen die ganze Einrichtung der Stube bildete . Sie kommt nicht , sie kommt nicht , und mich hat man eingesperrt und vergessen - das sagte er sich , anfangs mit zorniger Empörung über etwas Abscheuliches und Unerhörtes , zuletzt mit stumpfer Ergebung in das Unabänderliche . Sein Kopf wurde immer schwerer , seine Augen fielen zu , er schlief ein . So fest , so tief schlief er , daß ihn das Geräusch der plötzlich aufgerissenen Tür nicht weckte , daß er erst zum Bewußtsein kam , als ein Paar kleine Arme ihn umklammerten , eine liebe , geliebte Stimme jauchzte : » Pavel , Pavel , bist du endlich da ? « Er riß die Augen auf , sprang empor - schaute , wurde feuerrot , hätte auch gern etwas gesagt und konnte nicht - brannte danach , sie an sein Herz zu ziehen , und wagte es nicht . - Ach , schön , schön hatte er sich seine Schwester vorgestellt , aber so schön , wie sie ihm in Wirklichkeit erschien , doch nie und nimmermehr ! - Sie trug ein dunkelblaues Kleid , das im Schnitt ein wenig an einen priesterlichen Talar mahnte , und auf der Brust ein silbernes Kreuz . Ihre blonden Haare waren in einen Zopf geflochten , der ihr über den Rücken hing bis zum Gürtel ; an der Stirn , den Schläfen , im Nacken aber kräuselten sich , der glättenden Hand eigensinnig entschlüpft , kleine , feine goldige Löckchen und umgaben den Kopf wie ein Heiligenschein . Immer scheuer wurde die Bewunderung , mit der Pavel das Kind betrachtete , plötzlich trübten sich seine Augen , er hob den Arm empor und preßte ihn an sein Gesicht . Diesem seltsamen Empfang gegenüber blieb die Kleine eine Weile ratlos , umfing ihren Bruder aber bald von neuem , und unter ihren Liebkosungen wich der entfremdende Bann , der ihn bei ihrem Anblick ergriffen hatte . Er setzte sich , nahm sie auf seinen Schoß , küßte und herzte sie und ließ sich von ihr erzählen , wollte auf das genaueste wissen , wie sie lebte , was sie tat , was sie lernte , vor allem jedoch - was sie zu essen bekam . Er staunte , wie geringen Wert sie auf diese so wichtige Sache legte , wie ihr um nichts so sehr zu tun war als darum , das bravste Kind im ganzen Kloster zu sein , und um die Anerkennung dieser Tatsache . » Es ist schwer ,