paarmal nach seinem Sohne zurückblickend , es berührte ihn wie immer gar nicht so unangenehm , wenn er sich diesem überlegen zeigen konnte . Toni ging durch den Hausflur in den Garten . Er ließ sich in der Rebenlaube nieder . Er stützte den Kopf mit der Linken , den Ellbogen hatte er auf das eine Knie aufgestemmt , auf dem andern lag flach seine Rechte ; so saß er nachdenklich eine geraume Weile , dann seufzte er auf : » So kann ' s nit fortgehn . « Der Garten hatte ein Seitenpförtchen , von welchem ein ausgetretener Weg auf dem Kamme des Hügels über die Wiesengründe führte . Wer diesem schmalen Steig , der sich mählich bergab verlor , folgte , hatte das Dorf im Rücken . Toni schlenderte bedächtig auf selbem dahin , oft blieb er stehen und sah nach der letzten Hütte da unten in Zwischenbühel . Plötzlich riß es ihn herum , und er beugte den Oberleib vor und streckte den Hals . Helene war auf die Straße getreten . Kein Zwinkern der Augen , kein Zucken der Mundwinkel wie damals , als er über die Wiese nach dem Bache hinunterstieg , zeigte sich jetzt in dem Gesichte des Burschen , nur die äußerste Spannung war darin zu lesen , mit welcher er von der Höhe aus jede Bewegung der Dirne beobachtete . Helene trug einen kleinen Buckelkorb , sie stand eine Weile und blickte um sich , dann ging sie unten an dem Ufer des Baches in der gleichen Richtung fort wie Toni oben am Kamme des Hügels . Gewiß , sie ging dürres Astwerk oder Tannenzapfen auflesen in dem kleinen Nadelholzbestande , welcher der Gemeinde gehörig war und der » tote Wald « hieß ; es war das ein kümmerliches Gehölze , nahe dem Rande des Baches , der es bei Hochwasser überflutete und Sand und Gerölle zwischen den Stämmen ließ , aber ganz war es dem Verderben geweiht , seit der Borkenkäfer dort zu hausen begann ; kahl ragten die schlanken Schäfte empor , morsch brachen sie in sich zusammen , nur wenige gesunde Bäumchen fristeten noch für unbestimmte Dauer ihr Sein . Der tote Wald war aufgegeben . Selbst des Leseholzes wegen gab es keinen Streit , nur die Allerärmsten des Ortes schickten ab und zu ihre Kinder , um von dem Geäste heimzuholen , was einem nicht unter dem Griffe zermürbte . Daß ihn die Dirne gesehen habe und ihm nun geflissentlich über den Weg laufe , das galt dem Burschen für ausgemacht , doch empfand er diesmal keine freudige Genugtuung darüber , er fühlte sich vielmehr bange und beklommen , einen Augenblick wünschte er sogar , sie möchte nicht gekommen sein , doch weil sie es war , achtete er bald auf nichts mehr , als mit der Gestalt , die flink auf der Straße da unten sich fortbewegte , gleichen Schritt zu halten . Nahe , wo der Steig endete , führte er hinter den Büschen knapp am Rande des Baches dahin ; dort blieb der Bursche einen Augenblick stehen , mit verhaltenem Atem und ohne Regung , damit er nicht unversehens an einen Zweig des Strauches rühre , der ihn deckte . Nur durch das schmale Bett des Wassers getrennt , ihm gerade gegenüber saß die Dirne auf einem Erdaufwurf , der Schuh mochte sie wohl gedrückt haben , sie hatte ihn ausgezogen und schüttelte ihn , dann zog sie ihn wieder an , streckte den Fuß zierlich vor und lockerte ihr Strumpfband , darauf erhob sie sich und schritt in den Tann , hinter dessen schlanken Stämmen sie verschwand . Toni legte die kurze Strecke Weges bis an den Bach zurück , lief über den Baumstamm , der da statt einer Brücke diente , und sah nahe im toten Walde Helene erwartend stehen . Er ging entschlossen auf sie zu . Sie ließ ihn auf drei Schritte herankommen , dann warf sie mit dem einen Arme den Korb von der Schulter zur Erde und streckte den anderen gegen ihn aus . » Das muß einmal ein End haben « , rief sie . » Das mein ich auch « , sagte der Bursche und nickte dazu ernst mit dem Kopfe . » Ganz offen gesteh ich ' s « , fuhr sie fort , » heut hab ich dich wohl von der Höhen daherkommen gsehn und es drauf anglegt , daß ich mit dir zusammtreff , weil mir dein Nachlaufen durchn Ort und ewig Angaffen in der Kirchen hitzt schon einmal z ' dumm wird ! Hilft ' s bei dir nit , wenn mer , was dich angeht , kurz und bündig in einm Sprüchel sagt , brauchst du zum Verstehen leicht ein Predigt oder ein Litanei ? « » Red dich aus , red dich nur aus « , sagte Toni , indem er vor sich zu Boden sah . » Du bildst dir wohl ein , du wärst gar ein Besondrer und alle anderen gring gegen dich ? Freilich , du bist der einzige Sohn vom reichen Bauer afm Sternsteinhof und selber einmal der Herr drauf , halt ja , das bist du , aber deßtwegn brauchst doch mich nit für ein schlechts Mensch z ' halten ! « Sie hatte unterdem von den nahe stehenden Bäumen dürre Äste abgebrochen und neben dem Korb hingeworfen , jetzt schwang sie eine dünne Gerte in der Hand und führte damit einen Lufthieb gegen den Burschen . » Haltst mich leicht nit dafür ? « » Wie käm ich auf den Gedanken ? « sagte er kleinlaut , ohne den Blick vom Boden zu erheben . » Bist noch nit draufkommen , so helf ich dir drauf ! Was willst mit all deinm Nachlaufen und Aufdringlichkeiten bezwecken , als daß ich den Burschen , der ' s ehrlich mit mir meint , fahrenlassen sollt , dir zlieb , der ' s nit in Ehren meint , nit in Ehren meinen kann noch darf ? ! «